Nach wochenlangem Ringen hat Spanien nun offiziell Finanzhilfen der Eurozone für seinen angeschlagenen Bankensektor beantragt. Wirtschaftsminister Luis de Guindos nannte in einem entsprechenden Brief an Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker allerdings keine genaue Summe.

Der spanische Wirtschaftsstaatssekretär Fernando Jiménez Latorre sagte, beim nächsten Treffen der Eurogruppe am 9. Juli solle «eine Grössenordnung» für den Finanzbedarf angegeben werden. Spaniens Zentralbank hatte vor wenigen Tagen einen Bedarf von bis zu 62 Milliarden Euro genannt. Die Euroländer hatten Madrid zuvor eine Unterstützung von bis zu hundert Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Nach dem Platzen der spanischen Immobilienblase im Jahr 2008 waren zahlreiche Kredite nicht mehr an die Banken zurückgezahlt worden, woraufhin Madrid die Branche mit Milliardenbeträgen stützte. Der spanische Staat hat jedoch auch selbst mit Haushaltsproblemen zu kämpfen und verordnete sich bereits drastische Sparmassnahmen.

Anzeige

IWF mit technischer Unterstützung

Juncker bestätigte den Antrag Spaniens und kündigte in einer Mitteilung ein Mandat für die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank und die Europäische Bankenaufsicht an, um die im Gegenzug verlangten Auflagen und Restrukturierungspläne für den spanischen Finanzsektor auszuhandeln. Der Internationale Währungsfonds soll demnach technische Unterstützung leisten.

EU-Währungskommissar Olli Rehn erklärte, das Hilfsprogramm solle innerhalb «von Wochen» ausgearbeitet werden. Experten sollen dazu laut einem Sprecher bald nach Madrid reisen. Der spanische Bankensektor müsse reformiert werden, um Vertrauen zurückzugewinnen, erklärte Rehn. Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy forderte einen «klaren Zeitplan» mit dem Ziel, «Zweifel am Euro zu zerstreuen».

Derweil gab die zweitgrösste spanische Bank BBVA bekannt, keine Finanzhilfen zu benötigen. Dies gelte auch für den Branchenführer Santander und das drittgrösste Institut CaixaBank, sagte BBVA-Chef Ángel Cano. Die Renditen für spanische Staatsanleihen verteuerten sich jedoch wieder. Derzeit müsste das Land knapp 6,5 Prozent Zinsen zahlen.

Noch keine formale Anfrage

Nach Angaben aus europäischen Diplomatenkreisen könnte auch Zypern sehr bald die Eurozone um Finanzhilfen für sein angeschlagenes Bankensystem bitten. Die formale Anfrage sei noch nicht in Brüssel eingetroffen, werde aber «binnen Stunden» erwartet, hiess es. Schon vor Tagen hatte ein EU-Diplomat angekündigt, Zypern werde «wahrscheinlich in der kommenden Woche» um Finanzhilfen bitten.

Die zyprischen Banken sind vor allem wegen der beispiellosen Krise der griechischen Finanzbranche in Bedrängnis. Diplomatenkreisen zufolge müssen die Geldhäuser des Inselstaates wegen der Schuldenkrise im Nachbarland rund 3,5 Milliarden Euro abschreiben. Als letzte der drei grossen US-Ratingagenturen stufte am Montag Fitch die Kreditwürdigkeit Zyperns auf Ramschniveau herab.

Bundesaussenminister Guido Westerwelle (FDP) dämpfte derweil die Hoffnungen Griechenlands auf eine Lockerung seines Sparprogramms. «Wir können nicht zulassen, dass alles neu verhandelt wird», erklärte er in Luxemburg. Die Vereinbarungen müssten ungeachtet des Zeitverzugs, der durch den Wahlkampf in Griechenland bei der Umsetzung der Reformen entstanden sei, weiter gelten.

Anzeige

(laf/chb/sda)