Das Basler Biotech-Unternehmen Speedel wird am 29. März die Zahlen des Geschäftsjahres 2006 im Zürcher «Development Center» vorstellen – passend zur Tatsache, dass bei der Firma nach wie vor die Forschung und Entwicklung im Vordergrund steht. Trotzdem kann Alice Huxley (Gründerin, CEO und grösste Aktionärin von Speedel) aufatmen. Denn seit kurzem ist mit dem Blutdrucksenker Tekturna das erstes Speedel-Produkt auf dem Markt. Tekturna ist zwar im Besitz des Pharmakonzerns Novartis. Doch Speedel hat das Medikament entwickelt und wird dafür laut Schätzungen 8 bis 15% des jährlichen Umsatzes von Tekturna erhalten. Dieser könnte jährlich 1,5 bis 5 Mrd Fr. betragen.

Bestätigung für Konzept

Die Zulassung des Medikaments ist ein wichtiger Beweis, dass das Konzept von Huxley zu funktionieren scheint. Dieses setzt auf die Bekämpfung des Enzyms Renin. Renin bildet sich in den Nieren und setzt Substanzen frei, welche die Blutgefässe verengen. Dies führt zu Bluthochdruck. Die Produkte von Speedel sollen die Renin-Bildung hemmen. Und das Unternehmen will damit vom lukrativen Markt für Blutdrucksenker – deren weltweiter Jahresumsatz beträgt 50 Mrd Fr. – profitieren. Speedel denkt, dass Tekturna einen Vorsprung von fünf Jahren auf die nächste Generation der Renin-Hemmer haben wird.
Trotz des Erfolgs mit Tekturna muss sich Huxley aber nach wie vor um die langfristige Sicherung des Unternehmens kümmern. Die Basis eines einzelnen Produkts würde dafür kaum ausreichen. Speedel mit ihren über 70 Mitarbeitern möchte sich deshalb zu einem Spezialisten für Herzkreislauf- und Stoffwechselkrankheiten entwickeln.
Aus diesem Grund hat Huxley Ende 2001 die Renin-Moleküle von Roche erworben. Beim daraus resultierenden Projekt «SPP635» soll der Beschluss über die letzte, entscheidende Entwicklungsphase im 3. Quartal 2007 fallen. Das von Speedel selbst entwickelte Renin-Projekt «SPP1148» soll im 4. Quartal 2007 erste Daten zur Sicherheit zeigen.

Zuversicht trotz Rückschlag

Einen Rückschlag gab es hingegen Ende 2006 bei der Entwicklung eines Medikaments gegen diabetische Niereninsuffizienz. Aus Sicherheitsgründen musste das ebenfalls von Roche stammende Projekt gestoppt werden. Bis Mitte 2007 will die Firma über das weitere Vorgehen entscheiden.
Bislang stehen die Analysten und Investoren aber weiter hinter Speedel. Fünf von insgesamt sieben Analysten empfehlen den Titel zum Kauf, zwei stufen ihn mit «Halten» ein. Ihre Preisziele schwanken zwischen 158 Fr. und 258 Fr. Zuletzt lag der Aktienkurs bei rund 186 Fr. Und im Januar 2007 wurden über eine Wandelanleihe 55,5 Mio Fr. aufgenommen; damit sollten die finanziellen Mittel bis Anfangs 2008 reichen.