Der Autovermieter Sixt will die gute Börsenstimmung für einen Teilausstieg aus dem Leasinggeschäft nutzen. Über die Platzierung von Aktien soll der Anteil an der Sparte auf weniger als 50 Prozent sinken, wie das SDax-Unternehmen am Dienstag in Pullach mitteilte. Um die Kontrolle an der Leasingtochter nicht komplett abzugeben, will Sixt aber mehr als 40 Prozent behalten. Das Eigenkapital der Sixt Leasing AG soll durch den Börsengang um mindestens 100 Millionen Euro gestärkt werden, zusätzlich erhält die Sparte von der bisherigen Mutter zuvor als Mitgift noch eine Eigenkapitalspritze von 30 Millionen Euro.

Sixt will zudem Aktien verkaufen und stellt zusätzlich noch einmal bis zu 15 Prozent der beim Gang an die Börse angebotenen Aktien über eine Mehrzuteilungsoption bereit. Im Lauf dieses Jahres sollen die Aktien erstmals an der Börse gehandelt werden.

Pläne sorgen für Plus an der Börse

Hintergrund ist das schnelle Wachstum und der Kapitalbedarf der Leasingtochter, die sich vor allem mit dem Leasing und dem Fuhrpark-Management von Firmenflotten beschäftigt. Dank niedriger Zinsen sind Leasingmodelle gefragt: In den vergangenen drei Jahren zog die Anzahl der Leasingverträge im Schnitt um je ein Viertel an. Im Gesamtkonzern, in dem rund drei Viertel des operativen Erlöses durch das angestammte Geschäft mit Autovermietung erzielt werden, betrug das Umsatzwachstum im vergangenen Jahr gut 9 Prozent. Bei den Stammaktien von Sixt SE sorgten die Pläne für ein Plus von fast drei Prozent.

Wegen des kräftigen Wachstums wurde es der Leasingsparte unter dem Dach der Mutter wohl finanziell zu eng - jetzt soll das Unternehmen die Möglichkeit erhalten, am Kapitalmarkt selbst eigene Mittel einzuwerben. «Damit wäre sie finanziell unabhängiger von der Muttergesellschaft Sixt SE», hatte Leasing-Finanzvorstand Björn Waldow in einem Interview der «Börsen-Zeitung» («BöZ»/Dienstagausgabe) vor der Mitteilung zu den Plänen gesagt. Bereits im Februar hatte der Konzern um Gründer und Patriarch Erich Sixt Gedankenspiele zu einem möglichen Börsengang öffentlich gemacht.

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Online soll weiteres Wachstum bringen

Am operativen Konzernumsatz von Sixt hatte die Sparte ohne den Verkauf von gebrauchten Fahrzeugen im vergangenen Jahr mit knapp 428 Millionen Euro einen Anteil von gut einem Viertel. Das Vorsteuerergebnis kletterte 2014 im Jahresvergleich um fast ein Viertel auf 25,6 Millionen Euro, die Rendite betrug 6 Prozent.

Weiteres Wachstum soll laut Leasing-Chef Rudolf Rizzolli unter anderem aus dem Onlinegeschäft kommen. Hier können Privat- und Gewerbekunden Neuwagen über Sixt Leasing finanzieren. Am Bestand von rund 97'400 Verträgen Ende 2014 macht der Bereich bislang rund ein Sechstel aus, soll aber mit zweistelligen Wachstumsraten zulegen. Im Flottenleasing sei der Markt hart umkämpft, sagte Rizzolli der «BöZ». Im Management von Fuhrparks liege die Firma etwa auf gleicher Höhe mit den beiden grossen Mitbewerbern.

(awp/gku)