Die Stadt Zug begann im Jahr 2002 mit der Erarbeitung der konzeptionellen Grundlagen für den Ersatz des alten Eisstadions Herti. Da das Projekt aus eigener Kraft nicht finanzierbar war, entschloss sich der Zuger Stadtrat, in grösseren Dimensionen zu denken und das Vorhaben aus städtebaulicher Sicht anzugehen. Er entschied sich für eine «stadionübergreifende» Lösung: Dazu schrieb er einen Gesamtleistungswettbewerb aus. 26 Projektteams forderten die Unterlagen an, zwölf bewarben sich, fünf wurden zur Teilnahme eingeladen.

Klare Rahmenbedingungen

Das Eisstadion sollte um zusätzliche Bauten mit immissionsarmer Nutzung erweitert werden, zum Beispiel mit Wohnungen, Gewerberäumen, Freizeiteinrichtungen und Büros für Dienstleistungen. Ausgeschlossen wurden Grossverteiler und Fachmärkte.

Alle fünf Projektteams traten als Totalunternehmer zusammen mit Architekten, Fachplanern, Bauingenieuren und weiteren Spezialisten zum Wettbewerb an. Zusätzlich bewarben sie sich als Investoren für die zum Verkauf stehenden Grundstücke rund um das Sportareal. Bei der Evaluation wurden die einzelnen Aspekte unterschiedlich gewichtet:

Städtebau und Architektur mit 45%,

wirtschaftliche Tragfähigkeit mit 25%,

Kompetenz der Trägerschaft mit 20% und das

Investitionsangebot mit 10%.

Anliker hat die Nase vorn

Im Sommer 2004 fiel der Entscheid zugunsten der Anliker Generalunternehmung, Emmenbrücke LU, aus. Sie hatte ihr Projekt zusammen mit den Architekten Scheitlin-Syfrig Partner AG, Luzern, und Leutwyler Partner Architekten AG, Zug, entwickelt.

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Als erfolgsentscheidend wurden von der Jury die herausragende Architektur, das städtebauliche Konzept mit einem Hochhaus und einer angrenzenden Überbauung - insgesamt 180 Wohnungen - genannt. Positiv bewertet wurde insbesondere auch, dass die Anliker AG selbst als Investorin auftrat und für die Finanzierung keine Dritten zuziehen musste. Das vereinfachte die Abläufe wesentlich. Umfassende Transparenz war gewährleistet. Das Prinzip «Alles-aus-einer-Hand» konnte in vorbildlicher Weise verwirklicht werden.

Spatenstich im Mai 2008

Nach dem Entscheid für die Anliker Generalunternehmung im Sommer 2004 gingen die politischen Prozesse schnell und reibungslos über die Bühne. Schon im November 2005 stimmte der Zuger Souverän dem Planungskredit über 4,75 Mio Fr. zu. Im Februar 2008 führte auch die Volksabstimmung über den 60-Mio-Fr.-Bau zu einem klaren Ja. Dies auch, weil sich dieser Betrag für die Stadt Zug um die 37,5 Mio Fr. reduzierte, die der Landverkauf an die Anliker AG erbracht hatte. Spatenstich war im Mai 2008.

Einweihung im August 2010

Die Einweihung des neuen Eisstadions erfolgte nach nur zwei Jahren Bauzeit am 20. und 21. August 2010. Das Echo war von allen Seiten äusserst positiv. Die Stadt Zug besitzt heute das modernste und schönste Eisstadion der Schweiz. Es erfüllt den Minergie-Standard und überzeugt auch städtebaulich. Und auch der EVZ ist, als bekanntester Gastgeber in der Bossard-Arena, hervorragend in die laufende Eishockeymeisterschaft gestartet.

Architektenwahl entscheidend

Die Wahl der Architekten hatte für den Erfolg beim Wettbewerb und bei der Realisation des neuen Eisstadions grosse Bedeutung. Sie mussten die Projektdefinition der Auftraggeber überzeugend umsetzen. Dies architektonisch wie auch städtebaulich und finanziell.

Dass die Kosten in der Realisationsphase unter Kontrolle blieben, lag in der Verantwortung des Totalunternehmers - mit ein Grund, warum die Architekten und die Anliker Generalunternehmung während des Baus fast täglich um bessere und gleichzeitig bezahlbare Lösungen gerungen haben. Das Ergebnis und die erreichte Qualität beweisen, dass sich der gemeinsame Effort gelohnt hat. Entscheidend war dabei auch, dass das Verhältnis zwischen Architekten und Generalunternehmung von Anfang an stimmig war - und es bis zum Schluss blieb, was nicht immer selbstverständlich ist.

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Transparenz von Anfang an

Die vorbildliche Realisation der Bossard-Arena in Zug zeigt die Vorteile des Gesamtleistungswettbewerbs deutlich auf. Die Stadt Zug als Auftraggeberin bekam alles aus einer Hand. Dank Personalunion von Totalunternehmer (TU) und Investor reduzierten sich die Schnittstellen auf ein Minimum.

Die oft üblichen Reibungsverluste zwischen vielen unterschiedlichen Partnern waren von vornherein ausgeschlossen. Die finanzielle Situation präsentierte sich jederzeit transparent und kontrolliert. Die Verantwortlichkeiten waren einleuchtend und verbindlich geregelt, was bei den Volksabstimmungen positiv zur Kenntnis genommen wurde.

Die Stadt Zug konnte ihre städtebaulichen Vorstellungen nach Plan umsetzen. Ausserdem blieb das Projekt finanziell und bautechnisch ohne unliebsame Überraschungen. Und so gab es zum Schluss auf allen Seiten nur Gewinner.

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Das Modell Gesamtleistungswettbewerb hat Zukunft, weil es für alle Beteiligten transparent, verbindlich und einfach ist. Für den Auftraggeber ist es ohne finanzielle Risiken. Er braucht im Grunde nur dreimal tätig zu werden, das erste Mal bei der Projektdefinition; sie stellt das A und O des gesamten Vorhabens dar. Der Bauherr muss genau wissen, was er gebaut haben will. Grosse Sorgfalt bei der Projektdefinition zahlt sich auf jeden Fall aus. Das zeigt das Beispiel Eisstadion Zug.

Die zweite Intervention betrifft die Wahl des TU. Es gilt, Qualität, Kompetenz, Erfahrung, Grösse und Finanzkraft zu bewerten. Nur wer in all diesen Punkten überzeugt, kann komplexe Bauvorhaben umfassend konzipieren, leiten und umsetzen.

Das dritte Mal ist der Bauherr bei der Schlüsselübergabe und der Einweihungsfeier gefragt. In Zug war es Ende August 2010 so weit - ein hoch emotionales Ereignis, feierlich, gediegen, mit Sport und Unterhaltung, zum Nutzen und fürs Image der Stadt und zur Freude der am Bau Beteiligten und der Öffentlichkeit.

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