Nach der jüngsten Finanzkrise vermochten sich die Aktienmärkte über die vergangenen zwei Jahre hinweg deutlich von ihren Tiefstständen zu erholen. Je nach Aktiensegment konnten Anleger Wertsteigerungen von 70 Prozent in grosskapitalisierten Aktien bis zu knapp 130 Prozent in klein- und mittelkapitalisierten Aktien realisieren. Der breit diversifizierte Stoxx Europe 600 Index legte seit dem Tiefststand Anfang März 2009 um 81 Prozent zu. Aktive Anlagestrategien verzeichneten gemessen am Durchschnitt der sogenannten Lipper-Europe-Blend-Vergleichsgruppe Wertsteigerungen von 68 Prozent.

In der Anlagepraxis etabliert

Immer wieder versuchen finanzwissenschaftliche Ansätze, Anhaltspunkte zu den langfristig überlegenen Anlagestrategien zu liefern. Dazu ziehen sie Überlegungen aus den Bereichen Style Investing, Fundamentalanalyse, Markttechnik bis hin zu Behavioral Finance in ihre Modelle mit ein. Eine durchaus erfolgreiche Methode, welche sich erst in der jüngeren Anlagepraxis etabliert hat, ist der Entrepreneur-Ansatz. Zusätzlich zu den gängigen fundamentalen Anlagekriterien stützt sich dieser auf die Auswahl solider familien- beziehungsweise eigentümergeführter Unternehmen ab. Dabei wird das Portfolio mit Aktien von Unternehmen zusammengestellt, in denen ein Aktionär mindestens 20 Prozent der Aktien respektive der Stimmrechte hält; dieser partizipiert aktiv an der Führung des Unternehmens oder nimmt massgeblich Einfluss auf die Strategie des Unternehmens. Das Aktionariat kann sich dabei aus einer Person, Gruppe, Familie oder - wie zum Beispiel im Falle der deutschen Fresenius Medical Care - auch aus einer Investmentgesellschaft zusammensetzen.

Die Struktur des Aktionariats und der aktive Einfluss des Unternehmers auf die langfristige Performance-Entwicklung wurden bisher in der Anlagepraxis eher vernachlässigt. Es mag bei Investoren sogar als verklärt oder romantisch gelten, wenn das Augenmerk der Selektion auf den Patron einer Unternehmung gesetzt wird. Gute Gründe sprechen indes für den langfristigen Erfolg eines Investments in eigentümergeführte Unternehmen. Entrepreneure sind nämlich meist selbst finanziell stark im eigenen Unternehmen engagiert, nicht selten ist dabei auch ein hoher Anteil des Familienvermögens im Betrieb investiert. Eigentümer prägen dadurch den Führungsstil und die Unternehmenskultur.

Anzeige

Wohl am auffälligsten ist in der Folge die Ausrichtung der betrieblichen Aktivitäten auf den langfristigen Erfolg. Während klassische Manager oftmals auf die Maximierung jährlicher oder gar quartalsweiser Ergebnisse tendieren, orientieren sich Entrepreneure am Erfolg über mehrere Jahre bis sogar Jahrzehnte. Die Sicherung des Unternehmens soll dabei Generationen überdauern. So fällt es einem eigentümergeführten Unternehmen oftmals leichter, aufgrund seiner starken Bilanzstruktur auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten Rentabilitätseinbussen in Kauf zu nehmen und gar antizyklisch in Maschinen und Mitarbeiter zu investieren.

Wissenschaftliche Studien zeigten wiederholt auf, dass sich dabei die vorteilhaften Eigenschaften eigentümergeführter Unternehmen nicht nur in besseren operativen Performance-Kennzahlen manifestieren, sondern langfristig auch zu einer überlegenen Wertentwicklung von börsenkotierten eigentümergeführten Unternehmen führen. Wenngleich im europäischen Kontext noch kein geeigneter Index verfügbar ist, so zeigen doch verwandte Indizes wie der globale CS Family Business Index oder der deutsche GEX (German Entrepreneurial Index), dass diese Konzepte über einen Zyklus einen Performance-Mehrwert gegenüber passiven Strategien bieten, und zwar nicht nur absolut, sondern auch basierend auf risiko-adjustierten Kennzahlen. So zeigt die unten stehende Tabelle bei Entrepreneurial Indices im Vergleich zum Gesamtmarkt deutlich bessere Rendite-Risiko-Verhältnisse, ausgedrückt in einer tieferen Sharpe Ratio.

Auch bekannte Blue Chips darunter

Börsenkotierte eigentümergeführte Unternehmen dürfen dabei nicht a priori mit einem Small- und Mid-Cap-Ansatz gleichgesetzt werden. Wie die oben stehende Grafik zeigt, machen Milliardenkonzerne im europäischen Anlageuniversum sogar die Mehrheit aus. So finden sich unter den eigentümergeführten Unternehmen zahlreiche gross- und mittelgrosskapitalisierte Unternehmen mit durchaus bekannten Namen. Dazu gehören BMW, Lafarge und LVMH als Vertreter der grosskapitalisierten Unternehmen ebenso wie Hermès, Hennes & Mauritz oder Anheuser-Busch Inbev.

Entrepreneur-Fonds als Kerninvestment

Der Durchschnitt der erst wenigen auf europäische eigentümergeführte Unternehmen ausgerichteten Fonds erzielte im letzten Jahr eine durchschnittliche Performance von 20,1 Prozent gegenüber 11,6 Prozent für den Stoxx Europe 600 Index, und dies bei einer durchschnittlichen annualisierten Wertschwankungsbreite von 13,6 Prozent für die Fonds gegenüber 15,6 Prozent für den Vergleichsindex.

Unternehmer überzeugen insgesamt durch ökonomische Nachhaltigkeit, die sich auch in harten Fakten niederschlägt. Intelligent gemanagte familien- beziehungsweise eigentümergeführte Anlagestrategien auf europäische Aktien eignen sich somit durchaus als Kerninvestment eines auf langfristigen und risikoadjustierten Erfolg ausgerichteten Aktienportfolios.