Durch ihr effizientes Raumkonzept sind automatische Parkhausanlagen wegweisende und profitable Projekte, wenn es um die Schaffung und Erhaltung von Parkplätzen in städtischen Ballungsgebieten geht. In Frauenfeld TG hat das Engineering-Unternehmen Rothary die erste vollautomatische Hochleistungs-Parkhausanlage der Schweiz für Präsentations- und Testzwecke errichtet. Zurzeit wird das gesamte System auf Herz und Nieren geprüft – einschliesslich der von Siemens gelieferten Steuerungs- und Antriebstechnik.

Nach dem Passieren der Einfahrtschranke sowie Bezug des Parktickets geht es mit dem Auto in die Transferstation. Der Fahrer bestätigt an der Kontrollstation, dass sich keine Passagiere mehr im Auto befinden. Danach schliesst sich die Tür der Transferstation, der Einlagerungs- bzw. Einparkprozess wird ausgelöst. Das System nimmt dem Benutzer jegliches Manövrieren des Fahrzeuges ab, denn es kann Abweichungen von der Idealposition mittels eines ausgeklügelten Erkennungs- und Fördersystems kompensieren.

Zykluszeiten unter 10 Sekunden

Dank eines Scannersystems wurden bereits beim Einfahren Radprofil und -positionen berührungslos vermessen. Die Greifer des Regalbediengeräts heben den ausgemessenen Wagen sanft unter den Reifen an und befördern ihn in die vorausberechnete Nische. Dort bleibt der Wagen dann sicher vor Fremdzugriffen geparkt. Beim Auslagerungs- bzw. Ausparkprozess wird das Fahrzeug in Ausfahrtrichtung bereitgestellt. Die Parktrommel ist konzentrisch um das Fahrzeughandlingsystem angeordnet. Dies ermöglicht eine optimale Erreichung der Nischen mittels des Regalbediengeräts.

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Tempo, Sicherheit und Komfort sind die drei Hauptanforderungen an eine automatische Parkhausanlage. Die von Rothary patentierte «High-speed multi-tasking technology» basiert auf der simul-tanen Ausführung der Förderbewegungen in bis zu drei Dimensionen: Eine vertikale und zwei horizontale Bewegungsrichtungen.

Durch diese innovative Technik konnten die Parkzykluszeiten und somit die Wartezeiten für die Benutzer entscheidend gesenkt werden. Systeme mit zwei Regal-bediengeräten benötigen durchschnittlich 30 Sek. für das Ein- bzw. Ausparken. Bei Grossanlagen mit mehreren Parktrommeln oder Parkreihen werden sogar Zykluszeiten von unter 10 Sek. erreicht. Dies macht sich besonders dann vorteilhaft bemerkbar, wenn viele Benutzer gleichzeitig ihr Auto ausparken wollen, beispielsweise am Ende einer Veranstaltung.

Hohe technische Anforderungen

Die Leistungsfähigkeit der automatischen Parkhäuser stellt hohe Anforderungen an die Antriebstechnik sowie die Kapazität des Leit- und Steuersystems. Die Anlagen unterstehen betreffend Sicherheit und Verfügbarkeit den Vorschriften von TÜV und VDE. Weil die Anlagen meist für öffentliche Zwecke genutzt werden, müssen die Betriebskosten möglichst niedrig bleiben. Die Wahl des richtigen Lieferanten für die Steuerungs- und Antriebstechnik war daher für Rothary ein wichtiger Faktor.

«Den ersten Kontakt mit Siemens hatten wir über den Bereich Gebäudetechnik», sagt Hans-Ulrich Roth, Inhaber von Rothary. «Bald erkannten wir auch die Möglichkeiten im Automatisierungsbereich. Dank dem breiten Produktportfolio aus Antriebstechnik, Steuerungen, Sensorik bis zu Gebäudetechnik und Brandschutzanlagen ist Siemens in der Lage, eine Komplettlösung aus einer Hand anzubieten.» Projektleiter Rolf Michel ergänzt den Service betreffend: «Ob ein Antriebsmotor oder ein Brandschutzsensor defekt ist, der Kunde hat immer nur einen Ansprechpartner. Da wir internationale Märkte im Auge haben, sind das weltweite Servicenetz und die Verfügbarkeit der Ersatzteile für uns entscheidende Vorteile.»

Obwohl die Technologie der automatischen Parkhäuser relativ neu ist, besteht eine grosse Affinität zur Förder- und Lagertechnik. Hier weist Siemens umfangreiche Betriebserfahrung auf. Neu sind eigentlich nur die Grösse und das Gewicht des ein- bzw. auszulagernden Gegenstands. Ein echtes Kraftpaket war erforderlich, um die Vertikalbewegung der Wagen bei Belastungen bis zu 12 t mit der geforderten Verschiebegeschwindigkeit bis zu 60 m/min realisieren zu können. Die verwendeten Motoren des Typs 1LG4 mit Flender-Flachgetriebe zeichnen sich durch hohe Drehmomente bei geringer Baugrösse aus und sind daher für die anspruchsvolle Aufgabe ideal geeignet, wie sich gezeigt hat.

Auto ohne Ticket wieder finden

Das Herzstück der Steuerungs- und Leittechnik ist der Kommunikator. Er ist eine interne Entwicklung von Rothary. Auf dieser Serverapplikation laufen die Schnittstellen sämtlicher Systeme zusammen, unter anderem das Kassensystem, das Videoüberwachungssystem, die Feldebene der Transferstation und des Regalbediengeräts sowie die Brandmelderanlage, die Sicherheits- und Fernwartungssysteme. Die Vernetzung der Leit- und Steuerungstechnik wurde mittels Profibus, Ethernet und Industrial Wireless Local Area Network (IWLAN) realisiert.

Ein Backupsystem sorgt dafür, dass ein Fahrzeug bei verlorenem Ticket noch auffindbar ist. Denn mit Hilfe eines abgespeicherten Fotos kann der Benutzer seinen Wagen jederzeit identifizieren.