Jürg Brechbühl, Mitglied des Zentralvorstandes von Allpura Verband Schweizer Reinigungs-Unternehmen und Geschäftsleitungsmitglied von Vebego Services AG, äussert sich zu den Verhandlungsergebnissen der Verlängerung des Gesamtarbeitsvertrags für die Deutschschweiz.

Seit zwei Jahren hat die Branche jetzt einen GAV. Welche Erfahrungen haben Sie bis heute sammeln können?

Jürg Brechbühl: Der am 1. Juli 2004 für allgemeinverbindlich erklärte GAV, hat seit seiner Inkraftsetzung viel Positives für die Reinigungsbranche gebracht. Nebst der Sicherstellung von Rechten und Pflichten, als auch bei der Durchsetzung von zeitgemässen Anstellungs- und Arbeitsbedingungen konnte auch das Image der Branche verbessert werden. Mittels Lohnbuchkontrollen konnten die fehlbaren Arbeitgeber in die Schranken gewiesen werden. Auch im Bereich der beruflichen Weiterbildung wurden in der ganzen Deutschschweiz mit grosser Beteiligung paritätische Kurse durchgeführt. Somit kann man sagen, dass die gesteckten Ziele und somit der Zweck des GAV erreicht worden sind. Natürlich ist die Inkraftsetzung des Vertrages nicht ohne erhebliche Kostenfolgen für die Unternehmer erfolgt. Hier ist von Seiten des Verbandes noch eine grosse Öffentlichkeitsarbeit gefordert.

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Nun ging es um die Verlängerung des GAV. Wie verliefen die Verhandlungen mit den Gewerkschaften aus Ihrer Sicht?

Brechbühl: Die Verhandlungen waren sehr intensiv und dauerten relativ lang. Aber unsere Delegation mit Jasmine Stebler als Zentralpräsidentin, Hans Herzog, Roger Stalder, Stefan Honegger, André Nauer, Karl Enzler, Noldi Gerhard und mir als Ressortchef wollte einerseits nichts überstürzen und andererseits eine möglichst vernünftige Ausgangslage für unsere Mitglieder schaffen. Das Ziel des Verbandes war eine langfristig planbare Vertragsverlängerung zu erreichen und gleichzeitig für die gleiche Dauer eine Allgemeinverbindlichkeitserklärung des Bundes für alle Betriebe zu erhalten. Erst am 16. Januar 2006 konnte ein Verhandlungspaket gemeinsam verabschiedet werden.

Der bestehende GAV wurde überarbeitet und leicht angepasst. Um welche Änderungen geht es hier?

Brechbühl: Die wesentlichen Änderungen umfassen folgende Punkte: Wegfall der 600 Stellenprozente (d.h. sämtliche Reinigungsunternehmen sollen unter den GAV fallen); Mutterschaftsurlaub von 16 Wochen zu 80% entschädigen; leichte Anpassung der Mindestlöhne und der Mittagessensentschädigung; Unterstellung der Spitalreinigung unter den GAV; Möglichkeit, die Feiertage im Betrieb selbst zu definieren und stufenweise Einführung des 13. Monatslohnes in der Unterhaltsreinigung (bis ins Jahr 2009).

Es fällt auf, dass nun auch die Spitalreinigung dem Gesamtarbeitsvertrag neu unterstellt wurde?

Brechbühl: Ja, das musste nachgeholt werden, nachdem dieser wichtige Bereich im bisherigen GAV nicht enthalten war. Ausgenommen aus dieser neuen Kategorie ist die Reinigung von Alters- und Pflegeheimen. Diese fallen unter die Kategorie Unterhaltsreinigung.

Was empfehlen Sie zusammen mit der Kommission Ihren Verbandsmitgliedern?

Brechbühl: Aufgrund der bisher erfolgreichen Umsetzung und der sinnvollen Neuüberarbeitung des GAVs, empfiehlt der Zentralvorstand unseren Kommissionsmitgliedern, der Verlängerung des GAV an der Delegiertenversammlung vom 1. April 2006 zuzustimmen.

Welches sind die nächsten Schritte, die nun vorgenommen werden müssen?

Brechbühl: Das Ergebnis der regionalen Generalversammlungen ergibt ein einfaches Mehr von 17 zu 15 Stimmen. Somit ist der Vertragsverlängerung zugestimmt worden. Wenn die Delegiertenversammlung dieses Resultat noch formell genehmigt, wird der Vertrag beim Seco zur Prüfung und Genehmigung eingereicht. Parallel dazu wird der Verband gemeinsam mit den Sozialpartnern eine Werbekampagne vorbereiten zur Unterstützung bei der Einführung der Neuerungen. Zudem wird der Verband Hilfsmittel zur besseren Umsetzung der Preisanpassungen bei den Kunden erstellen und verbreiten. Das äusserst knappe Resultat signalisiert klar, dass wir in den nächsten Jahren keinen Verhandlungsspielraum mehr haben werden.