Auch wenn die aktuelle Wirtschaftslage gegenwärtig die Nachfrage drückt: Die Nachfrage nach Energie wird steigen. Laut Vorhersagen soll 2030 der Gesamtverbrauch an Energie denjenigen von 1980 um das Doppelte übertreffen. Dieses Wachstum ist vor allem auf nicht der OECD angehörende Länder mit stark wachsenden Wirtschaften wie Brasilien, Indien, China oder Russland zurückzuführen. Dabei ist nur ein Teil durch Bevölkerungswachstum bedingt; Haupttreiber ist die Zunahme des Pro-Kopf-Verbrauchs der Bevölkerung.

Die Studien zu den Reserven an konventionellen Brennstoffen zeigen keinen direkten Engpass, vielmehr sind noch erhebliche Reserven vorhanden, weitere Vorkommen werden erwartet. Diese künftigen Ressourcen werden aber nur aufwendig und zu deutlich erhöhten Kosten ausgebeutet werden können. Die Vorkommen sind nicht nur schwer zugänglich (zum Beispiel Tiefsee), sondern auch teuer und energieintensiv in der Ausbeutung (Öl aus Sand oder Schiefergestein). Aktuell steigt der Ölpreis bereits wieder, und die langfristigen Prognosen zeigen insgesamt eine steigende Preisentwicklung. Die Attraktivität erneuerbarer Energien wird infolge steigender Grenzkosten der Produktion der konventionellen Brennstoffe langfristig steigen. Gleichzeitig wird der Entwicklungsrückstand im Bereich erneuerbarer Energien durch zunehmende Investitionen in diesem Bereich reduziert werden.

Die Abhängigkeit der Schweiz und zunehmend der ganzen EU von Drittländern in Bezug auf fossile Brennstoffe stellt die Frage nach der mittel- und langfristigen Sicherheit der Energiequellen. Eine zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien ist der einzige Weg einer unabhängigen Energiepolitik. Kurzfristig sind Investitionen in die Forschung der beste Weg, um die Gestehungskosten und die Zuverlässigkeit im Bereich neuer erneuerbarer Energien zu steigern. Erst wenn die Abhängigkeit von Umweltfaktoren (wie Wetter) im Mix neuer erneuerbarer Energien reduziert werden kann, ist wirklich Sicherheit erreicht.

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Öffentlich wachsender Druck

Bevölkerung, Regierung, Parteien und Unternehmen fordern unter dem Eindruck inzwischen klarer Nachweise zum Klimawechsel nach einem eindeutigen Wechsel im Energieverbrauch. Der Konsument ist sich der Gefahren der Übernutzung unserer Umwelt zunehmend bewusst und fordert in allen Bereichen eine nachhaltige Energiepolitik. Die Schweiz wie auch die EU haben sich dementsprechend ambitionierte Ziele gesetzt. Stichwort seien die Ziele 2020: Reduktion der CO2-Emissionen um 20%, Steigerung der Energieeffizienz um 20% und mindestens 20% erneuerbare Energien bis 2020 in Europa. In den USA haben die erneuerbaren Energien seit der Amtsübernahme durch Präsident Barack Obama einen richtigen Ruck erhalten. Obama will zum Beispiel mit Investitionen von 150 Mrd Dollar in den nächsten Jahren die privatwirtschaftlichen Anstrengungen unterstützen, so beispielsweise bis 2015 1 Mio Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge «made in USA» auf die US-amerikanischen Strassen bringen. Solche Pläne sollen die Grünhausgas-Emissionen der USA bis 2050 um 80% reduzieren, mit Zwischenschritten wie 10% der Energie aus erneuerbaren Quellen bis 2012 und 25% bis 2025.

Versorgungsunternehmen versuchen heute auf zwei Wegen, ihr Portfolio an erneuerbaren Energieproduktionen zu erweitern. Der eine geht über nationale und internationale Projektakquisition, der andere über Mergers & Acquisitions. Jeder dieser Wege hat seine Vorteile, abhängig vom Marktumfeld. Das aktuelle Umfeld mit Volatilität im Finanzierungs- und Energiesektor führt gegenwärtig zu Opportunitäten, erschwert allerdings das Erreichen der häufig schon vor der Krise ambitiösen Ziele im Bereich erneuerbarer Energien.

Billionenschwerer Markt

Die Industrie rund um erneuerbare Energie wird sich zu einem billionenschweren Markt entwickeln. Für Unternehmen und auch Privatinvestoren öffnen sich damit Chancen zu Investitionen mit interessanten Gewinnmöglichkeiten. Diejenigen, die schnell agieren, können noch in vielen Feldern eine Führungsrolle erreichen.

Für Investitionen der öffentlichen Hand, von Bund, Städten, Gemeinwesen oder den sich mehrheitlich in öffentlichem Besitz befindlichen Versorgungsunternehmen ergeben sich willkommene Effekte durch Steigerung der Innovationsleistung, Schaffung neuer Stellen oder Ankurbelung der Wirtschaft im weiteren Sinne. Da jedoch der Wettbewerb nationale Grenzen überschreitet, ist die Regierung gefordert, Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien und auch entsprechende Investitionen in die Schweiz zu ziehen. Der positive Seiteneffekt, eine Entwicklung in Richtung nachhaltiger Energiesysteme zu führen, kann die Wirtschaft nicht nur stärken, sondern auch langfristiges Wettbewerbspotenzial in der Schweiz aufbauen.