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Siroop-Verluste: Debatte um Anteil von Swisscom

Siroop
Die gescheiterte Handelsplattform Siroop hinterlässt ein tiefes Loch: Ende April stande ihre Verluste bei 140 Millionen Franken. Quelle: Keystone

Siroops Verluste dürften hälftig bei der Swisscom gelandet sein. Der Konzern schweigt, Ständerat Alex Kuprecht pocht auf politische Mittel.

Von Michael Heim
am 20.06.2018

Das misslungene Handels-Experiment Siroop hat in den Büchern ein grosses Loch hinterlassen. Rund 140 Millionen Franken Bilanzverlust wurden aufgehäuft, bevor die Siroop AG Anfang Mai mit der Muttergesellschaft Coop fusioniert wurden. Coop bestätigte entsprechende Recherchen der «Handelszeitung». Alleine im vergangenen Jahr schrieb Siroop 55 Millionen Franken Verlust.

Unklar ist allerdings, wie viel davon Siroop-Partnerin Swisscom tragen musste. Sie war bis Anfang April zu 50 Prozent an Siroop beteiligt, wie unter anderem der Jahresbericht 2017 belegt. Im Rahmen des Joint-Ventures mit Coop hat sie die Siroop-Geschäfte «at equity» in ihrem Abschluss konsolidiert.

70 Millionen Franken Verlust für die Swisscom

Auf Anfrage will Swisscom nicht sagen, wie viel sie der Ausflug in den Online-Handel genau gekostet hat und ob sie vor ihrem Ausstieg eine entsprechende Ausgleichszahlung an Coop vornehmen musste. Swisscom-Sprecher Armin Städeli bestätigt aber, dass man sich die Kosten hälftig geteilt habe. Der Verkauf von Siroop belaste das laufende Geschäftsjahr nicht, betont er. Das sollte bei dieser Art der Bilanzierung aber auch gar nicht passieren.

Die Equity-Konsoldierung schreibt vor, dass eigenkapitalwirksame Verluste anteilig in der Bilanz der Eigentümerin abegbildet werden müssen. Der Jahresverlust von 55 Millionen hätte sich demnach mit 27,5 Millionen in der Swisscom-Rechnung 2017 niederschlagen müssen, der aufgelaufene Bilanzverlust mit insgesamt 70 Millionen Franken.

Theoretisch könnte es sein, dass ein Teil der Verluste beireits vor der Liquidierung der Siroop AG ausfinanziert wurde. Dann wäre das insgesamt entstandene Loch noch grösser. Weder Coop noch Swisscom wollten sich zu dieser Frage äussern.

Ständerat Kuprecht will mehr wissen

Der Schwyzer Ständerat Alex Kuprecht (SVP) hat noch vor Bekanntwerden der Siroop-Zahlen eine Interpellation eingereicht, über die er mehr zu den Verlusten von Swisscom erfahren möchte. Er stört sich insbesondere daran, dass die Swisscom trotz der Mehrheitsbeteiligung durch den Bund nicht offenlegen will, wie viel der Verluste sie tragen muss. Auch die Tatsache, dass Swisscom-Präsident Hansueli Loosli gleichzeitig die Siroop-Partnerin Coop präsidiere, spreche für eine saubere Aufarbeitung.

«Würde Swisscom die Hälfte der Verluste tragen, hiesse das, dass innert kürzester Zeit ein Schaden von 70 Millionen Franken entstanden ist», sagt Kuprecht zur «Handelszeitung». Davon trage der Bund gemäss seiner Beteiligung etwas mehr als die Hälfte. «Das ist problematisch, denn das geht letztlich auch von den Dividenden für den Bund ab.» Es stelle sich die Frage, inwiefern es die Aufgabe eines Staatskonzerns sei, sich an solchen Kooperationen zu beteiligen.

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