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Luftfahrt
So zollt die Swiss dem Aufstieg Krakaus Tribut

Krakau: Universitäts-, Königs- und IT-Stadt. Pixabay

Wie keine andere Stadt steht Krakau stellvertretend für den Aufstieg Polens. Aus Schweizer Sicht ist das zweischneidig: Firmen verlagern Jobs dorthin. Die Swiss profitiert – und bietet mehr Flüge an.

Von Marcel Speiser und Marc Iseli
am 17.02.2016

Krakau entwickelt sich zum IT-Hotspot für internationale Grosskonzerne, zahlreiche westliche Firmen haben Dienstleistungen dorthin verlagert. Aus Schweizer Sicht ist das zweischneidig  – auch hiesige Firmen verlegen Jobs dorthin. Aus der Finanzwelt findet man etwa die UBS in der zweitgrössten polnischen Stadt, aber auch angelsächsische Grössen wie HSBC und Citibank. Aus der übrigen Wirtschaft zählen Electrolux, Shell, Heineken und Accenture dazu.

Die Outsourcing-Welle hat nun auch Swiss-Chef Thomas Klühr auf den Plan gerufen. Er baut das Angebot der Airline auf der Strecke Zürich–Krakau deutlich aus. Ab Ende März fliegt die Swiss nicht mehr nur viermal pro Woche, sondern täglich. Zum Einsatz kommen vorerst Flugzeuge von Avro und Em­braer. Je nach Saison könnte die Airline aber auch deutlich grösseres Gerät von Airbus einsetzen.

Hohe Nachfrage

«Die Auslastung der Flüge war überdurchschnittlich hoch, weswegen wir die Frequenzen erhöht haben», erklärt Swiss-Sprecherin Meike Fuhlrott den Ausbau. Die durchschnittliche Auslastung der Swiss-Flüge lag zuletzt bei rund 76 Prozent.

Ab Genf gibt es zwar noch immer keine Direktflüge, wie Fuhlrott weiter sagt. Krakau, wo übrigens auch ein Dienstleistungszentrum der Lufthansa ist, spielt nach dem Ausbau aber trotzdem in der obersten Liga mit. Von den weit über 100 Destinationen, die die Swiss anfliegt, werden nur 65 täglich ab Zürich bedient. Neben Krakau wird eine polnische Destination täglich angeflogen: die Hauptstadt Warschau.

Krakaus Aufstieg

Mit der Anpassung des Flugplans zollt Klühr dem Aufstieg Krakaus Tribut. Keine andere Stadt Europas ist attraktiver für Firmen, die auf der Suche nach einer Outsourcing-Destination sind. Das sagt zumindest die amerikanische Beratungsfirma Tholons, die jedes Jahr ein entsprechendes Ranking herausgibt. Lange dominierte Dublin diese Liste – bis es 2014 von Krakau abgelöst wurde.

Mittlerweile arbeiten in Krakau über 35'000 Personen in neu geschaffenen Dienstleistungszentren. Das zeigen Zahlen der Association of Business Services Leaders in Poland (ABSL), der Interessenvertretung der auslagernden ausländischen Unternehmen. Keine andere Stadt in Polen ist ein grösserer Arbeitsmagnet. Die Hauptstadt Warschau folgt auf dem zweiten Platz – mit 27'000 Arbeitsplätzen. Mit 24'000 Stellen ist Breslau, wo auch die Credit Suisse ein grosses Shared-Service-Center betreibt, auf Platz drei. Aufs ganze Land hochgerechnet hat die Outsourcing-Welle schon 150'000 Jobs ins Land gespült. Und die Zahlen dürften sogar noch steigen: Polen rechnet mit einem 100'000 weiteren Stellen bis ins Jahr 2020.

Fähiges Personal

All diese Jobs werden anderswo abgebaut – in Zürich, Frankfurt oder London etwa. Der Hauptgrund sind Kostenüberlegungen. Die Auslagen für Personal und Büroräumlichkeiten liegen in Polen bei weniger als der Hälfte von London oder Zürich.

Krakau, Warschau, Breslau und die anderen Hotspots in Polen sind mittlerweile aber keine reinen Niedriglohn-Standorte mehr. Zum Kostenargument gesellt sich ein Qualitätsargument: Die Infrastruktur wächst, die Städte erwachen langsam aus ihrem sowjetischen Schlaf und zeigen sich von der schönsten Seite, der Markt ist gross und es gibt viel fähiges Personal. Krakau – eine traditionsreiche Universitätsstadt – verfügt über gute technisch-naturwissenschaftliche Hochschulen, die Studenten gelten als solide ausgebildet und sprachgewandt. Viele sprechen neben Polnisch und Englisch auch Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch oder Russisch.

Turbulente Politik

Die jüngsten Entwicklungen im Land trüben aber das Bild. Seit Oktober 2015 regieren nationalkonservative Kräfte in Warschau. Nach dem Wahlerfolg hat die Regierung verschiedene Gesetze auf den Weg gebracht, die die Unabhängigkeit und Funktionsfähigkeit wichtiger Institutionen schwächten, wie die US-Ratingagentur Standard & Poor's in ihrem jüngsten Ausblick auf das Land schreibt. Die Folge: Die Kreditwürdigkeit Polens wurde herabgesetzt.

Die Regierungspolitik findet auch in Brüssel scharfe Kritiker. Wegen einer umstrittenen Mediengesetzesreform hat die EU-Kommission erstamls überhaupt ein Verfahren zur Überprüfung des Rechtsstaats eingeleitet. Polens Ministerpräsidentin Szydło hält trotzdem an ihrer Politik fest.

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