Zuerst ging die Marke nach dem Zweiten Weltkrieg als «urchiger» Land Rover um die Welt, ausgesprochen robust, wenig komfortabel. Und geliebt von den Bauern. Danach, ab den 70er-Jahren, machte der Range Rover mit seiner auf Luxus und Geländetauglichkeit ausgelegten Technologie von sich reden; dies so erfolgreich wie kein anderes Fahrzeug in diesem Prestigesegment. Dann allerdings entdeckten die Kunden vermehrt Schwachpunkte. Als die Elektronik Einzug hielt, war die neue Technologie keineswegs das Ding der Briten. Schlimmer noch: Als sich die Gewerkschaften entschlossen, gegen die Regierung und damit auch das Unternehmen Land Rover in einen «Arbeitskrieg» zu ziehen, war es um die Qualität der Wagen aus der Banbury Road im mittelenglischen Gaydon völlig geschehen. Die vermeintliche Rettung kam erst in Gestalt des deutschen BMW-Konzerns. Als sich die Situation nicht wesentlich bessern liess, trat auch BMW zurück und griff Ford zu. Doch den Amerikanern ging das Geld aus.

Ein Inder Hüter der Tradition

Land Rover wurde schliesslich von einem der neuen Milliardäre aus dem Morgenland übernommen. Ratan Tata, der Chef der indischen Tata Motors, riss sich Land Rover unter den Nagel. Wohl kaum teuer. Tata hat nicht nur ein Fabel für Billig- und Kleinwagen (Nano), sondern auch für den Luxus der ehemaligen Kolonialherren. Diesen pflegt er nun einerseits mit Land Rover, anderseits mit Jaguar, also mit zwei Marken, die markante Spuren in der industriellen Autolandschaft zurückgelassen haben. Ziel des Inders ist es, in den nächsten Jahren nach und nach den hohen Treibstoffverbrauch der beiden Marken in sozialverträgliche Regionen zu senken.

Ein erster Schritt ist mit dem neuen Diesel-V8-Motor (313 PS, 700 Nm) gemacht. Er stammt noch aus der Werkstatt von Ford. Dieses Aggregat, mit Doppelturboaufladung und 4,4 l Hubraum, erreicht einen ungefähren Verbrauch von 12 bis 14 l (EU-Zyklus), was gegenüber den früheren Werten von 16 bis 22 l für den 2,7 t schweren Luxuswagen einen ersten Fortschritt darstellt. Zudem ist der neue V8-Motor nicht nur sparsamer, er sorgt auch aus den unteren Drehzahlen heraus für gehörigen Vortrieb. Die Kraftübertragung erfolgt über eine Achtstufen-Automatik von ZF. Die Basispreise beginnen für den neuen Range Rover bei 132 300 Fr. für den Diesel V8. Die Version mit dem 5-l-V8-Benziner mit Kompressor (510 PS) kostet mindestens 164 900 Fr.

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In Sachen Antrieb bedeutet der neue V8 noch lange nicht das Ende der Entwicklung. Für die nächsten Jahre stehen deshalb neben neuen Modellen auch neue Motoren vor der Einführung.

Der Evoque kommt nächstes Jahr

Offiziell ist vorerst lediglich bekannt, dass ab 2011 der kompaktere, zweitürige Range Rover Evoque auf den Markt rollen soll. Er wird eine prominente Botschafterin bekommen, David Beckhams Gattin Victoria, die sich von der Rock-Göre bei den Spice-Girls über eine Modelkarriere zur Markenbotschafterin gewandelt hat. Sie soll ein jüngeres, modebewusstes Publikum anziehen, entsprechen doch die bisherigen Range-Rover-Modelle zu stark den Vorstellungen verstaubter britischer Gutsherren.

 

 

Nachgefragt Stephan Vögeli, Managing Director, Jaguar Land Rover Schweiz AG, Safenwil


«Verbrauch um fast die Hälfte reduziert»

Ist in dem Preissegment, in dem sich die Range-Rover-Modelle bewegen, heute nicht eine gewisse Zurückhaltung der Kunden wegen der Verbrauchs- und Emissionswerte zu spüren?

Stephan Vögeli: Nein - im Gegenteil. Das positive Halbjahres-resultat der Marke Land Rover/Range Rover mit einem Verkaufsplus von 70,3% im Vorjahresvergleich zeigt, dass die Nachfrage nach multifunktionalen Allradfahrzeugen mit modernen und effizienten Dieselmotoren im Moment sehr gross ist. Im Segment Large Luxury SUV ist der Range Rover Sport mit 451 Immatrikulationen in der Schweiz klar die Nummer eins in den ersten sechs Monaten 2010.

Wie stellen Sie die Range-Rover-Kundschaft in Zukunft zufrieden?

Vögeli: Der neue, kompakte Range Rover Evoque wird im September an der Paris Motorshow seine Weltpremiere feiern und ab Sommer 2011 auf den Markt kommen. Der Evoque wird der kompakteste, leichteste und effizienteste Range Rover sein, den das Unternehmen jemals produziert hat. Die Kunden haben die Wahl zwischen einer Version mit Zweiradantrieb und einer Allradversion, wobei die CO2-Emissionen von weniger als 130 g/km vom Bekenntnis von Range Rover zu nachhaltigem Umweltbewusstsein zeugen.

Sind Hybridantriebe geplant?

Vögeli: Land-Rover-Diesel-Hybrid-Prototypen auf der Basis des Range Rover Sport sind im Test und werden in absehbarer Zeit in die Serie gelangen. Die neue Antriebslösung ist das Schlüsselelement eines umfassenden Forschungs- und Entwicklungsprogramms für Umwelttechnologien, das Land Rover gemeinsam mit der Schwestermarke Jaguar initiiert hat. Das 1 Mrd Euro teure Umwelt-Investitionsprogramm legt Gewicht auf Gewichtsreduzierung, Minimierung von Leistungsverlusten und Effizienzsteigerung der Antriebseinheiten. Heute liegt der Durchschnittsnormverbrauch aller von Land Rover angebotenen Dieselmotoren unter 10 l, was fast einer Halbierung des durchschnittlichen Treibstoff-Normalverbrauchs in den letzten zehn Jahren entspricht.