Der Chef der Flugsicherung Skyguide, Daniel Weder, stellt in einem «NZZ»-Interview vom Mittwoch brisante Forderungen zur Entwicklung des Flughafens Zürich. Zumindest an Tagen mit Bise müsse auf einen Betrieb mit Südstarts geradeaus umgestellt werden können.

Diese Forderung sei für die Skyguide prioritär. Die Option sei im Sachplan bereits enthalten, der Ball liege beim Flughafen.

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Politik ist König

An einem Tag mit Brise funktioniere heute der Flugbetrieb nicht nach aviatischen, sondern nach politischen Prinzipien. Aus aviatischer Sicht müsste laut Weder gegen Süden geradeaus gestartet werden, damit weniger Verspätungen angehäuft würden. Dieser Betrieb habe aber auch einen «grossen Effekt auf die Sicherheitsmarge».

Langfristig ist laut Weder zu überlegen, ob der Südstart geradeaus – über dicht besiedeltes Gebiet – nicht grundsätzlich in der Spitze am Mittag ermöglicht werden soll. In dieser Zeit bringe er für einen sicheren und robusten Betrieb besonders viel.

Aviatik fordert Südstart

Wenn der Flughafen wachsen solle, sei diese Variante eine Möglichkeit dazu. «Sonst ist er weitgehend blockiert, und das wäre aus meiner Sicht unverantwortlich», sagte Weder. «Natürlich wäre es aviatisch gesehen sinnvoll, den Südstart den ganzen Tag über zuzulassen», meinte er weiter. Er ist sich jedoch bewusst, dass dies politisch kaum möglich ist.

Aus aviatischer Sicht wären laut Weder auch längere Pisten gut, damit das System besser bewirtschaftet werden kann. «Im Laufe der Zeit» sollte nach Ansicht des Skyguide-Chefs auch die Geschäfts- und Kleinfliegerei weg vom Flughafen Zürich. Als Alternative für die General Aviation biete sich der Flugplatz Dübendorf an. «Bei sauberer Priorisierung und Koordination mit Zürich wäre das für uns operativ problemlos», sagte Weder.

«Leben würde zur Hölle»

Südstarts verletzten nach Ansicht der Stiftung gegen Fluglärm geltende Gesetze und verstossen gegen Treu und Glauben. «Ein Flugbetrieb über den Süden war im Richtplan nicht vorgesehen, weshalb sich das Gebiet entsprechend entwickelt hat und heute zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Schweiz gehört», heisst es in der Mitteilung der Stiftung gegen Fluglärm.

Bei der Einführung von Südstarts würde laut Stiftungs-Präsident Adolf Spörri «das Leben für die Bevölkerung im Süden des Flughafens zur Hölle».

(sda/ise/ama)