Der hinter Deutschland zweitwichtigste Handelspartner der Schweiz steckt in der Krise: Die USA sind von der Rezession hart getroffen, ganze Branchen stehen am Abgrund. Der Automobilhersteller Chrysler etwa steht vor der Zahlungsunfähigkeit, Mitbewerber General Motors bettelt um Verstaatlichung.

Wie schlecht es der grössten Volkswirtschaft der Welt geht, zeigen die jüngsten Zahlen zum Bruttoinlandprodukt (BIP). Demnach schrumpfte die US-Wirtschaft im 1. Quartal 2009 um 6,1%. Dies war der dritte Rückgang des BIP in Folge. Im 3. Quartal 2008 war die US-Wirtschaft um 0,5% eingebrochen und im 4. Quartal um 6,3%. Damit schrumpfte die US-Wirtschaft erstmals seit der Ölkrise 1974/75 drei Quartale in Folge. Grund waren vor allem drastisch fallende Exporte und Investitionen der Firmen. Die USA befinden sich seit fast eineinhalb Jahren in der Rezession. Die Wirtschaftskrise hat bislang in den USA rund 5,1 Mio Arbeitsplätze gekostet. Ökonomen rechnen mit einem weiteren Anstieg der Zahl der Arbeitslosen in den kommenden Monaten.

Bad News irritieren Firmen

Solche Nachrichten sorgen bei Schweizer Unternehmen für Verunsicherung. Ist es richtig, nach wie vor in den USA zu investieren? Ist es Zeit für einen Rückzug aus dem krisengeschüttelten Markt? «Nein», sagt Martin Naville, CEO der Amerikanisch-schweizerischen Handelskammer AmCham. «Die Schweizer Firmen müssen auch in der Krise präsent bleiben und weiter investieren.» Die Schweizer hätten gute Karten in jenen Sektoren, in denen sie heute schon erfolgreich sind, also mit Feinmechanik und Präzisionsinstrumenten, Medizinaltechnik und Pharma. «Und sie werden künftig wohl vermehrt auch Technologien für erneuerbare Energien und Energieeffizienz sowie für Verkehrsinfrastrukturen über den Teich liefern können», gibt Naville zu bedenken. Er geht davon aus, dass die Talsohle im 2. Semester 2009 durchschritten wird.

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Auch die US-Notenbank weckte zuletzt Hoffnung auf ein Ende der schwersten Rezession seit Jahrzehnten. Notenbankchef Ben Bernanke sieht ungeachtet des massiven Einbruchs der Wirtschaftsleistung in den USA erste Anzeichen für eine mögliche Stabilisierung der Konjunktur. «Die seit dem letzten Treffen des Offenmarktausschusses im März verfügbaren Informationen zeigen, dass die Wirtschaft weiter nachgibt, aber das Tempo dieser Kontraktion scheint etwas langsamer zu sein», sagte er. So habe sich der Konsum, die wichtigste Säule der US-Wirtschaft, zuletzt stabilisiert. Er bleibe aber abhängig vom Arbeitsmarkt, der sich zuletzt quasi im freien Fall befand, und den Kreditbedingungen.

Naville ist zuversichtlich: «Ich bin überzeugt, dass die USA als erste der grossen Wirtschaftmächte wieder aus der Rezession herausfinden.» Denn die Amerikaner seien unternehmerisch und innovativ.

«Der Aufschwung wird allerdings nicht so schnell in einem nächsten Boom gipfeln», relativiert Naville. «Denn die amerikanischen Konsumenten werden sich in Zukunft sparsamer verhalten, was eben eine allmähliche und nicht allzu schnelle wirtschaftliche Besserung bringen wird.»