Nach dem fehlgeschlagenen Übernahmeversuch beim niederländischen Telekomkonzern KPN wird Multi-Milliardär Carlos Slim bei seinen Wachstumsplänen in Europa vorsichtiger. Der reichste Mann der Welt plane mit seinem Konzern America Movil keine feindliche Übernahme der Telekom Austria, sagte America-Movil-Chef Daniel Hajj der österreichischen Zeitschrift «News». «Ich mag schon das Wort Übernahme nicht. Das klingt nach einer unfreundlichen Aktion. Von uns kann man vieles erwarten, aber nichts Unfreundliches.»

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Stattdessen suchten die Mexikaner die Zusammenarbeit mit der Wiener Regierung. Sie ist über die Staatsholding ÖIAG mit 28,4 Prozent grösster Telekom-Aktionär, während Slim rund ein Viertel der Anteile hält. Der Rest der Aktien ist breit gestreut. «Wir wählen den gemeinsamen Weg mit unseren Partnern in Österreich. Wir sehen die Regierung und die Staatsholding ÖIAG als Partner. Was wir wollen, ist eine gemeinsame Entwicklung», sagte Hajj.

Er ist der Schwiegersohn von Slim und führt dessen Imperium bei America Movil. «Wir sind nicht als Aktionäre bei der Telekom Austria eingestiegen, um den Konzern zu übernehmen.» America Movil sehe sich vielmehr als «langfristiger und stabiler Kernaktionär» der Telekom Austria.

Bei Telekom Austria vor einem Jahr eingestiegen

Es ist das erste Mal, dass sich America Movil so offen zu den Plänen bei dem österreichischen Konzern äussert. Bislang herrschte in der Alpenrepublik Rätselraten über die Absichten des Telekomriesen. An der Börse hatten viele Anleger auf eine baldige Übernahme spekuliert - vor allem nachdem Slim mit seinem 7,2 Milliarden Euro schweren Übernahmeangebot für KPN in den Niederlanden abgeblitzt war. Die KPN-Stiftung hatte den Deal blockiert. Zuvor hatte Slim bereits vier Milliarden Euro in die niederländische Firma gesteckt und dafür knapp 30 Prozent der Anteile erworben.

Bei der Telekom Austria war Slim vor mehr als einem Jahr eingestiegen. Kreisen zufolge hatte er damals 9,50 Euro je Aktie bezahlt und für sein Paket damit etwa eine Milliarde Euro auf den Tisch gelegt. Zwischendurch hat sich der Aktienkurs auf rund 4,50 Euro mehr als halbiert. Grund dafür ist auch der heftige Wettbewerb in Österreich und Osteuropa, der dem Konzern zu schaffen macht: Im dritten Quartal brach der Gewinn deshalb um knapp die Hälfte auf 51,3 Millionen Euro ein.

Spekulationen liessen Aktien in Höhe schnellen

Doch die Spekulationen über ein baldiges Übernahmeangebot des Grossaktionärs hatten den Papieren in den vergangenen Monaten Auftrieb gegeben: Am Donnerstag notierte die Aktie bei 6,1 Euro. America Movil werde auch bei einer möglichen Kapitalerhöhung bei der Telekom mitziehen, deutete Hajj an. Diese werde das Unternehmen nach der teuren Frequenzauktion «sehr wahrscheinlich» benötigen. «Die finanzielle Lage der Telekom ist äusserst angespannt. Wir werden uns die Vorschläge genau ansehen. Aber ich denke nicht, dass es ohne eine Kapitalerhöhung gehen wird», sagte der America-Movil-Chef.

Der Konzern hatte bei der insgesamt zwei Milliarden Euro schweren Frequenzauktion für schnelleres Internet Spektrum im Wert von einer Milliarde Euro ersteigert.

(reuters/muv/chb)