Oerlikon Solar als eine von sechs Divisionen des Oerlikon-Konzerns gilt als Zugpferd der Solarbranche. Das Unternehmen mit Sitz in Trübbach SG verfügt laut Firmensprecher Michael M. Schmidt «über die komplette Technologie für die Massenproduktion von revolutionären Silizium-Dünnschicht-Solarmodulen». Diese sind kostengünstiger als herkömmliche Silizium-Module und sollen Solarenergie auf dem freien Markt wettbewerbsfähig machen.

Oerlikon Solar hat in Deutschland und Asien Produktionsanlagen eingerichtet. Nun wird erstmals auch eine Fabrik in der Schweiz erstellt – im Industriegebiet von Locarno, für die italienische Pramac-Gruppe. Diese hatte mehrere Standorte in Italien, Spanien und Osteuropa geprüft. Sie entschied sich, obwohl in jenen Ländern eine attraktivere staatliche Förderung angeboten wurde, trotzdem für die Schweiz. Den Ausschlag gaben laut Pramac-Chef Paolo Campinoti das Qualitätslabel «made in Switzerland», die attraktiven Steuern, gute Infrastrukturen und die Nähe zu universitären Forschungszentren.

5 Prozent für Solaranlagen

Mit dem revidierten Energiegesetz soll 2009 die kostendeckende Einspeisevergütung für Solarstrom und andere erneuerbare Energien auch in der Schweiz Tatsache werden. Swissolar-Geschäftsführer David Stickelberger ist aber skeptisch: «Einen grossen Schub wird die Einspeisevergütung nicht bewirken.» Von rund 320 Mio Fr., die für alternative Energien zur Verfügung stehen sollen, sind lediglich 5% oder jährlich 16 Mio Fr. für Solaranlagen vorgesehen. Die in Aussicht gestellten Fördermittel werden zwar eine Verdoppelung der bisher jährlich installierten Photovoltaik von gegenwärtig rund 2,5 auf 5 MW Leistung bewirken. Doch das ist immer noch bescheiden. Deutschland – zum Vergleich – hat total 4000 MW installiert. Das sind pro Kopf 20 Mal mehr als die Schweiz, dank der bereits 2003 eingeführten und grosszügig ausgeschütteten Einspeisevergütung. Allein in diesem Jahr sind dort weitere Anlagen mit 1500 MW Spitzenleistung geplant.Die Schweizer Solarindustrie lebt gegenwärtig hauptsächlich von Aufträgen im Ausland. Der Heimmarkt hingegen ist schwach, und daran wird sich, befürchtet Stickelberger, auch nach 2009 kaum viel verändern. «Wir haben dann zwar eine Einspeisevergütung, aber mit angezogener Handbremse.»

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Potenzial sei vergeben

Das ist umso bedauerlicher, als die Schweiz einst bei der Solarenergie die Nase vorne hatte. So gewann 1990 die Ingenieurschule Biel mit einem Solarmobil das legendäre Rennen quer durch Australien. Weitere Pioniertaten waren die kommunale Einspeisevergütung in Burgdorf und die Solarstrombörse des EWZ der Stadt Zürich. Die Aufbruchstimmung der 1990er Jahre schuf massgebliches Know-how in den Hochschulen und der Industrie. Laut Michael Kaufmann, Vizedirektor des Bundesamtes für Energie, hat die Schweiz aber ihr Potenzial vergeben, Standbein einer starken Solarindustrie zu werden. Völlig hoffnungslos ist die Situation trotzdem nicht. Denn nebst Oerlikon Solar sind rund ein Dutzend weitere Firmen aussichtsreich im Geschäft. Eine Gemeinsamkeit ist, dass sich notgedrungen alle international ausgerichtet haben. Nebst Deutschland, Japan und den USA zeichnen sich dank Einspeisevergütung mit Spanien, Italien, Frankreich und Südkorea weitere grosse Märkte ab.Den Beweis, dass der Solarzug doch nicht abgefahren ist, liefern die Firmen: Der letztjährige Börsen-Highflyer Meyer Burger hat sich mit Spezialdrahtsägen etabliert, mit denen sich hauchdünne Siliziumscheiben schneiden lassen. Maschinenbauer Komax bietet Systeme, um Siliziumscheiben zu transportieren. 3S liefert Automaten für die Solarmodulfertigung, speziell für Laminatoren. Huber + Suhner produziert Elemente für die Verkabelung ganzer Solarstromanlagen. Sputnik in Biel fabriziert Wechselrichter, damit der Solarstrom ins normale Netz eingespeist werden kann. Swiss Wafers in Weinfelden fertigt hocheffiziente Wafer. Im Geschäft mit wichtigen Komponenten mischen auch Multi-Contact, Studer Innotec und ASP mit. Zwar stellen gewisse Unternehmen grundsätzlich die Standortfrage. Denn letztlich ist es besser, dort zu sein, wo der Markt ist. Anderseits hat die Schweiz, weil die Solarindustrie kapitalintensive Hightech benötigt, intakte Chancen. Auch Pionier Bertrand Piccard könnte mit seinem neuen Projekt, dem Solarflugzeug Solarimpulse, neue Impulse liefern.Das Know-how ist entscheidend. «Wir beschäftigen viele Mitarbeiter, die bis zu 25 Jahre Erfahrung in der Photovoltaik vorweisen können», sagt 3S-Sprecherin Antje Greiner. «Der Zugriff auf Technologien, qualifizierte Arbeitskräfte und ein innovatives Klima», sind laut Komax-Sprecher Dominik Slappnig drei Gründe, warum Komax auf die Schweiz setzt. Allerdings ist der Maschinenhersteller mit seiner Photovoltaik global ausgerichtet, die Maschinen für den kristallinen Bereich werden in den USA gefertigt. Zudem verfügt man über einen Standort in Malaysia. Umgekehrt baut der deutsche Solargigant Q-Cells, nachdem er Flexcell, ein Spin-off der Ingenieurschule Neuenburg übernommen hat, in Yverdon eine neue Fabrik für Siliziumscheiben.