Das optimale Zusammenspiel der verschiedenen Marktakteure kann zu signifikanten Verbesserungen in Ertrag und Kosten führen. Eine davon ist die Collaboration in der Supply Chain am Beispiel des Shelf Ready Packaging.

Shelf Ready Packaging (SRP) ist eine der herausragenden Möglichkeiten, wie die ganze Handelskette vom Hersteller über den Transporteur bis zum Detailhändler Hand in Hand arbeiten und dabei Geld sparen kann: «Ziel von SRP ist es, die Güter schon beim Produzenten so zu verpacken, dass sie sicher und schadlos auf allen Wegen transportiert und im Geschäft ohne weiteres Aus- oder Umpacken in die Regale geräumt werden können», sagt Valentin Wepfer, Leiter Geschäftsbereiche Prozesse & Marketing bei GS1 Schweiz.

Sparsame Nutzung

«Diese Form der Collaboration spart teures Verpackungsmaterial, ist ein Beitrag zur ökologisch sinnvollen und sparsamen Nutzung von Rohstoffen und ermöglicht erst noch ein über alle Stufen einheitliches Merchandising», ergänzt Dirk Dreisbach, Leiter Geschäftsbereich Consumer Markets bei Accenture, der Shelf Ready Packaging zusammen mit GS1 unter die Lupe genommen hat. Dazu eignen sich besonders leicht aufreissbare Boxen, die ins Regal gestellt werden können (On-Shelf Tray), aufreissbare oder wieder verschliessbare Grosspackungen (Mus, Pallet, Dolly) und wiederverwendbare Kunststoffbehälter.

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SRP ist bereits heute im Einsatz und wird auch in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Wertschöpfung auf allen Stufen leisten. Dabei muss das Verpackungsmaterial nicht immer aus Karton bestehen, wie das heute meist der Fall ist. Auch Gebinde aus Kunststoff oder anderen Materialien, die rezykliert oder an den Produzenten zurückgeliefert werden, können sich eignen. Dirk Dreisbach: «Führt SRP insgesamt aber zu höheren Kosten, so wird es im konkreten Fall nicht optimal eingesetzt oder es ist in diesem Fall nicht die richtige Lösung.» SRP müsse, so Dreisbach, zu mehr Funktionalität, tieferen Kosten und besserer Umweltverträglichkeit führen und dürfe nicht nur die Logistik leistungsfähiger machen.

SRP erleichtert die Abläufe, die Produktverfügbarkeit, nutzt auch die Transportverpackung als Werbemedium und sorgt für Ordnung und Sauberkeit in den Regalen. Der wichtigste Punkt für Valentin Wepfer: «SRP sorgt ganz direkt für höhere Umsätze.» So hat beispielsweise ein britischer Retailer 2005 aufgrund der Umstellung von 8000 SKU (Stock Keeping Units) einen Mehrumsatz bei den betreffenden Speck- und Wurstsorten von 7% erzielt. Bei Fertigpizzas, die mit SRP präsentiert wurden, stieg der Umsatz gar um 35%. 2006 hat er deswegen weitere 10000 SKU auf SRP umgerüstet.

Darüber hinaus hilft SRP, die Arbeitsabläufe zu vereinfachen und damit die Produktivität zu steigern. Die In-Store Supply Chain Activities, also das Auspacken, Einlagern, Beschriften der Produkte und Füllen der Regale, bestimmt im Food-Bereich 70 bis 80% des Tagesgeschäfts eines Lebensmittelhändlers. Im Bereich Non-Food sind es 45 bis 50% und 40% der Kosten, die im Laden selbst anfallen.

Die Diskussion zeigt allerdings, dass in der Schweiz die grossen Ketten stark unterschiedliche Formate und tausende von häufig wechselnden Produkten führen, die eine Normierung der Verpackung kaum gestatten. Hemmnisse werden vor allem bei Nonfood ausgemacht, wogegen der Marktführer im Foodbereich in SRP durchaus ein Sparpotenzial ausmacht und bereits entsprechende Projekte initiiert hat.

Lücken in den Regalen

Das grösste Problem machen Hersteller und Händler bei den angebrochenen Grosspackungen aus, die erst weggeräumt werden könnten, wenn praktisch der letzte Artikel daraus verkauft sei, wenn das SRP-Sparpotenzial auch tatsächlich genutzt werden soll. Dadurch entstehen aber Lücken in den Verkaufsregalen, die einen unordentlichen Eindruck hinterlassen und sogar abschreckend wirken würden. Zudem verwässerten die vielen unterschiedlichen Displays das spezifische «Look and Feel» eines Ladens bzw. einer Kette, sodass letztlich alle Detailhandelsgeschäfte zu einem undefinierten Einheitsladen verkommen könnten. Effizienzgewinne in der Logistik müssten so durch Mehrarbeit in den Filialen erkauft werden. Denn wenn halbleere oder defekte Gebinde nicht weggeräumt würden, wirke der Laden unaufgeräumt, die Attraktivität des POS gehe verloren. Zudem seien viele Kunden heute sehr umweltbewusst und verlangten auch im Verpackungsbereich Nachhaltigkeit. Gewännen sie den Eindruck, dass bei Transport oder Verpackung die Umwelt unnötig belastet werde, so wendeten sie sich vom betreffenden Hersteller bzw. Händler ab und deckten ihre Bedürfnisse dort, wo sie dies vermeintlich oder tatsächlich mit gutem oder zumindest besserem Gewissen tun könnten.

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Geringes Effizienzpotenzial

Insgesamt werde das Effizienzpotenzial als eher gering eingestuft, weil sich der Eindruck eines unaufgeräumten Ladens negativ auf die Umsätze auswirken könnte und die Gefahr bestünde, dass die anfallenden Kosten einfach von der Logistik in die Filialen verschoben würden, so die Erkenntnis von GS1 und Accenture.