Naturkatastrophen forderten 2009 weltweit 9000 Todesopfer und kosteten die Versicherer 22 Mrd Dollar, obwohl das Vorjahr - im Vergleich zu früheren Jahren - als schadenarmes Jahr gilt. Am stärksten betroffen war Asien: Taifune und Erdbeben forderten in dieser Region die meisten Menschenleben; die Schäden für die Versicherungsindustrie betrugen rund 2,4 Mrd Dollar.

Im vergangenen Jahr waren die grössten Versicherungsschäden auf Stürme zurückzuführen. Insgesamt sorgten sechs Naturkatastrophen für Verluste von jeweils über 1 Mrd Dollar: So kostete beispielsweise der Wintersturm «Klaus», der im Januar in Frankreich und Spanien tobte, die Versicherer über 3,4 Mrd Dollar. Der Hagelsturm «Wolfgang», der mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 km/h über Mitteleuropa fegte, schlug mit Versicherungsschäden von 1,2 Mrd Dollar zu Buche. Und in den USA verursachten schwere Gewitter mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 145 km/h Schäden in Höhe von 1,35 Mrd Dollar.

Enorme Nebengefahren

Neben den Primärgefahren wie Sturm können auch Naturphänomene, die als Nebengefahren bezeichnet werden, umfangreiche Sachschäden verursachen. Zu den wichtigsten globalen Nebengefahren zählen Überschwemmungen, Erdrutsche, Hagelstürme, Tornados sowie Schnee- und Eisstürme, Dürren und Buschbrände.

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2009 entfiel über die Hälfte der Schadenlast aus Naturkatastrophen auf Nebengefahren, während in den letzten 30 Jahren etwa 30% der gesamten Naturkatastrophenschäden auf Nebengefahren entfielen. In den vergangenen Jahren lagen die versicherten Schäden oft bei 10 Mrd Dollar und damit weit über dem 30-Jahre-Durchschnitt von 6,5 Mrd Dollar (siehe Grafik unten).

Brutale Folgen des Klimawandels

Die globale Erwärmung findet statt: Seit Beginn der Temperaturmessungen 1850 wurden alle der wärmsten zehn Jahre seit 1996 beobachtet. Die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre liegt weit über den in den letzten über 100000 Jahren beobachteten Werten. Selbst wenn wir die globalen Treibhausgas-Emissionen per sofort vollständig vermeiden würden, müssten wir Veränderungen des Klimas gewärtigen.

Je länger wir damit zuwarten, die Treibhausgas-Emissionen zu begrenzen, desto stärker wird sich das Weltklima verändern. Allerdings wird sich dies lokal sehr verschieden äussern. Die Bevölkerung steht somit in vielen Regionen vor der immer grösseren und kostspieligeren Herausforderung, höhere Vermögenswerte vor wetterbedingten Risiken zu schützen. Dazu zählen häufigere und schwerere Stürme, Überschwemmungen, Dürren und andere Naturkatastrophen genauso wie der Anstieg des Meeresspiegels, Ernteausfälle und Wasserknappheit. Gemäss Schätzungen wird sich allein in Europa die Schadenlast aus Sturmflutereignissen an der Nordseeküste mehr als vervierfachen, von einem Jahresdurchschnitt von 600 Mio Euro auf 2,6 Mrd Euro gegen Ende dieses Jahrhunderts.

Die Armen am meisten bedroht

Die am stärksten bedrohten und am wenigsten vorbereiteten Regionen liegen allerdings in den Entwicklungsländern. In ihrer 2009 erschienenen Studie «Shaping climate resilient development» schätzt die Arbeitsgruppe Economics of Climate Adaptation (ECA), dass Klimarisiken bis 2030 in Schwellenländern Schadensummen in Höhe von bis zu 19% des Bruttoinlandprodukts verursachen könnten.

Versicherungen bieten Hand

Innovative Versicherungslösungen mit Einbezug von Partnern aus dem öffentlichen sowie dem privaten Sektor können kostensparende Möglichkeiten bieten, um die finanziellen Folgen bereits vor dem Eintritt einer Katastrophe abzusichern und die Bevölkerung im Ernstfall widerstandsfähiger zu machen.

