Dem Schweizer Lebensmittelgiganten Nestlé droht erneut ein Desaster in Indien. Im Fokus sind wieder die beliebten Maggi-Nudeln, die im letzten Jahr wegen angeblich zu hohen Bleiwerten kurzzeitig aus den indischen Regalen verbannt wurden und dem Konzern damit ein Millionenloch gruben.

Die Behörde für Lebensmittelsicherheit des nordindischen Distrikts Uttar Pradesh hat Anfang Februar diverse Proben der Maggi-Nudeln untersucht, wie indische Medien berichten. Die Tests ergaben, dass die beigelegte Gewürzmischung, die unter dem Namen «Masala Tastemaker» patentiert ist, die Sicherheitsstandards nicht erfüllt. Die Rohasche-Konzentration liegt demnach bei 1,85 Prozent – der erlaubte Wert dagegen bei maximal 1 Prozent.

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Nestlé wehrt sich

Die indische Nestlé-Tochter weist alle Vorwürfe zurück. In einem Statement schreibt die Firma, dass die Nudeln «100 Prozent» sicher seien. Die Tests der Behörden seien auf Makkaroni-Fertigprodukte ausgelegt, nicht auf Fertignudelgerichte. Entsprechend seien die Resultate verzerrt.

«Die Qualität und die Sicherheit unserer Produkte», so Nestlé im Communiqué, «haben absolute Priorität. Wir halten die strikten Qualitäts- und Sicherheitsstandards jederzeit ein.»

Skandal noch nicht ausgestanden

Der Nudel-Skandal im vergangenen Jahr hat ein grosses Loch in die Bilanz von Nestlé gerissen. Die Produkte, die zu den Bestsellern des Lebensmittelkonzerns auf dem Subkontinent zählen, wurden im Juni aus den Regalen genommen. Erst am 9. November wurden sie wieder in den Verkauf gebracht. Von einem indischen Gericht beauftragte Tests hatten gezeigt, dass die Produkte sicher seien.

Die indische Lebendmittelbehörde Food Safety and Standards Authority of India (FSSAI) hat diesen Entscheid allerdings nicht vollumfänglich akzeptiert, so dass die Gerichtssache weiter läuft, wie es im Geschäftsbericht heisst, der Mitte Februar publiziert wurde.

Millionenloch in der Bilanz

Ein erneutes Verkaufsverbot für die Fertignudelgerichte des Schweizer Lebensmittelkonzerns sei allerdings nicht das Ziel der FSSAI. Vielmehr sollen Teile des Urteils angefochten werden, welche die Rolle der Behörde sowie das Verhalten führender Manager in dem Fall kritisieren.

Die Kosten für den Produkt-Rückruf hatte Nestlé bei früherer Gelegenheit auf rund 66 Millionen Franken beziffert. Die indische Nestlé-Tochter machte im letzten Jahr vor allem wegen des Produkterückrufs und des Verkaufsverbots rund 250 Millionen Franken weniger Umsatz, der Gewinn brach um gut die Hälfte ein.

Einen Rückruf von kleinerem Umfang musste Nestlé in den USA und in Kanada leisten: Konsumenten hatten sich über kleine Glassplitter in Tiefkühlpizzen beschwert.