Der konjunkturempfindliche Möbelmarkt hat sich spürbar abgekühlt. «Während die meisten Anbieter im 1. Halbjahr 2008 noch zulegen konnten, mussten sie in den letzten Monaten Einbussen in Kauf nehmen», bestätigt Kurt Frischknecht, Direktor des Verbands der Schweizer Möbelindustrie (SEM), die Anfrage der «Handelszeitung».

Daran konnte auch das lebhafte Weihnachtsgeschäft wenig ändern. Denn gekauft wurden vor allem Accessoires, aber weniger die grossen Möbel. Einmal mehr zeigt sich, wie anfällig das Möbelgeschäft auf Konjunkturschwankungen ist. Sobald sich die ersten dunklen Wolken am Horizont abzeichnen, schieben die Konsumenten die grossen Ausgaben - etwa für Tische, Schränke oder Sofas - auf die lange Bank.

Rechnet man die Zahlen des Bundesamts für Statistik (BfS) hoch, so dürfte die Branche übers gesamte Jahr 2008 zwar immer noch um knapp 3% gewachsen sein. Das ist allerdings deutlich unter dem Vorjahresplus von 6,7%. Die Kurve ist markant abgeflacht, die Branche in Rücklage geraten. Dem Negativtrend klar zu trotzen vermochte Ikea. Die schwedische Einrichtungskette steigerte den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 14,5% oder 114 Mio Fr. auf 900 Mio Fr. Anzumerken ist, dass der Branchenführer sein Geschäftsjahr jeweils per Ende August abschliesst. Das für die Branche besonders schlechte letzte Jahresdrittel ist also - im Unterschied zu den Mitbewerbern - in der jüngsten Erfolgsrechnung von Ikea nicht enthalten.

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Ikea: Neue Filiale stützt

Entscheidend zum Wachstumssprung beigetragen haben dürfte die im Herbst 2007 in St. Gallen eröffnete siebte Filiale in der Schweiz. Marketingleiter Carlos Friedrich betont aber, dass man auch ohne diese Expansion deutlich habe zulegen können. Insgesamt 11,4 Mio Kunden, 12% mehr als im Vorjahr, strömten in die gelb-blauen Möbelhäuser. Ein Besuch bei Ikea ist - quer durch alle Bevölkerungsschichten - längst zum Volksvergnügen geworden. Über das Erfolgsrezept, Möbel als trendige Modeartikel zu präsentieren, ist schon viel geschrieben worden. «Schöner Wohnen, ohne gleich ein Vermögen dafür ausgeben zu müssen», wirbt Friedrich.Ikea dürfte auch in Zukunft Marktanteile gewinnen. Zwar sind in diesem Jahr keine Neueröffnungen terminiert. «Aber mittelfristig haben wir in Luzern und Genf zwei weitere Einrichtungshäuser geplant», sagt Friedrich. Bisher hat jede zusätzliche Filiale dem schwedischen Möbelriesen in der Schweiz zu einem Umsatzschub von rund 100 Mio Fr. verholfen.

Der Verdrängungskampf wird sich also weiter verschärfen. Zudem glaubt Friedrich fest daran, dass Ikea von der Konjunkturkrise wird profitieren können: «In unsicheren Zeiten schauen die Konsumenten noch genauer auf günstige Preise, und da haben wir gute Karten.»

Micasa und Interio verlieren

Ein einziger, allerdings viel kleinerer Konkurrent konnte bezüglich Wachstum annähernd mit Ikea mithalten: Billigstdiscounter Lipo steigerte den Umsatz um 10% auf 105 Mio Fr. Ein leichtes Plus von 2,5% auf 138,4 Mio Fr. verzeichnete auch die Manor-Tochter Fly. Noch keine Zahlen gibt es von Conforama. Branchenkenner gehen jedoch davon aus, dass die Franzosen 2008 nochmals zulegen konnten. Knapp auf Vorjahresniveau halten konnte sich die Coop-Tochter TopTip, obwohl zwei Lumimarkt-Filialen in Morges und Suhr geschlossen wurden. In diesem Jahr sollen am Verkaufsstellennetz weitere Korrekturen vorgenommen werden.

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Schlechter liefen hingegen die Geschäfte bei Möbel Pfister, der Schweizer Nummer zwei. Der Umsatz sank um 1,7% auf 661 Mio Fr. Firmensprecher Luca Aloisi macht dafür längere Umbauphasen in drei Grossfilialen, aber auch die abflauende Konjunktur verantwortlich.

Noch deutlicher auf der Verliererstrasse befanden sich die zur Migros gehörenden Möbelhäuser. Die selbst in den drei guten Möbeljahren 2005 bis 2007 nicht vom Fleck kommende Micasa musste auch im letzten Jahr einen weiteren Rückschlag in Kauf nehmen. Wie gross er war, will die Migros nicht kommentieren. Sprecher Urs Peter Naef lässt lediglich durchblicken, dass der Umsatz «knapp unter Vorjahr» war. Keine Geheimniskrämerei um die ebenfalls enttäuschenden Zahlen macht man hingegen bei der anderen Migros-Tochter Interio. «Unser Umsatz ging um 2,8% auf 305 Mio Fr. zurück», erklärt Marketingleiter Werner Jakob.

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Viel Discount, wenig Luxus

Laut SEM-Direktor Frischknecht spaltet sich das Geschäft immer mehr in zwei Teilmärkte auf: Discount einerseits, Luxus anderseits. Kaum Platz hätten Anbieter im Mittelsegment. Vom Preiskampf und der Schnäppchenjagd werde keiner verschont.

«Selbst jene Unternehmen, die mit Marken, Qualität und der Erfüllung hoher Ansprüche werben, müssen sich zunehmend mit Rabattforderungen ihrer Kunden auseinandersetzen», betont Frischknecht.