SOFTWARE ALS SERVICE. Bei Software als Service («Software as a Service», SaaS) für kleinere und mittelgrosse Firmenkunden mischen auch einige schweizerische Anbieter mit. Der Berner Anbieter Topal oder die St. Galler Firma Skip5 haben On-Demand-Lösungen für Geschäftskunden, Econbiz.net hat eine Lösung auf SOA-(Service Oriented Architecture-)Basis, Abacus kam im Mai mit einer Version für Treuhänder und weitere Kunden, die Abacus-Partner Delta Services und Inspirion bieten Software ebenfalls als Dienst an, und auch Bison und Novanet sind präsent.

6 Prozent Wachstum

SaaS ist für etliche Softwarefirmen ein attraktives Wachstumsgeschäft. Global prognostizieren die Marktforscher von Gartner 2007 einem Umsatz von 5,1 Mrd Dollar, das entspricht einem Plus von 21% gegenüber dem Vorjahr. In einigen Bereichen wie ERP (Enterprise Resource Planning) hat das SaaS-Modell erst gerade Fuss gefasst. Bei E-Learning oder Web-Conferencing liegen die Anteile dagegen schon bei 60 bis 70%.Laut den Schaffhauser Marktforschern von MSM Research ist SaaS die Priorität Nummer 5 (von 14) bei geplanten oder laufenden Outsourcing-Projekten in der Schweiz (noch höher auf den Prioritätenlisten stehen das Output-Management, Server/Speicher-Hosting, Applikationsentwicklung und der ICT-Infrastrukturbetrieb). SaaS haben die Analysten bei MSM im Kontext des gesamten Outsourcing-Marktes untersucht; in der Schweiz sollen damit im laufenden Jahr 2,75 Mrd Fr. umgesetzt werden, 6% mehr als im Vorjahr. Für 2008 erwartet man bei MSM noch ein Plus von 5,6%. Global prognostizieren die Marktforscher weiter zweistellige Wachstumszahlen – und es ist nicht zu erwarten, dass sich schweizerische Kunden diesem Trend entziehen.

Google und Adobe sind dabei

Vor dem Hintergrund gesättigter Firmensoftwaremärkte sind höhere einstellige Wachstumszahlen auch für die grossen Konzerne attraktiv, und gerade bei mittelgrossen Unternehmen ist die Penetrationsrate laut einer Befragung von Greenwich Associates tiefer als bei ganz kleinen Firmen und ganz grossen Konzernen. Mit IBM und HP mischen auch Unternehmen mit, die man auf den ersten Blick nicht als SaaS-Anbieter vermuten würde; Google und Adobe sind ebenfalls präsent.HP beispielsweise bietet Lösungen für die Softwareeinsatzoptimierung, Projektausführung, Verwaltung von Geschäftsapplikationen und Applikationstests auf SaaS-Basis an. SAP lancierte im September die SaaS-Produkte und wird sie 2008 unter dem Label «Business By Design» breit vermarkten, Oracle ist seit einiger Zeit ebenfalls mit «Siebel CRM On Demand», «On Demand für Siebel CRM», der On-Demand-Variante von PeopleSoft Enterprise sowie der Oracle-E-Business-Suite gleich vierfach präsent.Microsoft seinerseits hat Preissenkungen für das eigene «Dynamics»-SaaS-CRM-Angebot auf Anfang 2008 angekündigt, um diesen Angeboten, die ergänzend zu den traditionellen On-Premise-Lizenzlösungen, bei denen Software auf Servern und Computern fest installiert wird, zum Durchbruch auf dem Markt und zu einer bessere Wettbewerbssituation gegen Marktführer Salesforce.com zu verhelfen.

Anzeige

Günstiger, aber weniger flexibel

Daneben gibt es noch «Office Live», das Pendant zur fest installierten Office-Version. In der Schweiz richtet Swisscom einen SaaS-Marktplatz mit einer ersten einfachen CRM-Applikation ein, mit denen Firmen ihre Kundenkontakte verwalten.SaaS löst eine Reihe von Problemen des traditionellen Softwarelizenzgeschäftes wie die hohen Lizenzgebühr-Upfront-Zahlungen, lange Implementierungszeiten und beschränkter Zugang für mobil arbeitende Angestellte. Hinzu kommen schwierige Upgrades, teure weitere Hardware und Netzwerke, und die Kunden sind für den Betrieb selber verantwortlich. Demgegenüber berichten Marktforscher konsistent von rascheren und günstigeren SaaS-Implementierungen, relativ einfachen Software-Upgrades und einfachem Zugang für alle Angestellte, weil die SaaS-Angebote über Webbrowser prinzipiell überall zugänglich sind.SaaS-Angebote bieten aber nicht das ganz gleich grosse Anpassungspotenzial an wie traditionelle Softwaresuiten. Hinzu kommen weitere Punkte. So warf ein Ausfall bei Salesforce.com vor zwei Jahren weltweit hohe Wellen – aber auch konventionelle Applikationen sind vor Ausfällen nicht gefeit, wie der von den Medien unbemerkte Ausfall des weltweiten Lufthansa-Systems am 14. November gezeigt hat.Viele Informatikverantwortliche vertrauen zudem mehr ihrer eigenen IT-Mannschaft, die viele Applikationen unterhalten muss, als den Spezialisten bei den SaaS-Anbietern, die nur eine bestimmte Applikation betreuen (und dementsprechend gut kennen).Bei der Sicherheit stellt SaaS bestimmte Herausforderungen, weil Daten die firmeneigene Firewall verlassen; inzwischen gibt es aber auch hier Lösungen, die selbst sicherheitssensible Technologiekonzerne wie Cisco oder Dell dazu bewogen haben, SaaS-Angebote firmenweit einzusetzen. Eine im September veröffentlichte Umfrage von Goldman Sachs bei Informatikverantwortlichen zeigte die grössten SaaS-bezogenen Sicherheitsbedenken beim Identitäts- und Zugangsmanagement sowie bei Compliance-Fragen. Einzelne Kunden berichteten, dass Nutzer nach Software-Upgrades auf einmal Zugang zu bestimmten Daten hatten, für die sie gar nicht die Berechtigung hatten.Bei den Funktionalitäten haben die SaaS-Anbieter ebenfalls aufgeholt. Ein grösserer Kunde, der anonym bleiben wollte und sich für eine Salesforce.com-CRM-Lösung entschieden hatte, war zuvor auch mit SAP und Oracle im Gespräch. Bei SAP vermisste er bestimmte Funktionalitäten, die Oracle-Siebel-Lösung war teurer.Genau solche Vorteile nutzen die wendigen SaaS-Anbieter bei Angeboten für ihre mittelgrossen Kunden aus – bevor die ganz grossen ihre Angebote flächendeckend ausrollen und ihre Marktanteile zementiert haben.