Die Arbeitsgruppe ECA gelangt in ihrer Studie zudem zu einer erfreulichen Erkenntnis. Fallstudien in acht verschiedenen Regionen der Welt, von Maharashtra in Indien über Florida bis hin zu Nordengland, zeigen, dass sich bis zu 68% der erwarteten Schäden aufgrund von Klimaveränderungen durch kosteneffiziente Anpassungsmassnahmen verhindern lassen. Dazu zählen unter anderem verbesserte Entwässerungs- und Bewässerungssysteme, Sperrwerke und verschärfte Bauvorschriften, vegetative Pufferzonen und Kampagnen zur Katastrophensensibilisierung.

Diese Vorkehrungen sind mit vertretbarem Aufwand realisierbar und erbringen nachweislichen Nutzen. Präventivmassnahmen sind von zentraler Bedeutung bei der Risikobewältigung. Allerdings kann es sich keine Gesellschaft leisten, den Schäden aus jedem denkbaren Risikoereignis vorzubeugen. Dies gilt insbesondere für jene Gefahren, deren Eintreffen sehr unwahrscheinlich ist und die - falls überhaupt - nur zu unerschwinglich hohen Kosten abgewendet werden können.

So wird geschätzt, dass die Jahresschäden der Wirbelstürme im Süden Floridas bis 2030 auf schwindelerregende 33 Mrd Dollar ansteigen werden. Dies entspräche rund 10% des gesamten Bruttoinlandprodukts der Region. Gleichzeitig lässt sich ein bedeutender Teil der Schäden - etwa 40% - kaum kosteneffizient verhindern.

Unbedingt Synergien nutzen

Durch aufeinander abgestimmte Ausgestaltung von Prävention und Versicherung lassen sich Synergien erzielen. Versicherung stellt eine wesentliche Komponente jeder Anpassungsstrategie dar. Genauso wichtig ist es jedoch, die Versicherungsprämien unter Kontrolle zu halten, indem das Restrisiko durch Präventionsmassnahmen auf ein Minimum reduziert wird. So lässt sich durch verbesserte Abwehrmassnahmen gegen Sturmfluten die Exponierung gegenüber Sturmrisiken verringern und gleichzeitig gewährleisten, dass Risikotransferoptionen für weniger häufige, schwerere Sturmereignisse erschwinglich bleiben. Auf der anderen Seite stellen angemessene Versicherungsprämien einen starken Anreiz dar, um in jene Präventionsaktivitäten zu investieren, die einen wirtschaftlichen Nutzen versprechen.

Zentral: Risikomanagement

Für Entscheidungsträger besteht die Herausforderung darin, bei der Entwicklung des Risikomanagement-Ansatzes die richtige Balance zwischen Schadenprävention und Risikotransfermassnahmen zu finden. In der Praxis ist zur Sammlung und Analyse der Daten, die für eine fundierte Entscheidung benötigt werden, ein hohes Mass an Koordination zwischen den relevanten staatlichen und privaten Stellen erforderlich. Daher ist es empfehlenswert, eine zentrale Person auf Regierungsebene zu ernennen, die diese Bemühungen leitet und koordiniert.

Durch den Klimawandel werden die Risiken nicht nur immer komplexer und enger miteinander verknüpft, sondern auch ihre Versicherung wird immer kostspieliger und schwieriger. Deshalb sind öffentlich-private Partnerschaften unerlässlich, um lokalen Bevölkerungen, die durch grosse Naturkatastrophen bedroht sind, angemessene Deckung zu bieten.

Viele dieser Lösungen lassen sich andernorts replizieren und an die spezifische Risikoexponierung anderer Regionen der Welt anpassen. Da sich aber kein Ansatz auf alle Situationen anwenden lässt, sind stetige Innovationen erforderlich, um die lokalen Bevölkerungen gegen die unvorhersehbaren Folgen des Klimawandels zu schützen. Die spezialisierten Ressourcen und das Fachwissen, die öffentliche und private Institutionen zur Verfügung stellen können, tragen viel zu diesen Anstrengungen bei.