Gutes zu Lebzeiten tun wie Bill & Melinda Gates, George Soros, Stephan Schmidheiny – wer verspürt in seinem Innersten nicht den Wunsch, durch philanthropisches Handeln seinem Leben Sinn zu stiften. Die Realität scheint in eine andere Richtung zu zeigen. Gemäss einer Untersuchung der Zürcher Hochschule Winterthur nimmt bei Senioren die Sparquote mit der Einkommenshöhe zu. Glücksforscher stellen fest, dass ab einem gewissen Vermögen die existenziellen Ängste wieder zunehmen. Volatile Märkte, wie wir sie heute sehen, schüren die Unsicherheit zusätzlich.

Wie kann nun ein philanthropisches Vorhaben in die Vermögensverwaltung integriert werden? Ein erfolgreicher Ansatz ist eine transparente und langfristige Einkommens- und Vermögensplanung. Nur wer seine Ausgaben und Einnahmen in Franken beziffern kann, weiss, auf welche zusätzlichen Vermögenswerte er zukünftig angewiesen ist. Wichtig ist, dass eine solche Planung nicht nur statisch abgebildet wird, sondern als rollende Planung geführt wird. Übergänge verschiedener Lebensphasen (z.B. Pensionierung) müssen ebenso berücksichtigt werden wie die gewünschte Spendenhöhe.

Sind die gewünschten Schenkungen definiert, geht es darum zu entscheiden, wie die Mittel eingesetzt werden. Ein guter Ansatzpunkt sind die Erfahrungen des Spenders. Oft sind es spezifische Anliegen, die dem Spender am Herzen liegen. Möchte er eine Idee unterstützen, einer bestimmten Region helfen oder einen Mangel bekämpfen?

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Die Dimensionen Reichweite des Engagements und der Einbezug der Öffentlichkeit stehen im Vordergrund. Geht man von vier Grundtypen von Geldgebern aus und zieht die Vogelwelt zur Illustration bei, dann gibt es Albatrosse wie Gates oder Soros und Schmidheiny, die global und multinational tätig sind und sich nicht vor Publizität scheuen, diese sogar aktiv zur Verfolgung ihrer Zwecke suchen. Der Typ Adler sucht ebenfalls die Öffentlichkeit, beschränkt sich aber auf lokale oder nationale Engagements. Die beiden öffentlichkeitsscheuen Typen sind die Eule mit lokalem Fokus und der Mauersegler mit multinationaler Ausrichtung (siehe Grafik).

Wie vergebe ich Gelder?

Je mehr Zeit oder Geld in die philanthropischen Aktivitäten gehen, desto wichtiger wird die Verknüpfung mit der persönlichen Finanz- und Zeitplanung. Die Höhe der Mittel korreliert mit dem zeitlichem Engagement. Spenden an verschiedene Non-Profit-Organisationen (NPO) mit kleinem persönlichen Engagement und Kontrolle und somit mit einer gewissen Diversifikation zur Risikominimierung sind mit einem geringen finanziellen und zeitlichen Aufwand möglich. Eine Grossspende an eine NPO oder an ein ausgesuchtes Projekt mit persönlicher Begleitung des Projektes vor Ort und regelmässiger detaillierter Berichterstattung durch den Programmleiter der NPO bedingt bereits einen höheren Einsatz von Kapital und Zeit. Eine weitere Steigerung ist die Gründung einer sogenannten Zustiftung unter dem Dach einer grösseren Vergabestiftung mit dem Ziel, sich wenig zu exponieren und trotzdem Zugang zu ausgewählten Projekten zu erhalten sowie die administrativen Kosten auf einem erträglichen Niveau zu halten. Den grössten finanziellen und zeitlichen Einsatz verlangt die Gründung einer eigenen Förderstiftung mit entsprechendem öffentlichem Auftritt.

Eine Übersicht über das Spektrum im Schweizer Spendenmarkt ist beispielsweise auf www.spendenplattform.ch zu finden. Hier sind Engagements möglich, ohne sich persönlich exponieren zu müssen. Die Wahrscheinlichkeit, geeignete Projekte zu finden, steigt mit der Kommunikationsfreudigkeit des Philanthropen. Eine einfache und effiziente Art zu kommunizieren ist das Networking. Andere Geldgeber verfügen über Erfahrungen und Verbindungen, die ohne grosse Publizität nutzbar gemacht werden können. Roundtables wie www.philanthropie.net und Verbände wie www.swissfoundations.com sind Beispiele für Netzwerk-Plattformen. Kommunikation ist für Stiftungen der wichtigste Bereich im Stiftungsmanagement. Der strategische Ansatz in der Kommunikation legt die Basis für den Erfolg. Entscheidend ist die Qualität der Zielgruppenansprache.

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Leistung prüfen

Im Vordergrund steht die Frage der Kosten und der Effektivität. Führen die eingesetzten Mittel zum gewünschten Erfolg? Entsprechen die Projektfortschritte den definierten Zielen? Nicht weniger bedeutend ist die regelmässige Reflextion. Macht die Fortführung des Programms Sinn, um auf die Missstände zu reagieren? Verbessert sich die Zufriedenheit der Begünstigten? Der klassische Investor wiederum interessiert sich verstärkt für die Finanzresultate. Werden die Standards eingehalten? Wie Menschen ihr Geld ausgeben, ist für das persönliche Glück mindestens so wichtig wie die Höhe des Einkommens. Diese Theorie hat die University of British Columbia in Vancouver (CDN) überprüft. Die Auswertung ergab, dass glücklicher ist, wer sein Geld verstärkt für soziale Zwecke einsetzt oder für Spenden investiert. Die Höhe ist dabei nebensächlich. Wir müssen somit nicht spenden wie Bill Gates. Wichtig ist, dass wir es tun, und dass wir es richtig tun.

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