Beim Vorstellungsgespräch kam die Frage für Jeannette Leiser, heute bei der Zürich Versicherung im Bereich Global Corporate Switzerland tätig, wenig überraschend: «Wie gehen Sie mit Situationen in einem internationalen Umfeld um?» Trotz dreijährigem Studium an der School of Management and Law (SML) schöpfte sie ihre Antwort aus dem prallen Leben. Denn der Studiengang International Management, den sie mit einem Bachelor-Diplom abgeschlossen hatte, setzt Schwerpunkte bei der Praxistauglichkeit und der interkulturellen Kompetenz.

Internationalität wurde noch vor einer Generation anders bewertet. Als 1988 der Schwede Percy Barnevik erster CEO des frisch zu ABB fusionierten Konzerns wurde, war ein Schnöden kaum zu überhören: Ein Ausländer an der Spitze eines als Schweizer Firma wahrgenommenen Betriebs. Das war schon fast ungehörig.

Tempi passati - gemäss dem Schilling-Report 2010 des Executive-Search-Unternehmens Guido Schilling stammen 44% aller Geschäftsleitungsmitglieder der 100 grössten Schweizer Firmen aus 32 verschiedenen Ländern. Der Trend zur Internationalität stagniert zwar auf hohem Niveau; ungebrochen ist aber der Trend, dass neue Mitarbeiter in kürzester Zeit Schritt halten mit den hohen Standards internationaler Unternehmungen.

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Balanceakt zwischen Theorie und Praxis

Fachhochschulen, die ihre Studenten traditionell nahe an der Wirtschaft ausbilden, sind in einem solchen Umfeld gefordert. Praxisnah und international zugleich ist deshalb der Studiengang International Management. Gründer und Studiengangleiter Markus Prandini betont den Balanceakt zwischen der Vermittlung des theoretischen Fundaments und der geforderten Nähe zur Praxis. Gewöhnlich verfügen Studenten der SML über einen beruflichen Hintergrund, und es gibt Absolventen, die im Nachhinein eine stärkere Gewichtung der betriebswirtschaftlichen Theorie begrüssen würden.

Prandini verteidigt das Konzept: «Die Theorie ist eine unentbehrliche Grundlage. Darauf legen wir ebenfalls grossen Wert. Die Einmaligkeit der Praxisnähe kann man mit nichts kompensieren.» Der gesamte Studiengang in den internationalen Klassen wird in Englisch geführt und besticht durch das zweisemestrige Auslandsstudium und die Fallstudien mit Firmen wie Schindler.

Solche Fallstudien basieren auf einer konkreten Fragestellung, anhand derer die Studenten Lösungsvorschläge erarbeiten. Diese werden vor Führungskräften, quasi im Auge des Taifuns, präsentiert. Die Reaktionen der Studenten sind sehr positiv, wenn auch im Nachhinein relativierend. Nicht immer finden Fallstudien in der Wunschbranche statt und werden trotz Realitätsnähe auch ein wenig als Imageprojekt der beteiligten Firmen wahrgenommen. Dem steht allerdings die Innensicht beteiligter Firmen gegenüber. So lobt Kurt Haerri, Managing Director der Top Range Division bei Schindler und Präsident der Wirtschaftskammer Schweiz-China, die Methode des praxisorientierten Lernens sowie «das grosse Engagement der Studenten und die entstandene Dynamik bei der Erarbeitung von Entscheidungskriterien». Und er fügt an, dass «künftige Führungskräfte in herausragender Art und Weise auf ihre berufliche Herausforderung vorbereitet werden».

Nominiert für Award for Best Teaching

Kann aber eine Wirtschaftshochschule mit akademischem Anspruch, die zwingend Prozesse der Wirtschaft abbildet, ihre akademische Unabhängigkeit bewahren? Prandini unterstreicht, dass die SML durchaus darüber verfüge und zum Beispiel die Unternehmensethik von Firmen sehr genau analysiere sowie ganzheitliches Stakeholder-Management fördere. Dieser Anspruch und der starke Praxisbezug sind wichtige Gründe dafür, dass der Studiengang International Management 2010 für den renommierten Credit Suisse Award for Best Teaching nominiert ist.

 

 


«Interkulturelles im Vorbeigehen»

Sie haben es mit Firmen und Menschen aus unterschiedlichen Ländern zu tun. Profitieren Sie dabei von Ihrem Bachelor in International Management der SML?

Vito Votta: Ja, eindeutig. Auch die Mitstudenten kamen aus der ganzen Welt. Der Unterricht war in Englisch. Da nimmt man Interkulturelles sogar im Vorbeigehen mit. Im Beruf bin ich sensibilisiert im Umgang mit internationalen Kunden. Prägend waren auch die Auslandsemester.

Inwiefern?

Votta: Ich war in Edinburg. Man muss dort die gleiche Leistung in Form von Credit Points erbringen wie an der SML in Winterthur. Und ich integrierte mich, spielte Fussball in einem lokalen Klub. Wer fleissig ist, holt in diesen zwei Semestern das Maximum heraus.

Und die Praxis?

Votta: Realitätsnah waren die Fallstudien. Als Student vor einem CEO eine Präsentation zu halten, ist einzigartig. Man wird kritischer bewertet als von der eigenen Klasse. Das bringt einen weiter.

Praxis in Ehren. Wünschten Sie sich von einer Hochschule nicht mehr Theorie?

Votta: Ich wollte Wirtschaftsprüfer werden und wählte doch den Studiengang International Management, weil ich diesen interkulturellen Fokus suchte. Zurzeit lerne ich für den Eidgenössischen Wirtschaftsprüfer. Ein allfälliges Defizit in Accounting und Finance kompensiere ich auf diese Art. Ich habe dank der Internationalität und dem Praxisbezug sehr profitiert.