Die Expansionspläne des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim bei der Telekom Austria hängen am seidenen Faden. Der Verwaltungsrat des staatlichen Telekom-Grossaktionärs ÖIAG sollte grünes Licht für einen weitreichenden Pakt mit Slims Konzern America Movil geben. Damit hätten die beiden Grossaktionäre gemeinsam die Kontrolle über gut 55 Prozent der Aktien und Slim würde seinen Einfluss auf das Unternehmen vergrössern. Doch die Pläne stossen auf Widerstand der Arbeitnehmer, die angesichts des schwindenden Einflusses des Staates um Arbeitplätze fürchten.

Verwaltungsräte streikten

Aus Protest gegen die Allianz mit Slim nahmen die insgesamt fünf Belegschaftsvertreter im ÖIAG-Verwaltungsrat nicht an der entscheidenden Sitzung des 14-köpfigen Kontrollgremiums teil, wie drei mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Zudem blieben dem Treffen mindestens zwei weitere Verwaltungsratmitglieder fern. Ob das Gremium damit überhaupt beschlussfähig war, blieb offen: Dafür ist die Anwesenheit von mindestens sieben Mitgliedern nötig. Ein ÖIAG-Sprecher wollte sich dazu nicht äussern.

Vertrag ausgehandelt

Die Staatsholding und Slim hatten in den vergangenen Wochen einen Vertrag für das geplante Bündnis ausgehandelt. Im Zuge der Allianz würden sich Slim und die ÖIAG bei wichtigen Entscheidungen bei der Telekom Austria abstimmen. Die ÖIAG hält derzeit 28,4 Prozent der Telekom-Aktien, Slim - einer der reichsten Männer der Welt - über seinen Konzern America Movil 26,8 Prozent. Weil die beiden bei einem Pakt gemeinsam mehr als 30 Prozent der Telekom-Aktien kontrollieren, müssten sie nach österreichischem Recht den übrigen Eigentümern ein Übernahmenangebot unterbreiten.

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Das Verwaltungsratstreffen stand auch deshalb im Fokus, weil am Mittwoch eine 40-tägige Frist endet, innerhalb der die ÖIAG und Slim ihren Vertrag unter Dach und Fach bringen wollten. Danach benötigen sie eine Genehmigung der Übernahmekommission, wenn sie innerhalb eines Jahres ein Übernahmeangebot an die übrigen Telekom-Aktionäre unterbreiten wollen. Die Übernahmekommission kann diese Sperrfrist bei einem entsprechenden Antrag verkürzen oder aufheben.

Arbeitnehmer fürchten um Einfluss

Die Belegschaftsvertreter monierten, dass der Vertrag Slim mehr Rechte einräume als der ÖIAG. «Es gibt keine Partnerschaft auf Augenhöhe. Mit diesem Syndikatsvertrag würde die ÖIAG die industrielle Führerschaft verlieren», sagte eine der Personen. Zudem gebe es keine Arbeitsplatzgarantien und die Verwaltungsratsmitglieder hätten lediglich einen Tag Zeit gehabt, das über hundert Seiten umfassende Vertragswerk zu prüfen. Dieses sehe unter anderem eine Kapitalerhöhung über eine Milliarde Euro bei der Telekom Austria vor, sagte der Insider.

Auch der einflussreiche Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm sprach sich gegen den Pakt mit Slim aus. Dieser würde «für die Telekom Austria und damit für Österreich nur Nachteile bringen», erklärte er. Im Zuge des geplanten Pakts würde America Movil im Verwaltungsrat und Vorstand der Telekom die Mehrheit übernehmen und die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmervertreter faktisch ausgehebelt, kritisierte Muhm. Die Arbeiterkammer nominiert die Belegschaftsvertreter für den ÖIAG-Verwaltungsrat.

Mit Jubel empfangen

Slim ist vor knapp zwei Jahren bei der Telekom Austria eingestiegen. Die österreichische Politik hatte den Milliardär mit offenen Armen empfangen - angesichts der dünnen Kapitaldecke der Telekom wohl auch mit Blick auf dessen gut gefüllte Kassen. Auch das Management der Telekom Austria betont stets die gute Zusammenarbeit mit dem mexikanischen Grossaktionär.

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Mit seinem Engagement in Europa will sich Slim unabhängiger vom südamerikanischen Heimatmarkt machen. In Mexiko hatte America Movil zuletzt zwei Drittel des operativen Gewinns erwirtschaftet. Neben der Telekom Austria ist Slim auch am niederländischen Telekom-Konzern KPN beteiligt. Ein Übernahmeversuch scheiterte jedoch am Widerstand der Niederländer.

(reuters/chb)