Schweizer Firmen haben nicht nur mit den Folgen der globalen Finanzkrise und der sinkenden Zahlungsmoral zu kämpfen. Es gibt auch hausgemachte Probleme. So haben sich mit der Einführung des neuen MwSt.-Gesetzes auf den 1. Januar 2010 die Rahmenbedingungen für Gläubiger weiter verschlechtert. Denn im Zuge der Gesetzesrevision wurde auch das Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz (SchKG) angepasst, und zwar mit gravierenden Auswirkungen für die Privatwirtschaft. Besonders hart trifft es kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Staat drängelt sich vor

Im Konkursverfahren teilt das Konkursamt die verschiedenen Ansprüche im sogenannten Kollokationsplan in drei Konkursklassen ein. Die tiefere Klasse kommt erst dann zum Zug, wenn die Forderungen der vorangehenden Klasse vollumfänglich befriedigt sind. Neu gelten auch Steuerforderungen nach dem MwSt.-Gesetz als privilegierte Forderung mit wenigen, gesetzlich geregelten Ausnahmen. Die Folge: Die eidgenössische Steuerverwaltung wird auf Kosten der Drittklassgläubiger massiv bessergestellt.

Der Bund erhofft sich dadurch Mehreinnahmen von rund 200 Mio Fr. Drängt sich der Staat als Gläubiger vor, treibt er im schlimmsten Fall Unternehmen mit Liquiditätsengpässen in den Konkurs. Aber auch alle anderen Firmen erleiden durch die Gesetzesrevision wirtschaftlichen Schaden: Die Konkursdividende sinkt. Es lohnt sich folglich immer weniger, überhaupt ein Konkursverfahren anzustrengen. Bereits heute erhalten Drittklassgläubiger nur noch einen minimalen Teil ihrer ursprünglichen Forderung. Besonders stossend daran ist, dass die Gläubiger für die Eröffnung des Konkursverfahrens ein sehr hohes finanzielles Risiko auf sich nehmen müssen. So müssen dem Konkursamt beträchtliche Konkursvorschüsse geleistet werden.Völlig ungewiss ist, ob aus der Zwangsvollstreckung irgendeine Dividende resultiert. Zudem haften Gläubiger persönlich für alle weiteren anfallenden Verfahrenskosten, und das bis zur Einstellung des Konkurses mangels Aktiven beziehungsweise bis zum Schuldenruf. Auch bei der Verteilung des Verwertungserlöses kommen die Drittklassgläubiger erst nach dem Konkursamt zum Zug - und neu eben auch erst nach der Steuerverwaltung.

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Die Mühlen mahlen langsam

Viele Politiker haben mittlerweile gemerkt, dass diese weitere Verschlechterung der gesetzlichen Rahmenbedingungen korrigiert werden sollte. Nur: Diese Mühlen mahlen langsam. Deshalb sind die Unternehmen selbst gefordert. Es lohnt sich in die Prävention zu investieren. Verluste sind dank gezielter Massnahmen erfolgreich zu vermeiden.

Drei Regeln helfen, gute von schlechten Zahlern zu unterscheiden. Erste Regel: Alle Neukunden sollten auf ihre Zahlungsfähigkeit geprüft werden. Bestehen Zweifel, darf nicht auf Rechnung geliefert werden. Natürlich wäre es unsinnig, alle Kunden gleich zu behandeln. Zu empfehlen ist eine Kundensegmentierung, um Grundlagen für realistische Zahlungskonditionen zu schaffen. Zweite Regel: Auch die Stammkunden sind periodisch zu prüfen. Untersuchungen belegen, gut 70% der Verluste gehen auf ihr Konto. Und dritte Regel: Für eine wirksame Prävention müssen alle Unternehmensbereiche in das Kredit- und Debitorenmanagement integriert werden. Denn sonst drohen ständig Missverständnisse. Beispielsweise erhält ein Kunde immer noch Ware auf Rechnung, obschon er wegen Zahlungsverzug gesperrt ist.

Ein Restrisiko bleibt

Ein Restrisiko bleibt immer. Deshalb braucht es neben präventiven Massnahmen ein straffes Mahnwesen und ein effizientes Inkasso. Offene Forderungen müssen konsequent realisiert werden. Der Kunde sollte aber die Chance haben, Kunde zu bleiben. Vielleicht war der Zahlungsengpass nur vorübergehend oder eine Reklamation Auslöser der Nichtzahlung. In diesen Fällen lohnt es sich, eine gütliche Einigung zu suchen.Bleiben die notorischen Schuldner. Auch hier ist Vorbeugen der beste Schutz. Im Trend liegt der Austausch von Zahlungserfahrungen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen können sich so gegenseitig den Rücken stärken, und zwar mit wenig Aufwand. Oft genügt schon ein Hinweis auf dem ersten Mahnschreiben, um säumigen Zahlern Beine zu machen: «Erfahrungen aus der Zahlungsabwicklung können an einen Informationspool weitergeleitet werden». Denn: Welcher Kunde will schon einen Negativeintrag in einer Bonitätsdatenbank riskieren? Schliesslich steht seine allgemeine Kreditwürdigkeit auf dem Spiel. Das heisst, säumige Zahler riskieren, dass sie künftig keine Waren oder Dienstleistungen mehr gegen Rechnung beziehen können.