Gebäude oder Warmwasser zu heizen soll in einigen Jahrzehnten kein CO2 mehr erzeugen - dies strebt die schweizerische Energiepolitik an. Das Ziel ist realistisch. Dazu sind aber verschiedene Massnahmen nötig: Einerseits müssen die Gebäude gut isoliert werden, damit sie keine Wärme verlieren. Das heisst, Wände und Dächer müssen genügend gedämmt sein; Türen und Fenster sollten einen hohen Qualitätsstandard aufweisen, damit der Wärmeverlust minimal ist. Andererseits muss sowohl beim Abwasser als auch bei der Abluft die Wärme zurückgewonnen werden. Die kontrollierte Lüftung muss also mit der Abluft aus den Räumen die Frischluft wärmen, die neu ins Haus geblasen wird. Dies geschieht über einen Wärmetauscher und eine Wärmepumpe.

Die Schweizer Regierung, das Bundesamt für Energie (BFE) und Fachbranchen verfolgen dieses Ziel gemeinsam. Denn für Anlagenbesitzer lohnt es sich, in diese Technologien zu investieren. Dafür sprechen die steigenden Abgaben für CO2, Einschränkungen oder gar Verbote von Elektrodirektheizungen, der Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) und nicht zuletzt geringere Betriebs- und Unterhaltskosten.

Braucht es neue Kraftwerke?

Wärmepumpen nutzen Energie aus der Umwelt. Entsprechend sinken die Betriebskosten gegenüber anderen Heizsystemen und die Umwelt wird von Abgasen, CO2-Emissionen und Feinstaub entlastet. Dass die Geräte mit Strom betrieben werden, wirft allerdings die Frage auf, ob die Lösung auch voll und ganz nachhaltig ist. Ist der Einsatz von Wärmepumpen nur sinnvoll, wenn der Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt? Strom ist eine hochwertige Energieform - damit zu heizen ist grundsätzlich ineffizient. Bei Elektrodirektheizungen trifft diese Aussage zu.

Anzeige

Bei Wärmepumpen präsentiert sich jedoch eine andere Situation: Die Systeme benötigen lediglich einen Viertel des Stroms von Elektrodirektheizungen, um dieselbe Menge an Wärme zu produzieren. 75% der Energie beziehen Wärmepumpen aus der Umgebung, also aus Boden, Wasser oder Luft. Heute bieten zudem verschiedene Stromlieferanten Strom aus erneuerbarer Energie an, womit die Anlage 100% CO2-frei ist.

Bund und Fachverbände schätzen das Potenzial in der Schweiz auf 400000 Wärmepumpen im Jahr 2020. Dabei stellt sich ein zweite Frage: Wie wird dieser erhöhte Strombedarf gedeckt? Müssen neue Wasser-, Atom- oder andere Kraftwerke gebaut werden, um genügend elektrische Energie für die Wärmepumpen zu liefern? Auf keinen Fall. Wenn im Jahr 2020 tatsächlich 400000 Wärmepumpenanlagen installiert sind, benötigen diese lediglich 5 bis 6% des schweizerischen Jahresstromverbrauches.

Diese Menge steht gleich mehrfach zur Verfügung, zum Beispiel durch den Ersatz von Elektrodirektheizungen durch Wärmepumpen. Grosses Potenzial bieten zudem die Reduktion des Standby-Betriebs, Massnahmen zur Effizienzsteigerung bei Elektrogeräten oder der Ersatz von Glühlampen.

Wärmepumpen sind keine Exoten mehr in der Gebäude- und Energietechnik, sie haben heute einen Marktanteil von 41%. Damit nimmt die Schweiz zusammen mit Schweden den europäischen Spitzenplatz ein. 2008 wurden erstmals über 20000 Wärmepumpen in der Schweiz verkauft. In 75% aller Neubauten werden heute Wärmepumpen eingesetzt. Dass diese vor allem in Neubauten installiert werden, liegt daran, dass bisherige Modelle eine Vorlauftemperatur von typisch 45°C erreichten. Dies reicht für ein modernes Haus mit Bodenheizung, das mit einer Vorlauftemperatur des Wassers von rund 30 bis 40°C heizt. Ältere Häuser mit Radiatoren im Zimmer brauchen aber höhere Vorlauftemperaturen, denn die Fläche der Radiatoren ist kleiner. Dementsprechend heisser muss das Wasser sein.

Anzeige

Moderne Wärmepumpen erreichen nun aber 65°C. Dies reicht für Umbauten, wenn die Gebäudehülle zusätzlich isoliert wird. Mit den höheren Vorlauftemperaturen kann zudem das Warmwasser für die sanitären Installationen wie Duschen direkt von der Wärmepumpe geheizt werden. Die elektrische Zusatzheizung entfällt. Eine deutliche Zunahme verzeichnen ausserdem die Wärmepumpen kombiniert mit Solaranlagen zur Unterstützung der Warmwasseraufbereitung.

Gütesiegel für Qualität

Wichtig bei allen Anlagen ist, dass die Heizung auf das Gebäude abgestimmt und richtig eingestellt ist. Ist sie falsch dimensioniert, erbringt sie nicht die erhoffte Leistung. Der Verband der Fördergemeinschaft Wärmepumpen Schweiz (FWS) bildet deshalb Installateure und Heizungsplaner systematisch aus, wie sie alte Öl- und Gasheizungen mit einer Wärmepumpe ersetzen können. Zudem entwickelte die Fördergemeinschaft Wärmepumpen Schweiz zusammen mit Industrie und Bund ein Qualitätssicherungssystem: Wärmepumpen, welche die vorgeschriebenen Leistungen erbringen, werden durch die FWS zertifiziert und erhalten ein Gütesiegel. Den gleichen Massstab auferlegt sich die Branche bei den Erdwärmesonden, indem auch. Bohrunternehmen mit dem Gütesiegel zertifiziert werden. Damit bietet die Branche Hausbesitzern wichtige Entscheidungshilfen für eine sichere Investition.

Anzeige