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Bafin
Sonderprüfung bei der Deutschen Bank wegen Libor

Deutsche Bank: Sonderprüfung am Horizont. (Bild: Keystone)

Die deutsche Finanzmarktaufsicht packt die Deutsche Bank mit dem härtesten Instrument an, das den Regulierern zur Verfügung steht: Die Sonderprüfer kommen ins Haus.

Veröffentlicht am 19.01.2014

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin intensiviert offenbar ihre Untersuchungen zur Verwicklung der Deutschen Bank in die weltweite Manipulation von Devisenkursen. Die Bafin wolle den Devisenhandel mit einer Sonderprüfung ausleuchten, berichtete das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» unter Berufung auf «das Umfeld des Konzerns». Die Aufseher gingen der Frage nach, ob die Deutsche Bank, die als grösster Devisenhändler der Welt gilt, den Bereich ordnungsgemäss organisiert hat und ob es dort ausreichende Kontrollen gibt.

Die BaFin wollte sich am Sonntag nicht zu dem konkreten Fall äussern. Sie hatte allerdings bereits im Oktober nicht ausgeschlossen, dass es in der Devisenaffäre zu Sondeprüfungen bei deutschen Banken kommen werde. Eine Sonderprüfung gilt als schärfstes Schwert der Aufsichtsbehörde. Dabei nisten sich die Aufseher - oder Wirtschaftsprüfer in deren Auftrag - oft über Wochen bei der Bank ein, befragen Mitarbeiter und durchforsten Unterlagen. Laut «Spiegel» wollen die Bafin-Aufseher in der Sonderprüfung unter anderem Chats auf einer Handelsplattform untersuchen, die sowohl von Devisenhändlern genutzt wurde, als auch von Mitarbeitern, die in der Libor-Affäre aufgefallen waren. Vor Weihnachten war bekannt geworden, dass die Deutsche Bank die Nutzung solcher Chatrooms im Handel intern verboten hat.

Schon länger Zweifel

Die Bafin hat dem Magazin zufolge schon länger Zweifel, ob die Kontrollen im Devisenhandel der Deutschen Bank ausreichen, um Manipulationen zu verhindern. Bei dem Institut laufen bereits mehrere solcher Prüfungen parallel, so zur Manipulationen es Interbanken-Zinssatzes Libor und zum Vorwurf von Bilanzmanipulationen in der Finanzkrise.

Die Bank selbst hat nach einer internen Untersuchung wegen des Verdachts der Manipulation am Devisen-Fixing Finanzkreisen zufolge mehrere Händler in New York und an anderen Standorten vorsorglich suspendiert. Ein Sprecher bekräftigte die Aussage, die Deutsche Bank habe Anfragen von Aufsichtsbehörden erhalten, die den Devisenhandel unter die Lupe nehmen. «Die Bank unterstützt diese Untersuchungen und wird in begründeten Fällen disziplinarische Massnahmen gegen einzelne Mitarbeiter ergreifen», sagte er. Auch bei anderen Banken wurden Händler beurlaubt.

Ins Rollen gebracht hatte den Fall im Sommer die britische Finanzaufsicht, inzwischen haben sich neben der Bafin auch die Behörden in den USA eingeschaltet. Die Referenzkurse, die einmal am Tag festgestellt werden, dienen Unternehmen und grossen Profi-Anlegern wie etwa Investmentfonds als Basis für ihre Währungsgeschäfte. Am Devisenmarkt werden weltweit pro Tag Währungen im Wert von mehr als fünf Billionen Dollar gehandelt. Das Segment ist der größte Markt im Finanzsystem und gilt als am wenigsten reguliert.

(reuters/chb)

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