Die Menschen in der Stadt am Rheinknie lassen sich nicht lumpen, wenn es etwas zu feiern gibt: Sei es ein Sieg ihres geliebten FCB oder die alljährliche Fasnacht. Basler festen gern. 2010 ist diesbezüglich ein besonderer Jahrgang, denn die Universität Basel wird 550-jährig.

Die älteste Hochschule der Schweiz offeriert sich und der gesamten Region deshalb ein reich geschmücktes Festprogramm, das Mitte April in Liestal eröffnet wurde und bis Ende November diverse Höhepunkte vorsieht. Ganz anti-akademisch hat die Universität Basel speziell für das Jubiläumsjahr sogar einen Comic herausgegeben. Er beginnt mit dem Satz: «Im Jahre 1458 ist in Basel nicht viel los.» Auf 48 Seiten erzählt das Werk die spannende Gründungsgeschichte mit den wichtigen Protagonisten als Cartoon-Figuren.

Gut fünfeinhalb Jahrhunderte später ist an der Universität Basel einiges los. Die Hochschule ist in den vergangenen zehn Jahren markant gewachsen und konnte die Anzahl der Studierenden von rund 7000 auf über 12 000 steigern. «Wir haben uns in den 1990er-Jahren wissenschaftlich sehr gut positioniert und konnten unsere Attraktivität landesweit erhöhen», sagt Rektor Antonio Loprieno.

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Ende 2009 wurde er vom Universitätsrat für eine zweite vierjährige Amtsperiode (2010 bis 2014) einstimmig bestätigt. «Vor allem in den Bereichen Nano- sowie Bio- und Lebenswissenschaften, sprich Life Sciences, haben wir in Basel inzwischen eine nationale Führungsposition eingenommen», ergänzt er. Ebenfalls gut positioniert habe sich die Universität Basel ferner in den Disziplinen Kunstwissenschaften und Geschichte.

Trotz des erfreulichen Wachstums gehöre man in der Schweiz nicht zu den grossen Hochschulen, weiss Loprieno. Zum Vergleich: An der Universität Zürich ist die Zahl der Studierenden mit 24 000 doppelt so hoch. Von einer ehemals kleinen habe sich Basel immerhin zu einer mittelgrossen Universität entwickelt.

800 Millionen Franken gesucht

Um im Konzert der international bedeutenden Hochschulen mitspielen zu können, brauche es allerdings eine Minimalgrösse, die die Universität Basel zurzeit nicht erreiche und wohl so schnell auch nicht erreichen werde. Nach Angaben von Prognostikern ist die Aufrechterhaltung des raschen Wachstums im letzten Jahrzehnt aufgrund der demografischen Entwicklung für die Hochschule nicht aufrechtzuerhalten. «Wir gehen bis in zehn Jahren von einer weiteren Zunahme auf 13 500 Studierende aus», so Antonio Loprieno.

2020 ist das Jahr, auf das die wichtigsten strategischen Aufgaben des Rektors hinzielen. «Die vielfältige Profilierung der Universität und eine Qualitätsentwicklung in Lehre und Forschung», ist nur ein geringer Auszug aus dem Pflichtenheft, das ihm die Universitätsleitung mit auf den Weg gegeben hat. Loprieno rechnet mit notwendigen Investitionen von rund 800 Mio Fr., um diese Vorgaben in der vorgegebenen Frist umzusetzen. «Da sind die Kantone und der Bund gefordert», erklärt er. Beträchtliche Gelder sind bereits geflossen, um die Universität Basel in ihren Paradedisziplinen Nanowissenschaften und Life Sciences auf ein Topniveau zu führen.

Eine weitere Grossaufgabe stellt sich Loprieno und seinem Führungsteam bezüglich der Gebäudelogistik. Heute ist das Areal der Hochschule mit rund 90 Liegenschaften fast auf das ganze Stadtgebiet verteilt, was der Rektor als «suboptimal» empfindet. Der 2007 verabschiedete Strategieplan sieht vor, diese dezentralisierte Struktur bis 2020 aufzuheben und das universitäre Geschehen auf die drei grossen Campus-Areale Schällemätteli, Volta- sowie Petersplatz zu konzentrieren. Auch hier gilt: Ohne zusätzliche Mittel vom Bund und beider Basler Halbkantone ist dieses Projekt nicht möglich.

Wirtschaft zum Thema machen

Im Jubiläumsjahr, das geprägt ist von Tradition und Nostalgie, muss die Universitätsleitung den Blick daher geschärft auf Gegenwart und Zukunft richten. Die Verbindungen mit Politik und Wirtschaft müssen gepflegt und weiter intensiviert werden. Auch ein Thema wie die Wirtschaftskrise dürfe an einer Hochschule - selbst wenn sie nicht zu den führenden Adressen für Wirtschaftswissenschaften zählt - nicht spurlos vorbeiziehen, ist sich Antonio Loprieno bewusst. Die Universität Basel hat reagiert. Die Einführung des Fachs Wirtschaftsethik sei angedacht. Zudem sei eine Professur für Bio- und Medizinethik bereits in Gründung.

«Solche Themen sind bei uns heute sehr präsent», sagt Loprieno und mahnt, dass die Hochschulen diesbezüglich auch in der Pflicht gegenüber der Öffentlichkeit stehen. Die Universität Basel müsse und werde sich künftig noch stärker mit Problematiken auseinandersetzen, die die Öffentlichkeit bewegen. Loprienos Einschränkung lautet: «Natürlich muss sich ein Thema auch wissenschaftlich darstellen lassen, damit es auf dem Campus wirklich zum Thema wird.» An diesem Grundsatz werde man auch in den kommenden 550 Jahren kaum etwas ändern.