Dem vergangenen Jahr wird im Schweizer Nutzfahrzeuggewerbe wohl niemand eine Träne nachweinen. Allerdings muss bei genauerer Analyse aber doch festgestellt werden, dass 2009 so schlecht, wie es manche erwartet haben, auch nicht herausgekommen ist. Vergleicht man die Markteinbrüche mit anderen europäischen Ländern, so kann man von der Schweiz schon fast von einer «Insel der Glückseligen» sprechen. Doch ernsthaft: Die Absatzzahlen liegen bei vielen Anbietern im Bereich des Gesamtmarktrückganges, einige liegen sogar noch darunter. Dass angesichts der schwierigen Wirtschaftslage auch in der Schweiz die Verkäufe neuer Lieferwagen und Lastwagen rückläufig waren, verwundert niemanden.

Moderate Minuszahlen

Der Rückgang bei den leichten Transportern und Lieferwagen wie auch bei den schweren Fahrzeugen liegt bei je rund 11%, ein als moderat zu bezeichnendes Minus. Man darf dabei auch nicht vergessen, dass etliche Strassentransportunternehmer im vergangenen Jahr Fahrzeuge stilllegen mussten. Dass angesichts dieser Situation deutlich weniger Transporteure an den Kauf neuer Fahrzeuge denken, leuchtet ein.

Von der rückläufigen Kaufbereitschaft auf dem Schweizer Markt waren im vergangenen Jahr praktisch alle Anbieter betroffen. Zwei Marken verzeichnen ein Plus, nämlich Mitsubishi und Mazda, beides Anbieter von leichten Nutzfahrzeugen. Bei den leichten Nutzfahrzeugen konnten auch die beiden französischen Hersteller Citroën (-0,4%) und Peugeot (-3,6%) ihre Position am Markt halten. Stärkere Einbussen mussten dagegen die Volumenmarken Opel (- 30%), Ford (-22%) und Mercedes-Benz (-19%) hinnehmen. Mit der Marke Dacia figuriert nun ein weiterer Anbieter in der Statistik der leichten Nutzfahrzeuge. Bei der Beurteilung der Marktentwicklung sei auch an das Jahr 2006 erinnert, als die Verkäufe leichter Nutzfahrzeuge bis 3,5 t um rund 37% einbrachen. Ein deutlicherer Rückgang der Neufahrzeugverkäufe war 2009 im mittelschweren Bereich festzustellen, hier reduzierten sich die Immatrikulationen um knapp 40% auf 457 Fahrzeuge. Einzig Iveco gelang es, die Marktleaderposition mit einem Plus von 9% zu verteidigen.

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Plus bei den ganz Schweren

Eine unterschiedliche Entwicklung war 2009 bei den Verkäufen mittelschwerer und schwerer Fahrzeuge festzustellen. Im Bereich von 12,0 bis 32,0 t Gesamtgewicht reduzierten sich die Verkäufe um 17% auf total 3441 Einheiten. Bei den ganz schweren Fahrzeugen resultierte ein Plus von 53% auf allerdings nur 237 Einheiten. Bei diesen Käufen dürfte es sich weitgehend um Kipper für die Bauwirtschaft handeln, eine Branche, die im vergangenen Jahr gar nicht schlecht ausgelastet war.

In der Klasse ab 3,5 t Gesamtgewicht konnte Marktleader Mercedes-Benz seine führende Position trotz stagnierendem Absatz noch ausbauen. Deren Marktanteil stieg von 26,3 auf 30,2%. Ebenfalls einen höheren Marktanteil erreichte Scania mir 14,4 gegenüber 13,8% im Vorjahr. MAN hielt seine knapp 15% während Volvo, Renault, Iveco und DAF Marktanteile abgeben mussten.

Gesamthaft betrachtet kann man feststellen, dass die Schweizer Nutzfahrzeug-Importeure kein allzu schlechtes Jahr hinter sich haben. Spricht man mit den Vertretern der Branche, dann stellen die meisten fest, dass man sich von Anfang an auf rückläufige Verkaufszahlen eingestellt habe. Eine Situation, die sich wohl in diesem Jahr fortsetzen wird.

Wann zieht die Nachfrage an?

Angesichts von stillgelegten und teilweise ganz ausgemusterten Fahrzeugen dürften bei einem Anziehen der Konjunktur wohl zuerst die auf dem Hof stehenden Lastwagen reaktiviert werden, bevor neue angeschafft werden. Dies dürfte sich auf den Bestellungseingang 2010 der Importeure auswirken. Profitieren können die Schweizer Nutzfahrzeug-Importeure aber auch von der teilweise sehr hohen Markentreue vieler Kunden. Die Branche geht in diesem Jahr von einem Absatzvolumen in der Grössenordnung des Vorjahres aus, das heisst etwa 3300 schwere Fahrzeuge ab 12 t Gesamtgewicht. Die Hersteller wiederum wollen mit neuen Modellen und sparsameren Motoren sowie umfangreichen Dienstleistungen die Gunst der Kundschaft erhalten, denn es wird schliesslich wieder aufwärts gehen mit den Immatrikulationen. Die Frage ist nur, wann genau.