Es ist das Branchennarrativ der Stunde: Eine im November willkürlich vom Bundesrat verordnete Senkung der Verzinsung der Milliardengelder, welche AKW-Betreiber für die Stilllegung und Entsorgung ansparen, koste die Stromkonzerne dreistellige Millionenbeträge. Das verhindere Investitionen in die Energiewende.

Axpo hat die halbe Nordostschweiz aufgeboten und die BKW nutzt den Hype um die Abschaltung ihres AKW in Mühleberg für Seitenhiebe gegen den Bund. Nur eine ist still: Alpiq. Und das vermutlich zu Recht. Denn das Narrativ stimmt nicht. Das zeigen Recherchen im Umfeld des Fonds und der Blick zurück in die Geschichte von Alpiq, die vor zwei Jahren beinahe kollabiert wäre.

Es ist Sommer 2017, bei Alpiq brennt das Haus. Wegen der gesunkenen Strompreise schreibt der Konzern Verlust, innert weniger Jahre ist das Eigenkapital um 4 Milliarden Franken auf die Hälfte zusammengeschmolzen. An der Spitze des Konzerns steht Jasmin Staiblin. Sie steuert den Dampfer mit stoischer Miene durch den Sturm. Doch die Wellen sind hoch und der Wind bläst von allen Seiten. Ihr halbwegs brauchbares BBB-Rating hat Alpiq nur noch dank dem Goodwill der Analysten. Diese betrachten die schlechten Zahlen als zyklische Taucher und drücken beide Augen zu. Weiter tauchen darf Alpiq nicht mehr. Ihre Schulden sind zu gross, die Einnahmen im Vergleich dazu viel zu klein.