Sie gehören zu den Topunternehmern des Jahres 2007. Überrascht?

Bertrand Piccard: Ich bin sehr glücklich, nicht nur für mich, sondern für das ganze Team und meinen Partner André Borschberg, den ich auch als Teil der Auszeichnung sehe. Es ist ermutigend und ein gutes Signal, dass Projekte und Pionierleistungen in der Energieeffizienz von Deutschschweizer Wirtschaftsjournalisten anerkannt werden.

Oft werden Sie als Abenteurer gesehen – fühlen Sie sich auch als Unternehmer?

Piccard: Ich fühle mich als ein Unternehmer von der Pionierseite. Solarimpulse ist keine konventionelle Firma. Ihr Ziel ist es nicht, Gewinn zu machen, sondern neue Wege und Technologien zu finden, mit denen die Wirtschaft mit Energieknappheit und Umweltverschmutzung umgehen kann. Der eingeschlagene Pfad führt in eine Sackgasse. Die Wirtschaft kann angesichts der steigenden Ölpreise künftig nur erfolgreich sein, wenn sie alternative Energiequellen findet und Technologien entwickelt, um die Energieeffizienz zu verbessern. Die Firmen, die das nicht verstehen, werden Konkurs machen, weil die Energiepreise ihre Produktivitätsfortschritte zunichte machen. Ausserdem werden die Regulierungen der EU und zunehmend auch global sie daran hindern, weiter zu produzieren wie bis anhin.

Wieso hindern?

Piccard: In naher Zukunft wird es sehr teuer werden oder verboten sein, viele Emissionen auszustossen. Die EU hat für 2012 Grenzwerte für die Automobilindustrie aufgestellt, die so hoch sind, dass es in Europa grosse Produktionsfirmen gibt, die nicht wissen, was sie tun sollen. Gleichzeitig lachen sich Firmen wie Toyota und Lexus ins Fäustchen, weil ihre Technologien bereit sind für die neuen Regulierungen.

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In Wirtschaftskreisen ist es aber umstritten, ob es mehr Regulierungen braucht.

Piccard: Ich bin überzeugt, der Markt wird entscheiden, welche Firma nachhaltig erfolgreich ist und welche nicht. Aber: Es braucht Regulierungen, um zu verhindern, dass der Wettbewerb verzerrt wird. Firmen, die heute investieren, um Energie zu sparen und Emissionen zu senken, haben im ersten Schritt Zusatzkosten. Es darf nicht sein, dass diejenigen, die nicht investieren, ihre Güter billiger verkaufen können. Doch sind Interventionen nur in der ersten Phase nötig, um dem Markt zu helfen, dass der Wettbewerb respektiert wird.

Mit welchen Instrumenten?

Piccard: Am besten ist es, wenn die Umweltkosten im Produktpreis enthalten sind. Damit wären Firmen, die in eine saubere Produktion investieren, auf dem Markt nicht benachteiligt.

Indem Sie mit Solarimpulse die Einsatzfähigkeit von Alternativenergien aufzeigen, liefern Sie doch Argumente, wieso kein Öl gespart werden muss.

Piccard: Im Gegenteil. Wir wollen demonstrieren, dass wir mit erneuerbaren Energien und Energieeffizienz unglaubliche Dinge erreichen können, wie eine Erdumrundung ohne Treibstoff. Dies beweist doch, dass es auch für die Industrie und Wirtschaft möglich ist, in diese Richtung zu gehen. Denn wenn wir weiter 1 Mio Tonnen Treibstoff pro Stunde verbrennen, wird es so weit kommen, dass Menschen, die sich Treibstoff nicht mehr leisten können, um ihr Haus zu heizen, sich diesen mit Gewalt nehmen werden. Ausschreitungen und massive illegale Migration sind absehbar. Selbst wenn uns Klimawandel und Umweltverschmutzung egal sind, müssen wir allein aus ökonomischen Gründen erneuerbare Energie und Energieeffizienz fördern.

Wie soll das geschehen?

Piccard: Deutschland demonstriert mit Anreizen, wie sich mit der Wind- und Solarenergie gross verdienen lässt. Es ist nach Japan die Nummer zwei auf dem Weltmarkt. Die Schweiz hat den Zug verpasst, weil die Regierung bisher keine klaren Regulierungen und Anreize setzte.

Andere Länder sind nicht weiter.

Piccard: Ja, aber sogar die neue amerikanische Regierung wird einsehen, dass es im Interesse der USA ist, diesen Markt anzuführen. Selbst George Bush hat seine Meinung geändert. Wenn die Schweiz bei diesem Trend keine Führungsrolle übernimmt wie Deutschland, dann werden wir von vielen Märkten ausgeschlossen. Die Autos auf Schweizer Strassen würden in Kalifornien heute nicht mehr zugelassen.

Glauben Sie, dass CEO wie Ihr Sponsor Joe Ackermann wirklich hinter erneuerbaren Energien stehen?

Piccard: Wir wählen unsere Partner so genau aus, wie sie uns auswählen. Die Deutsche Bank berät ihre Kunden bereits seit den 80er Jahren über Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien. Das bedeutet, dass Solarimpulse für die Deutsche Bank nicht nur ein Alibi ist, sondern ein Symbol für Werte, die die Bank tatsächlich verfolgt. Das gilt auch für die Swatch Group und den Chemiekonzern Solvay.

Haben Sie den vierten Hauptsponsor?

Piccard: Wir verhandeln noch. Vom Gesamtbudget von 100 Mio Fr. haben wir bisher 65 Mio Fr. zusammen. Dies reicht für die erste Projektphase, um den ersten Prototyp zu konstruieren und testen. Für die zweite Phase sind wir nicht nur an Grossfirmen interessiert, sondern auch an KMU. Heute müssen wir nicht mehr um Geld betteln, sondern können Sponsoring- und Werbeangebote machen. Weil ABB-CEO Fred Kindle mit dem Unternehmer-Titel 2007 ausgezeichnet wurde, hätte ich ABB sehr gerne als Sponsor.

Wieso haben Sie Nestlé nicht angefragt. Gemäss dem Konzern kam keine Anfrage.

Piccard: Das stimmt nicht. Wir haben Nestlé angefragt. Doch sie sagten mir, dass nachhaltige Entwicklung nicht Teil der Kommunikationsstrategie sei. Das ist ihr gutes Recht. Allerdings gibt es schon jetzt Firmen, die ihre Absage bereuen. Sie dachten, dies wäre einfach eine nette Idee, die sich nie materialisieren würde. Aber Solarimpulse ist ein sehr praktisches und realistisches Projekt und kein grüner Traum.

Was ist das Ziel des Projekts?

Piccard: Ich glaube an die Macht der Symbole. Wenn ein Flugzeug ohne Treibstoff um die Erde fliegen kann, dann finden die Menschen, dass sich auch in ihrem Leben etwas verändern lässt. Der Erfolg von Solarimpulse wird nicht nur darin bestehen, um die Erde zu fliegen. Es geht auch darum, dass die Zuschauer am Boden davon inspiriert werden und die einfachen Methoden nutzen, um Energie zu sparen. Mit heutigen Technologien lassen sich 20% der Energien eines Landes einsparen.