Die ersten Wintersportorte ziehen jetzt die Konsequenzen und setzen wieder auf traditionelle Klientel. Meist nicht ganz freiwillig.

Mit Ketchup verschmierte Schaufenster und Abfälle vor dem Laden fördern das Geschäft nicht, ärgert sich Richard Leuzinger. Der Geschäftsführer von Christen Uhren und Schmuck in Davos ist über die Entwicklung im Ferienort nicht erfreut. Die lokalen Jakobshorn-Bahnen haben in den vergangenen Jahren 15 Hotels im Ein- bis Dreisternsegment gekauft und kontrollieren einen Drittel des Davoser Bettenangebots. Mit günstigen Angebotskombis, die neben der Übernachtung auch Bergbahn-Tickets beinhalten, locken sie massenweise Snowboarder nach Davos. «Diese veranstalten während 24 Stunden viel Lärm auf den Pisten und im Ort und verscheuchen damit kaufkräftige Stammgäste», so Leuzinger. Der Umsatz seines Geschäfts hat in diesem Jahr stagniert, obwohl er nach einem kostenintensiven Umbau eine Steigerung budgetiert hatte.

Störenfriede mit geringer Kaufkraft

Ähnlich tönt es im Snowboard-Mekka Laax. «Hier wurde in den letzten Jahren zu stark nur auf die Snowboarder fokussiert», glaubt der Skigeschäftbesitzer Duri Foppa. Langjährige Stammgäste hätten sich nicht mehr willkommen gefühlt und dem Ort den Rücken gekehrt: «Das schmerzt uns Gewerbler natürlich besonders.» Die Kaufkraft der jungen Snowboard-Gäste sei bei weitem nicht so gross. Dies belegt eine Studie des amerikanischen Bureau of Labor. Der durchschnittliche 46-Jährige gibt demnach rund fünfmal mehr aus als der Teenager.

In Davos fürchten Hotels aufgrund der günstigen Konkurrenz um ihr Überleben. Um mit den Jakobshorn-Hotels mithalten zu können, müsste er seine Preise massiv senken oder ebenfalls Kombiangebote mit Bergbahn-Tickets kreieren, sagt ein Dreistern-Hotelier. Ein solcher Preiskampf würde den Markt unweigerlich kaputt machen und auf die Renditen des gesamten Davoser Tourismus drücken. Richard Leuzinger wirft den Gemeindebehörden vor, der negativen Entwicklung in Davos zu passiv gegenüber zu stehen. «Leider gibt es kein Gesetz, welches das Angebot von billigen Hotelzimmern verbietet», entgegnet der Präsident des Davoser Handels- und Gewerbevereins, Hanspeter Schmid.

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Die Tourismus-Behörde in Davos hat indessen erkannt, dass die Sicherung der Zukunft nur über eine Entwicklung des Angebots funktionieren kann. Vor allem die gehobene Davoser Hotellerie habe Investitionen getätigt, sagt Kurdirektor Armin Egger. «Erstklass-Häuser wie das Steigenberger, Arabella Sheraton oder Flüela haben Millionen von Franken in Renovationen und neue Wellnessanlagen gesteckt», nennt er Beispiele. Den Wellness-Trend habe man in der Schweiz zwar lange Zeit verschlafen, räumt er ein. In Österreich wird seit vielen Jahren nachhaltig in dieses Segment investiert. Nach dem Motto «lieber spät als nie» werde im Davoser Hallenbad aber zurzeit für viel Geld eine öffentlich zugängliche Wellness-Anlage geschaffen.

Die Gefahr einer einseitigen Gästestruktur ist auch in der Alpenarena, zu der Laax, Flims und Falera gehören, offenbar erkannt worden. Der Bündner Wintersportort bearbeitet neuerdings auch weitaus weniger trendige Kundensegmente. «Dazu gehören neben Familien auch kinderlose Paare sowie Jungsenioren ab 45 Jahren», so die Mediensprecherin und ehemalige Skirennfahrerin Ariane Ehrat. Die Strategie der Alpenarena sehe ebenfalls vermehrte Investitionen in Wellness- und Lifestyleanlagen vor. Damit sollen noch mehr kaufkräftige Feriengäste an die Region gebunden werden. Das Parkhotel Waldhaus in Flims übernimmt dabei eine Vorreiterrolle. Auf dem Hotelareal soll gemäss Direktor Christoph Schlosser in einem Jahr eine riesige Wellness-Anlage eröffnet werden.

Entgegen dieser Strategie hat die Weisse Arena AG, zu der die Bergbahnen und einige Hotelbetriebe der Alpenarena gehören, vor einem Jahr in Laax das Snowboard-Hotel Riders Palace eröffnet. Das schlägt sich mit 10 Mio Fr. negativ auf die Erfolgsrechnung der Gesellschaft nieder. Trotz wenig Unterstützung von Banken und Staat habe man dieses innovative Projekt nicht bremsen wollen, sagt Ehrat. Ob sich die Investition dank guter Auslastungszahlen rechnen wird, müssen die kommenden Winter zeigen. Mit steigenden Snowboarder-Gästezahlen kann nicht gerechnet werden.

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Die Sponsoren wandern ab

Der seit 2000 rückläufige Absatz der Schneebretter beweist, dass der grosse Boom vorbei ist. Mit dem Konkurs des Snowboard-Verbands ISF in diesem Jahr gehen für Organisatoren von Events zudem massive Sponsorengelder verloren. Swisscom Mobile und Nescafé haben der Alpenarena in diesem Jahr den Rücken gekehrt, was ein Loch von über einer halben Mio Fr. in die Eventkasse reisst. Am kommenden Wochenende wird die traditionelle Snowboard-Saisoneröffnung in Laax, die erstmals mit dem noch vor Jahresfrist eher ungeliebten Skiverband FIS durchgeführt wird, deshalb zum Sparevent. Das Budget musste von 950000 Fr. im Vorjahr auf 345000 Fr. runtergeschraubt werden. 49,5% davon tragen der langjährige Sponsor UBS sowie der Kanton Graubünden, der den Event erstmals subventioniert. Lokale Stiftungen übernehmen 5,5%, den Rest berappt die Alpenarena selbst. «Ohne die Gelder vom Kanton und der UBS hätten wir den Anlass nicht auf die Beine gekriegt», räumt Ehrat ein. Davos hat den jeweils im März durchgeführten Saisonabschluss-Event ganz verloren. Arosa hat von der FIS den Zuschlag dafür bekommen. Auch Leysin steht nach der ISF-Pleite mit leeren Händen da. Sponsorenbeträge von mehreren 100 000 Fr. und Tausende von Event-Besuchern gehen dem Waadtländer Snöber-Paradies dadurch verloren.

Das Jugendsegment der Snowboarder allein kann die touristischen Erträge also auch in Zukunft nicht sichern. Pläne für eine breitere Diversifikation des Angebots liegen vor. Zur Umsetzung braucht es innovative Hoteliers, die investieren wollen.