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Swisscom
«So etwas darf der Swisscom nicht mehr passieren»

Antennenanlage der Swisscom in Zürich
Antennenanlage der Swisscom in Zürich. Beim Telekomanbieter ist zurzeit der Wurm drin.Quelle: Keystone

Nach der Bekanntgabe des Datenklaus bei der Swisscom schlugen die Wellen hoch. «Wir haben Fehler gemacht», räumt das Unternehmen ein.

Von David Torcasso
am 07.02.2018

Die Aufregung war gross – nicht nur bei den Kunden. Eigentlich wollte die Swisscom am Mittwoch über das Jahresergebnis informieren. Doch eine zweite Meldung sorgte für fast noch mehr Gesprächsstoff als die Bilanz des Telekomriesen. Und für Kopfschütteln bei den Swisscom-Kunden.

Nach den Ausfällen Anfang des Jahres bei der Festnetztelefonie der Swisscom kommt am Mittwoch ans Licht, dass im Herbst 2017 Daten von rund 800'000 Swisscom-Kunden gestohlen wurden. Also vor Monaten.

Am Tag der Bilanzmedienkonferenz informierte die Swisscom nun in einer Medienmitteilung über den Datenklau. «Swisscom verschärft Sicherheitsmassnahmen für Kundenangaben» war die Botschaft. Dabei wurde das Ausmass des Vorfalls erst in der Mitte der Mitteilung ersichtlich: Betroffen sind 800'000 Kunden, darunter auch Swisscom-CEO Urs Schaeppi. Von diesen Hunderttausenden von Kunden haben Unbekannte nun Angaben über Wohnort, Geburtstag und Telefonnummern.

Wollten uns ein Bild verschaffen

Warum hat die Swisscom erst jetzt informiert, an der Bilanzmedienkonferenz? «Wir haben gewartet, weil wir zuerst eine genaue Untersuchung des Vorfalls vornehmen und Gegenmassnahmen einleiten wollten», sagt Swisscom-Mediensprecher Armin Schädeli gegenüber der «Handelszeitung». Man wollte zuerst die Sicherheitsmassnahmen umsetzen, so Schädeli

Fehler zugegeben

Die Verschärfung der Sicherheitsmassnahmen ist zugleich auch ein Eingeständnis der Swisscom, dass Kundendaten unzureichend geschützt sind. Das räumt auch Schädeli ein: «So etwas darf der Swisscom nicht mehr passieren. Wir haben nun aber entsprechende Massnahmen aufgesetzt, damit das vermieden werden kann».

Bis jetzt seien seit Oktober 2017 noch keine Meldungen von Kunden eingegangen, die mit dem Datenklau in Zusammenhang stünden. «Sie könnten potenziell zu Werbeanrufen missbraucht werden. Bisher haben wir aber keine Hinweise darauf», sagt Schädeli. Wo die Daten sind, kann die Swisscom zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. «Unsere Untersuchungen laufen weiter, unsere Spezialisten bewegen sich beispielsweise auch im Darknet».

Die Daten wurden nicht von der Swisscom direkt, sondern bei einem Vertriebspartner gestohlen. Um wer es sich dabei handelt, möchte Schädeli nicht sagen, nur so viel: Es handle sich um ein Schweizer Unternehmen, welches die Daten der Swisscom-Kunden wie andere Vetriebspartner auch für den Verkauf von Produkten benötigt hätte. Schädeli sagt: «Wir entschuldigen uns für diesen Vorfall.»

Ein schwieriger Jahresstart

Die Entschuldigungen haben sich seit Anfang Jahr bei der Swisscom gehäuft. Der Vorfall über den Datenklau ist aber nur eines der Probleme der Swisscom. Besonders Klein- und Mittelunternehmen mussten Anfang Januar hinnehmen, dass sie über Tage nicht mehr telefonieren konnten. Dort räumt Schädeli Fehler seitens der Kommunikation ein. «Die Information über die Störung ist zu spät an unsere Kunden gelangt». 

Ob die Swisscom wegen den zahlreichen Störungen und dem Datenklau bereits einen Anruf von Kommunikationsministerin Doris Leuthard erhalten habe, wollte Schädeli nicht kommentieren. Der Vorfall mit dem Datenklau sowie die Festnetztelefonie-Störungen seien bedauerlich, sagt der Pressesprecher. Er dementiert aber: «Es gibt kein grundsätzliches Problem. Die Netze sind gut im Allgemeinen sehr gut verfügbar.»

Hackerangriffe sind auch bei der Swisscom möglich

Anscheinend scheint mittlerweile auch die Swisscom in einer Welt von immer mehr Daten mit Hacker-Angriffen konfrontiert zu sein. Diese zu vermeiden, ist aber nicht Aufgabe von Drittanbietern, sondern von der Swisscom selbst.

Schädeli sagt: «In einer digitalisierten Welt gibt es keine hundertprozentige Sicherheit». Das Security-Team habe man bisher nicht verstärkt, sei aber nach wie vor an der Auswertung, wie es zu diesem Datenklau kommen konnte, so der Pressesprecher. Man würde alles daran setzen, dass sich so etwas nicht wiederhole.

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