Bei Banken, Händlern und Hedgefonds stehen Hunderttausende von Bloomberg-Computerterminals, welche diesen zur Information über die Finanzmärkte dienen. Journalisten der Nachrichten- und  Datenagentur konnten nun offenbar in der Vergangenheit abrufen, wann sich diese Kunden zuletzt eingeloggt, wie oft sie das Messaging-System genutzt oder für welche Themenfelder sie sich interessiert haben, etwa Aktien oder Anleihen. «Als der Fehler erkannt wurde, haben wir unverzüglich gehandelt», schrieb Bloomberg-Chef Daniel Doctoroff in einer Stellungnahme. Journalisten hätten schon seit vorigen Monat keinen Zugriff mehr auf diese Daten, nachdem sich ein Kunde beschwert hatte.

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Die amerikanische Notenbank, das amerikanische Finanzministerium und weitere Kunden kündigten am Wochenende dennoch Untersuchungen an, inwieweit vertrauliche Informationen verletzt wurden. «Wir schauen uns die Lage an und sind mit Bloomberg in Kontakt, um mehr herauszufinden», sagte eine Sprecherin der Notenbank Fed.

Goldman Sachs wurde stutzig

Die Journalisten hätten schon zuvor nicht sehen können, welche Artikel von Kunden gelesen oder welche Wertpapiere sie sich angeschaut haben, verteidigte sich Bloomberg weiter. Zudem sei die Stelle eines Datenschutzbeauftragten geschaffen worden. Dieser solle sicherstellen, dass Mitarbeiter der Nachrichtenagentur keinen Zugriff auf vertrauliche Kundendaten mehr erhalten.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte eine Beschwerde von Goldman Sachs. Ein Partner der US-Bank wurde von einem Bloomberg-Reporter nach dem Beschäftigungsverhältnis eines Kollegen befragt - mit dem Hinweis, dass sich dieser schon einige Zeit nicht mehr in seinen Terminal eingeloggt habe. Goldman Sachs war bis dahin nicht bewusst, dass Journalisten Zugang zu solchen Informationen hatten.

Terminals als Umsatzbringer

Für Bloomberg arbeiten weltweit etwa 2400 Journalisten. Der Konzern hat mehr als 315'000 Terminal-Abonnenten. Sie sorgten 2012 für einen Grossteil des Jahresumsatzes von 7,9 Milliarden Dollar. Thomson Reuters , die Mutter der Nachrichtenagentur Reuters, konkurriert mit Bloomberg. Reuters-Journalisten hätten keinen Zugang zu vertraulichen Kundendaten, hiess es in einer Stellungnahme von Thomson Reuters.

(se/jev/reuters)