Die Schweizerische Wettbewerbskommission (Weko) hat dem Zusammenschluss der beiden Handy-Zahlungssysteme Twint (Postfinance) und Paymit (UBS) zugestimmt. Weko-Direktor Rafael Corazza bestätigt eine entsprechende Mitteilung von Twint gegenüber der «Handelszeitung».

Nun muss Twint in Verhandlungen mit Banken, Kreditkartenabwicklern und Händler steigen, um neue Verträge für das Handy-Zahlungsmittel auszuhandeln. Gemäss bisherigen Ankündigungen wird das «neue» Twint für den Handel teurer sein als die bisherige Postfinance-Lösung mit gleichem Namen.

Start nicht wie geplant im Herbst

Wie in der Branche bereits vermutet, startet Twint allerdings später als geplant. Twint sprach bisher stets von einer Neulancierung «im Herbst». Auch noch vor kurzem in einer Stellungnahme gegenüber der «Handelszeitung».

Zwar ist in der Medienmitteilung von Freitagabend die Rede davon, dass die Funktionalitäten von Twint und Paymit «bis November» zusammengeführt würden. Die Kunden der beiden Zahlungsmittel würden jedoch erst im Januar auf das neue System migriert. Faktisch wurde der Neustart von Twint daher ins erste Quartal 2017 verschoben.

Rücksicht auf den Handel

Twint-Chef Thierry Kneissler bestätigt, dass man damit auf Wünsche aus dem Handel Rücksicht genommen habe. Die Einführung eines neuen Zahlungsmittels ausgerechnet in der intensiven Vorweihnachtszeit stiess bei den Detailhändlern wohl auf Bedenken. Kneissler sagt, man füge nun die besten Elemente beider Zahlungsmittel in ein gemeinsames System zusammen.

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Für den Handel bedeutet das neue Twint nicht nur technische Anpassungen, sondern unter Umständen auch neue Vertragspartner. Wurden die Akzeptanzverträge bisher direkt mit der Twint AG abgeschlossen, soll neu ein Vierparteiensystem wie bei den Kreditkarten zum Zuge kommen. Sprich: Vertragspartner sind künftig spezialisierte Abwickler wie die Six Group oder Aduno.

Auflagen für Twint bleiben aus

Positiv für Twint: Die Weko macht den Schweizer Banken keine Auflagen für die Zusammenarbeit, wie Weko-Direktor Corazza bestätigt. Im Vorfeld wurde in der Branche vermutet, dass dies aufgrund der Marktmacht der hinter Twint vereinten Banken möglich sei.

Gespürt hatte diese Marktmacht vor allem Apple, das sich im Frühsommer darum bemühte, Schweizer Kreditkartenbanken für sein Zahlungsmittel «Apple Pay» zu gewinnen. Unterschrieben hatten letztlich nur zwei Banken: Cornèrcard/Bonus Card und Swiss Bankers Prepaid Services. Die grossen Kartengesellschaften der Twint-Partner (UBS, Swisscard, Viseca) hingegen boykottierten Apple Pay.

Das neue Twint soll gemäss Mitteilung je zu einem Drittel dem Gemeinschaftsunternehmen Six Group, der Postfinance und den grössten Schweizer Banken gehören. Letztere sind namentlich UBS, Credit Suisse, Zürcher Kantonalbank und Banque Cantonale Vaudoise.