Die Schweizer Flugsicherung Skyguide will binnen fünf Jahren ihre Gebühren für die Flughäfen Zürich und Genf um weitere zehn Prozent senken. Dies geschieht trotz des starken Frankens und grosser Investitionen. «Wir haben die Gebühren in den vergangenen fünf Jahren bereits um acht Prozent gesenkt», sagte Skyguide-Chef Daniel Weder am Dienstag an der Bilanzmedienkonferenz in Bern.

Der Umsatz stieg dennoch um 2,8 Prozent auf 449,7 Millionen Franken. Doch das Betriebsergebnis sank im Vorjahresvergleich um 16,4 Prozent auf 28,1 Millionen Franken. Der Betriebsaufwand erhöhte sich im um 4,1 Prozent auf 421,6 Millionen Franken.

Skyguide widerspricht Swiss

Einen Teil der Einnahmen setzte Skyguide zum Schuldenabbau ein: Das kumulierte Defizit sei von 65,3 Millionen auf 47,3 Millionen Franken reduziert worden. Die Unterdeckung werde bis 2019 beseitigt sein.

Weder konterte Aussagen von Swiss-Chef Harry Hohmeister, die dieser Ende Februar gegenüber der «Handelszeitung» gemacht hatte. Er hatte gesagt, Skyguide sei binnenwirtschaftlich tätig und daher keinem Währungsrisiko ausgesetzt.

Weder: zwei Drittel der Einnahmen in Euro

Skyguide habe ein hohes Wechselkursrisiko, sagte Weder dazu. «40 Prozent unserer Luftraumüberwachung findet im Ausland statt». Skyguide stelle seine Rechnungen in Franken aus, während die europäische Luftsicherung Eurocontrol die Gebühren für Überflüge in Euro einziehe. Gemäss Skyguide dürfte der Wechselkurs die Überfluggebühren um bis zu 15 Prozent in die Höhe treiben.

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Gemäss Weder fallen drei Viertel der Kosten von Skyguide in Franken an, während zwei Drittel der Einnahmen in Euro sind. Skyguide möchte deshalb Teile seiner zentralen Datendienste ins Ausland auslagern, zusammen mit Eurocontrol. Offen sei, ob die Staaten bereit seien, Teile ihrer Lufthoheit abzugeben.

Bestnoten für die Sicherheit

Gemäss Weder arbeitet man bereits eng zusammen. So soll 2016 der sogenannte Luftraumblock zur Entflechtung der Flugrouten in Zentraleuropa starten.

Der Schweizer Luftraum ist der komplexeste in Europa und zugleich einer der sichersten, wie Verwaltungsratspräsident Guy Emmenegger sagte. 2014 kontrollierte Skyguide 1,156 Millionen Flüge, eine Zunahmen um 1,3 Prozent. 96,7 Prozent aller Flüge seien pünktlich abgewickelt worden.

Bei der Sicherheit erhalte Skyguide weiter Bestnoten. Skyguide liege auf der 44 Flugsicherungen umfassenden Sicherheitsrangliste von Eurocontrol auf Platz sieben.

Ausbau beim Luftpolizeidienst

Skyguide ist auch in die Überwachung der Flüge der Schweizer Luftwaffe beteiligt. Der Ausbau des Luftpolizeidienstes bis 2020 auf einen 24-Stunden-Betrieb zwingt Skyguide zu einer Erhöhung des Personalbestandes um rund 20 Stellen, wie Emmenegger sagte.

Investitionen fallen 2015 auch in den Bezirksleitstellen (ACC) in Genf und Dübendorf an, da die Systeme veraltet sind. Skyguide will die beiden bislang unabhängig voneinander arbeitenden Kontrollsysteme vernetzen. Ab 2016 wird deswegen in der Nacht nur noch eine Bezirksleitstelle den Luftraum überwachen.

Loch bei den Regionalflugplätzen

Eine Baustelle sind gemäss Weder die Regionalflugplätze: Wegen einer neuen europäischen Richtlinie sind dort ab 2016 Querfinanzierungen bei der Luftüberwachung untersagt.

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Heute tragen die Regionalflugplätze rund 5 Millionen zu den Gesamtkosten von 35 Millionen Franken bei. Der Rest kommt vom Bund (23 Millionen Franken) und 7 Millionen Franken stammen von den Flughäfen Zürich und Genf. Letztere fallen künftig weg.

Zwei Neue im Verwaltungsrat

Skyguide-Chef Weder forderte aus Gründen der Kostensenkung eine Lockerung der Vorschriften, damit Landungen in den Randstunden auf Regionalflugplätzen ohne Skyguide-Flugsicherung durchgeführt werden können.

All diese Aufgaben wird Skyguide mit einer neuen Unternehmensspitze bewältigen müssen. Verwaltungsratspräsident Emmenegger tritt an die Generalversammlung im Mai zurück. Als seinen Nachfolger hat der Bundesrat den Chef des Spezialmaschinenherstellers Aebi Schmidt, Walter Vogel, vorgeschlagen. Dazu sollen zwei weitere Neue in den siebenköpfigen Verwaltungsrat einziehen.

(sda/moh)