Die Firma hinter der populären Foto- und Chat-Software Snapchat bereitet einem Bericht des «Wall Street Journals» (WSJ) zufolge für kommendes Frühjahr den Börsengang vor. Das Unternehmen soll dabei mit 25 Milliarden Dollar oder mehr bewertet werden.

Ein möglicher Termin für den Sprung des WhatsApp-Rivalen auf das Handelsparkett sei Ende März, berichtet das WSJ unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Derzeit würden die Unterlagen für die Platzierung vorbereitet, ein möglicher Termin sei Ende März, hiess es.

Weitere Steigerung

Ein Marktwert von 25 Milliarden Dollar wäre ein deutlicher Anstieg verglichen mit der Bewertung von 17,8 Milliarden bei der vergangenen Finanzierungsrunde im Mai. Das bislang grösste Finanzmarktdebüt weltweit war das des chinesischen Online-Händlers Alibaba, der 2014 rund 25 Milliarden Dollar erlöste.

Nutzer können über Snapchat Fotos, Videos und Nachrichten verschicken. Auch Geld kann versendet werden. Dabei kooperiert Snapchat mit dem Onlinebezahl-Anbieter Square. Ende 2013 wurde Snapchat noch mit etwa drei Milliarden Dollar bewertet. Snapchat wurde vor allem bekannt mit Fotos, die von selbst verschwinden, wenn sie angesehen wurden. Inzwischen entwickelte sich die App immer mehr zu einer Plattform für Medieninhalte.

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150 Millionen Nutzer jeden Tag

Nach früheren Informationen kommt sie auf rund 150 Millionen Nutzer täglich. Das Start-up hinter der App benannte sich jüngst von Snapchat in Snap um und kündigte eine Sonnenbrille mit Kamera für 129 Dollar an, die allerdings nur eingeschränkt vertrieben werden solle.

Das Unternehmen hat den Umsatz von 60 Millionen Dollar 2015 auf über 350 Millionen in diesem Jahr gesteigert und peilt für 2017 die Milliarden-Marke an. Zugleich sei unklar, ob Snap profitabel sei, schreibt WSJ. Das Geld kommt vor allem aus Werbung in der Snapchat-App. Für den 26-jährigen Mitgründer und Chef von Snap, Evan Spiegel, wäre ein Börsengang mit dieser Bewertung ein Triumph: Ende 2013 hatte er ein Übernahmeangebot von Facebook ausgeschlagen. Laut Medienberichten ging es damals lediglich um drei Milliarden Dollar.

Das Klima für Internet-Börsengänge ist schon seit dem vergangenen Jahr mau. Einige wurden abgesagt, andere Start-ups warten länger. Manche wie der Mobil-Bezahldienst Square nahmen eine Bewertung unter der aus vorherigen Finanzierungsrunden in Kauf. Anleger sind skeptischer geworden, nachdem anfängliche Börsenlieblinge wie der Kurznachrichtendienst Twitter, das Rabatt-Portal Groupon oder die Spielefirma Zynga die Erwartungen nicht erfüllten. Ausserdem sitzt das Geld der Investoren weniger locker als noch vor einigen Jahren.

(sda/awp/chb)