Credit-Suisse-Chef Brady Dougan sieht die Wahrscheinlichkeit einer neuerlichen Rettung einer Grossbank durch den Steuerzahler «sehr nahe bei null». Das sagte der Manager in einem Interview mit der «Basler Zeitung». Zusätzliche Kapitalvorschriften hält er für unnötig.

Damit widerspricht Dougan den Skeptikern in der Politik, die grössere Kapitalpuffer fordern. Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf hatte an einer BDP-Veranstaltung anfang November erwähnt, dass die geltenden Eigenkapitalbestimmungen von 4,5 Prozent zu schwach und schärfere Kapitalvorschriften nötig sein könnten. Die Aktien der Grossbanken tauchten daraufhin prompt.

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Dougan bei Rechtsstreit zuversichtlich

Im «BaZ»-Interview zog Dougan nun eine Linie. Auch seine Bank finde, es sei alles zu tun, damit die Steuerzahler nie mehr eine private Geschäftsbank retten müssen. Wenn dies das Ziel sei, «dann finden wir, dass die Voraussetzungen dafür jetzt erfüllt sind». Und weiter: «Es ist wichtig, dass auch die Politik dies anerkennt», verlangte er in der Zeitung. Die Credit Suisse hatte sich bisher in der Regulationsdiskussion zurückgehalten.

Rechtliche Probleme, mit denen viele Schweizer Banken konfrontiert sind, versuche die CS primär zu vermeiden, sagte Dougan weiter. Im Skandal um die Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Libor, in den die CS neben anderen Banken involviert ist, hat die Bank gemäss ihrem Chef weiterhin keine Hinweise, dass sie «materiell betroffen» ist.

Bei den Klagen in den USA wegen des Geschäfts mit verbrieften Hypotheken ist Dougan zuversichtlich, dass die Bank nachweisen kann, 2006 verantwortungsbewusst gehandelt zu haben. Im Steuerstreit mit den USA tue die Bank, was sie könne. Das Abkommen zwischen den beiden Regierungen sei ein Schritt zur Beilegung.

Dougan nimmt zu seinem Gehalt Stellung

Er räumte allerdings ein, dass die Rechtsfälle neben dem Kostensenkungsprogramm die Stimmung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beeinträchtigt. Eine Mitarbeiterbefragung habe jüngst aber gezeigt, dass die Stimmung über alles gesehen gar nicht so schlecht sei. Die Bank habe alle Mitarbeitenden informiert, über die sie Dokumente an die USA geliefert hätten. Dazu sei sie von den Schweizer Behörden angehalten worden.

Zu seinem 70-Millionen-Franken-Bonus 2010 erklärte Dougan, es sei klar, «dass man ein solches Entschädigungspaket heutzutage vermeiden sollte». Auch der frühere CS-Präsident Walter Kielholz hatte diese Zahlung jüngst - kurz vor der Abstimmung über die 1:12-Initiative - kritisiert. Dougan verteidigte das Paket aber insofern, als es auf 2004 zurückging und damals als gute Praxis gegolten habe - auf bei der Bankenaussicht. Es sei langfristig ausgerichtet gewesen. Aus heutiger Sicht hätte die Bank aber den Maximalbetrag oder die finanzielle Hebelwirkung des Programms reduzieren sollen.

Dougan ist US-Bürger. Er kam 2007 als Nachfolger von Oswald Grübel an die Spitze der CS. Zuvor war er bereits seit 1990 bei der Bank tätig.

(sda/muv)