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Umbruch
So baut Tidjane Thiam die Credit Suisse um

Der neue Konzernchef Tidjane Thiam gestaltet die Credit Suisse radikal um. Dem drastischen Sparprogramm fallen bis zu 1600 Schweizer Stellen zum Opfer. An der Börse gibts dennoch keinen Applaus.

Veröffentlicht am 21.10.2015

Bei der Credit Suisse bleibt kein Stein auf dem anderen: Der neue CEO Tidjane Thiam will die Grossbank massiv umbauen und die Kosten radikal senken. Bis Ende 2018 will die Credit Suisse 3,5 Milliarden Franken einsparen.

An der Börse kommen die Pläne nicht gut an: Bis kurz vor 11.00 Uhr sanken die Titel um 3,86 Prozent. Neben den enttäuschenden Zahlen für das dritte Quartal beurteilen die Analysten die neue Strategie zumindest in ihren ersten Reaktionen zurückhaltend. Der grösste Teil der angekündigten Massnahmen wurde so erwartet; die grosse, positive Überraschung ist ausgeblieben.

Dem Sparprogramm werden laut Thiam innert drei Jahren bis zu 1600 Stellen in der Schweiz zum Opfer fallen. Pro Jahr sollen hierzulande 500 bis 600 Arbeitsplätze gestrichen werden. Auch Schweiz-Chef Hans-Ulrich Meister muss gehen. In Grossbritannien stehen ebenfalls 1500 Jobs in Frage.

Kündigungswelle soll ausbleiben

Eine Kündigungswelle wird es aber offenbar nicht geben: Die Bank will den Abbau mit natürlichen Abgängen bewerkstelligen, dies ist laut Thiam «einfach machbar». In welchen Bereichen die Stellen wegfallen, gab die Credit Suisse nicht bekannt.

Weiter will die Credit Suisse die Organisation und einen Teil der Schweizer Bank an die Börse bringen. Auch will die Bank das Kapitalpolster mit zwei Erhöhungen um 6,05 Milliarden Franken verbessern.

Thiam verfolgt drei Ziele

Der neue CS-Chef Tidjane Thiam verfolgt mit dem Spar- und Umbauprogramm drei Ziele. So soll die Credit Suisse im Heimmarkt Schweiz gestärkt werden.

Zweitens will der neue Chef die Vermögensverwaltung und das Private Banking weiter ausbauen. Insbesondere soll dabei dieses Geschäft in Asien weiter vorangetrieben werden. Diesem Bereich soll künftig auch mehr Kapital zur Verfügung stehen.

Und drittens soll die Investmentbank auf die richtige Grösse gebracht werden, wie es in der Mitteilung heisst. Ziel dabei ist es, das Investmentbanking profitabler und gleichzeitig weniger volatil und kapitalintensiv zu machen.

Thomas Gottstein leitet Swiss Universal Bank

Mit der neuen Strategie sind sechs neue Mitglieder in die Geschäftsleitung berufen: Pierre-Olivier Bouée, Peter Goerke, Thomas Gottstein, Iqbal Khan, Helman Sitohang und Lara Warner. Alle sechs werden in Zürich arbeiten.

Gaël de Boissard, Hans-Ulrich Meister, Robert Shafir and Pamela Thomas-Graham scheiden dagegen aus der Geschäftsleitung aus. Thomas Gottstein wird neuer Chef der Swiss Universal Bank; James L. Amine wird Chef Investment Banking and Capital Markets.

Kapital wird in zwei Schritten aufgestockt

Die CS beantragt zwei Aktienkapitalerhöhungen: Eine erste Kapitalerhöhung soll durch die Ausgabe neuer Namenaktien an einige qualifizierte Investoren erfolgen. Die zweite Erhöhung soll via Bezugsrechtsemission für bestehende Aktionäre erfolgen.

Mit der Kapitalerhöhung will die Credit Suisse ihr hartes Kernkapital (CET1) stärken und den finanziellen Spielraum für die Umsetzung der strategischen Ziele erhöhen, wie es in einer Mitteilung vom Mittwoch heisst.

Aus der ersten Massnahme erwartet die Bank einen Bruttoerlös von rund 1,35 Milliarden Franken, aus der Bezugsrechtsemision soll ein Bruttoerlös von rund 4,7 Milliarden Franken erzielt werden. Insgesamt sollen damit neue Mittel in Höhe von 6,05 Milliarden Franken zufliessen. Beide Kapitalmassnahmen sollen an einer ausserordentlichen Generalversammlung am 19. November beschlossen werden.

Das US-Geschäft wird massiv zurückgefahren

Die Credit Suisse trennt sich überdies in den USA vom direkten Kundengeschäft, wie sie weiter mitteilte. Demgegenüber sollen die Dienstleistungen - wie zum Beispiel das Investmentbanking - für reiche Kunden weitergeführt werden.

Das Privatbanking-Geschäft in den USA der Credit Suisse sei zurzeit nicht so positioniert, dass es ohne beträchtliche Investitionen mit der Konkurrenz mithalten und die von der CS angestrebten Profitabilitätsziele erreichen könne, schreibt die CS in ihrer Mitteilung vom Mittwoch. Darum habe die Grossbank entschieden, dass Geschäftsmodell dieser Geschäftseinheit anzupassen.

Konkret hat die Credit Suisse mit der US-Bank Wells Fargo ein Abkommen unterzeichnet, die es den US-Beratern der CS und ihren Klienten erlaubt, per Anfang 2016 zu Wells Fargo zu wechseln. Die Dienstleistungen für diesen Geschäftsbereich dagegen, das Investmentbanking und die Anlagenverwaltung, will die CS weiterführen.

(sda/awp/mbü/mne)

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