Für die Handy-Hersteller läuft jetzt das wichtigste Quartal ihres Geschäftsjahres an. Denn auch in diesem Jahr wird unter unzähligen Weihnachtsbäumen ein nett verpacktes Funktelefon liegen. Dabei sind dies oft Ersatzgeräte – die Märkte in der westlichen Welt sind gesättigt, neun von zehn Einwohnern haben bereits mindestens ein Handy. Nokia rechnet mit 1,1 Mrd verkauften Mobilfunkgeräten im ganzen Jahr.

RIM mit KGV über 100

Überdurchschnittlich profitieren dürften dabei Optionen und Aktien zweier Lieferanten: Einerseits der kanadische Spezialist Research-in-Motion (RIM), der die «Blackberry»-E-Mail- und Kommunikationssysteme herstellt und jetzt zunehmend in den Konsumentenbereich vorstösst. Andererseits trauen Analysten dem Marktanteilsführer Nokia weitere Gewinne zu, die nicht auf Kosten der Margen gehen.
Bei den weiteren grösseren Herstellern ist die Handy-Sparte bei Samsung Teil eines Grosskonzerns und bei Sony Ericsson Teil eines Joint Venture. Lediglich bei Motorola ist die Handy-Sparte gross genug, dass diese den Aktienkurs mitbestimmt. Motorola befindet sich indes in einer Krise, und es ist nicht absehbar, wann der Trend bei den rückläufigen Absatzzahlen gewendet werden kann.
Weitaus weniger bekannt als Nokia ist RIM, das mit 7000 Mitarbeitern die Nummer sieben hinsichtlich der Marktkapitalisierung an der Nasdaq. Das letzte Quartal brachte einen Umsatz von 1,37 Mrd Dollar, der Gewinn von 50 Cent pro Aktie genügte den hohen Vorgaben des Marktes. Das Unternehmen profitiert von der Einführung neuer Modelle wie «Pearl» und «Curve» und legte für dieses Quartal wieder einen sehr optimistischen Ausblick vor. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 100 verträgt indes keine Ausrutscher. Kritik von Analysten zum relativ niedrigen Forschungs- und Entwicklungsanteil wischt Co-CEO Jim Balsillie im Gespräch mit der «Handelszeitung» beiseite. Lieber verweist er auf die bewährte, im Kern seit 20 Jahren ständig weiterentwickelte Software, die guten Beziehungen zu den Netzbetreibern und die überall erreichten höchsten Sicherheitsstandards.

«Wie Kaninchen in der Falle»

Und Mike Lazaridis, der zweite CEO, hält den Vorstoss ins Consumer-Segment, wo arrivierte Unternehmen wie Nokia, Motorola oder Ericsson alle in den letzten Jahren zumindest einmal unter Druck gekommen waren, für einfach. «Wir sind wie BMW oder Mercedes – und ändern möglichst wenig, um unsere Kunden nicht zu enttäuschen», sagte er. «Wir bieten eine Alternative zu den anderen Herstellern, weil uns unsere Kunden von der Arbeitswelt her kennen.» Laut Balsillie genüge es bei Firmen, die Top-Manager und einige IT-Verantwortliche mit den Blackberries auszustatten. «Dann kommen die Bestellungen, die wir wie Kaninchen in der Falle einsammeln können.»
Nokia hatte zwar beim letzten Quartalsergebnis 40 Cent pro Aktie Gewinn ausgewiesen, 4 Cent mehr als erwartet worden war. Ein Rückgang der Steuerquote sowie eine tiefere Forschungsquote waren indes mitbeteiligt, und der Umsatz blieb geringfügig unter den Erwartungen. Operativ ist das Unternehmen sehr gut in Fahrt, und Analysten erwarten für das wichtige laufende 4. Quartal einen weiteren Zuwachs beim Marktanteil auf die magische 40%-Marke.

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Aktie schneller als Emittenten

An der SWX sind 62 Calls und Puts auf RIM gelistet. Etliche wie die vier von der Deutschen Bank emittierten Scheine DB097M, DB934C, DB935B oder DB94G1 liegen inzwischen dermassen tief «im Geld», das heisst, der Ausübungspreis ist weit unter dem aktuellen Kurs von RIM, dass solche Calls fast wie Aktien funktionieren. Das Gleiche gilt für die beiden Vontobel-Calls RIMMO und RIMMA, oder die noch bis Ende 2008 laufenden vier Calls DB115Q, DB116Q, DB454M und DB455M.
Die rasant steigende Aktie zeigt auch, dass – ganz selten – die Kursentwicklung der Aktie der Neuemission von Emittenten voraus eilt. Der Call mit dem höchsten Ausübungspreis ist DB6V80, hier liegt dieser Ausübungspreis mit 140 Dollar weit unter dem aktuellen Kurs der Aktie. Letzte Woche war RIMVA der einzige Call mit vertretbar attraktivem Ausübungspreis von 130 Fr., ausreichender Restlaufzeit und etwas Liquidität.
Fast dreimal mehr Scheine sind auf Nokia begeben worden. Auch hier stellt sich die Herausforderung, Calls mit Gewinnpotenzial zu finden. ABN, Deutsche Bank, Vontobel und Merrill Lynch haben Calls mit Ausübungspreisen von 30 Euro emittiert, lediglich 10% über dem aktuellen Kursniveau.