Dem britischen Telecom-Anbieter Colt verdanken wir die jüngsten Einsichten in die Wunschliste von Informatikchefs. Auch wenn die absolute Anzahl der schweizerischen Teilnehmer dieser europaweiten Befragung bei mittleren und grösseren Unternehmen nicht wirklich repräsentativ ist – die Pläne und Absichten weisen auf wichtige Trends hin.

So erwarten 73% der Befragten eine Zunahme der Bedeutung von Software als Service. Diese Angebote beschränken sich längst nicht mehr nur auf Customer-Relationship-Management-Programme (CRM), mit denen Firmen ihre Kundenkontakte bewirtschaften. Immer mehr Grossfirmen, darunter auch bekannte Schweizer Adressen, beziehen Software als Service (siehe Beitrag in der Beilage). Bemerkenswerterweise kontrastiert hier die Nachfrage – die Informatikchefs gaben insbesondere ERP als besonders gut für Software als Service geeignetes Produkt an – mit dem auf dem Markt verfügbaren Angebot. Bedenken bestehen bezüglich der Sicherheit von Daten, der Kontrolle über die Weiterentwicklung, der Kosten sowie der möglichen Abhängigkeit von einem einzigen Hersteller.


Keine Notfall-Pläne

Die schweizerischen Informatikchefs verwenden Virtualisierungssoftware noch öfter als ihre europäischen Kollegen. Fast drei Viertel virtualisieren Server, sie lasten damit nicht nur die notorisch zu tief ausgelasteten Windows-Server besser aus und reduzieren ihre Stromrechnungen, sie reduzieren so auch Hardware-Käufe.

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Schliesslich ist der Trend zur Auslagerung ungebrochen – auch wenn Active Sourcing in ihrem jüngsten Bericht einen Rückgang des Vertragsvolumens feststellt. Zwei Drittel der Schweizer Informatikchefs schliessen wenigstens nicht aus, dass sie längerfristig die Dienste eines oder mehrerer Outsourcer oder Hosting-Firmen beanspruchen werden.

Ob damit eines der wichtigsten Probleme gelöst wird, bleibt offen. Mehr als die Hälfte der schweizerischen Informatikchefs erlebte in den letzten zwei Jahren mindestens einen Totalausfall, jeder fünfte Befragte sogar drei bis fünf Ausfälle. Bei 43% dauerte es mehr als vier Stunden, bis der Betrieb wieder hochgefahren werden konnte, bei 7% dauerte es mehr als zwei Tage. Und trotz Hochwasser im Mittelland und einigen Alpentälern haben 23% keinen Notfall-Plan zur Hand.

Die Zeit scheint reif für Software als Service, am besten auf virtualisierten Umgebungen und im Rahmen eines Vertrages mit einem IT-Dienstleister, der gleich auch noch ein zweites Rechenzentrum für den Ernstfall bereithält.