Das Geschäft ist nicht einfa-cher geworden, aber immerhin kommen die guten Nachrichten in grosser Zahl daher: Der Schweizer Weiterbildungsmarkt floriert. Denn wenn die Halbwertszeit des Wissens sinkt, die Ansprüche im Unternehmen aber ständig steigen, suchen Weiterbildungswillige auch vermehrt die Angebote externer Anbieter und ihr immer vielfältigeres Angebot auf.

Ein Beispiel für den vorgezogenen «Weiterbildungsfrühling»: Mit allen Weiterbildungsprogrammen (Master-, Diplom-, Zertifikatsprogramme sowie Kurzseminare) verzeichnete die Universität St. Gallen von 2006 auf 2007 ein Wachstum von 20% und erzielte damit im letzten Jahr immerhin einen Umsatz von rund 33,5 Mio Fr.

Dabei finden sich die Vorgesetzten oft in einem Dilemma wieder: Für die langfristige Entwicklung ist es ratsam, die eigenen Leute ausreichend fit und fitter zu machen und in Kurse zu schicken. Kurzfristig jedoch drohen durch den Ausfall ausgerechnet der beliebtesten und talentiertesten Kräfte kleine, aber unangenehme Kapazi- tätsengpässe.

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Der Hebel der «soft factors»

Angesichts der immer länger werdenden Wunschliste der Unternehmensleitung nach fähigen Fachleuten – von einfachen Kräften ist hier freilich nicht die Rede – kommen die sozialen Kompetenzen, auf gut deutsch «soft factors», zunehmend in Mode. Im globalisierten Wettbewerb wird beispielsweise die multikulturelle Gewandtheit gegenüber den «harten» Fähigkeiten wie Leistung und Strategiedenken mindestens ebenso wichtig; eines geht nicht ohne das andere.

Die CEO haben das erkannt: Die soziale Kompetenz kann entscheidend sein. Und das wirkt sich positiv auf den Weiterbildungsmarkt aus. Auch hier ein Beispiel: Die Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) hat gerade ihren Nachdiplom-Kurs «Public Affairs Management» abgeschlossen. Und bereits jetzt meldet die Schule für das in seiner Art erste Programm der Schweiz mehrere Teilnehme-rinnen und Teilnehmer für die nächste Durchführung.

Das ist kein Wunder: Kommunikation gehört zu den wichtigen Facetten des menschlichen Umgangs. Das wundert auch Cyril Meier, Leiter des Centers für Communications der HWZ, nicht: «Der Unternehmenserfolg hängt mehr denn je von der Reputation und wirksamer Interessenvertretung ab.»

Damit sind die Bildungsinstitutionen herausgefordert: Soziale Kompetenzen lassen sich nicht einfach so vermitteln. So gesehen ist es richtig, dass «Bologna» am Rande auch für mehr Praxis und die so wertvollen «Living Cases» gesorgt hat.