Wie nachhaltig ist die Erholung seit dem 2. Halbjahr 2009?

Erwin Stoller: Zuerst einmal ist es erfreulich, dass wir am Marktaufschwung partizipieren und keine Marktanteile verlieren. Es ist aber schwierig zu beurteilen, wie nachhaltig die Entwicklung ist. Daher sind wir vorsichtig mit den Prognosen. Die weitere Entwicklung der für Rieter relevanten Märkte hängt vor allem von der Konsumentenstimmung in Europa und vom Wirtschaftswachstum in den grossen asiatischen Märkten ab.

Woher kommt die Nachfrage in der Textil-Division?

Stoller: Mittlerweile kommt sie nicht mehr nur aus China und Indien. Die Situation hat sich weltweit verbessert, besonders erfreulich ist die Nachfrage aus der Türkei, aber auch aus den USA, Südamerika, Pakistan oder Bangladesch.

Worauf führen Sie diese zurück?

Stoller: Es besteht Nachholbedarf bei den Firmen. Zudem laufen in China und Indien noch staatliche Förderprogramme für die Spinnereien.

Welche Rolle spielt das Komponentengeschäft?

Stoller: Im Komponentengeschäft spüren wir seit dem 2. Halbjahr 2009 eine Belebung. Dies ist für uns ein Zeichen, dass mit einer Verzögerung von rund sechs Monaten Bestellungen für Textilmaschinen eingehen werden. Dies ist nun auch so eingetroffen.

Wie läuft das Autozuliefer-geschäft?

Stoller: In den USA verzeichnen wir seit einigen Monaten eine Nachfragebelebung - obwohl die Abwrackprämie ausgelaufen ist. In Europa ist die Entwicklung verhalten. Dies hängt mit der Abwrackprämie zusammen, die zur Volumensteigerung im letzten Jahr beigetragen hat. Asien und insbesondere China laufen weiterhin gut. Die Belebung bei Automotive ist aber nicht so stark wie im Textilbereich.

Insgesamt: Welche Ziele streben Sie im Jahr 2010 an?

Stoller: Hält die Marktbelebung an, wollen wir dieses Jahr ein deutliches Umsatzwachstum und den Turnaround erreichen. Das heisst, wir wollen die Verluste massiv reduzieren. Es ist unser Ziel, möglichst schnell wieder in die Gewinnzone zu kommen.

Wann wird dies der Fall sein?

Stoller: Entwickeln sich die Märkte gut, dann geht es schneller, ansonsten werden wir erst nächstes Jahr ein positives Betriebsergebnis erreichen.

Die Restrukturierung ist noch nicht abgeschlossen. Was steht noch an?

Stoller: Von zehn Werkschliessungen sind fünf vollzogen. Dieses Jahr und auch 2011 werden die übrigen folgen. Der Stellenabbau, der noch stattfindet, ist bereits kommuniziert.

Es gibt keinen weiteren Jobabbau?

Stoller: Nein. In der 2. Jahreshälfte haben wir sogar bereits wieder Leute eingestellt, aber so, dass wir uns die Flexibilität erhalten.

Müssen die Rieter-Mitarbeiter weiterhin Lohnkürzungen in Kauf nehmen?

Stoller: Nein. Das freiwillige Programm war auf sechs Monate befristet und wurde 2009 beendet. Im Übrigen haben auch die Konzernleitung und der Verwaltungsrat mitgemacht und auf 50% ihrer Bezüge verzichtet.

Wird Rieter an der heutigen Organisation festhalten?

Stoller: Im Textilbereich haben wir jene Form gefunden, die wir gesucht haben, und wollen beide Bereiche weiterentwickeln. Wir forcieren bei beiden Divisionen den Ausbau in Asien und treiben die Innovationen voran. Wir wollen beide Geschäftsbereiche weiter entwickeln. Sie müssen ihre Kapitalkosten selber decken und das organische Wachstum über ihren eigenen Cashflow finanzieren.

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Sie sind seit Mitte 2009 VR-Präsident und CEO in Personalunion.

Stoller: Unser Ziel ist es, den Konzern in die Gewinnzone zu bringen und strategisch so auszurichten, dass wir erfolgreich in die Zukunft gehen. So lange werde ich bleiben. Die jetzige Form hat sich bewährt, wir suchen keinen neuen CEO.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Aktionären Peter Spuhler und Michael Pieper?

Stoller: Sie sind fest im Boot. Mit ihrem Engagement im Verwaltungsrat zeigen sie ihr Commitment zur Firma.