Oberhalb von Brockenhaus und Ebay geht es los – und steil nach oben. Möbel auf Auktionen, das hiess bisher: Gediegene Antiquitäten, meist über einhundert Jahre alt. Der moderne Webuser denkt an Ebay, aber nicht direkt an Möbel. Heute machen Auktionen mit Designstücken von sich reden und können mit unglaublichen Preisen aufwarten. Mit einem Tisch aus den 1950er Jahren erzielte das New Yorker Auktionshaus Christies den bisherigen Weltrekord für ein Möbelstück des 20. Jahrhunderts: Der skulpturale Entwurf von Carlo Mollino ging für 3,8 Mio Dollar an einen Sammler.

Überraschende Spitzenreiter

Die grosse Überraschung ist aber, dass heute auch Design hohe Auktionserlöse erzielt, das kaum zehn Jahre alt ist. Namen, die wir aus Trendberichten und Lifestyle-Magazinen kennen, erscheinen schon auf den Ergebnislisten führender Auktionshäuser, mit Beträgen bis zu 1 Mio Dollar: Marc Newson, Ron Arad, die Brüder Bouroullec, die Brüder Campana und der aktuelle Superstar, die Londoner Architektin Zaha Hadid. Fast 1 Mio Dollar wurde Mitte 2006 für die «Lockheed Lounge» von Marc Newson gezahlt, 200000 für einen Hadid-Tisch. Ron Arads Bücherregal «This Mortal Coil» ging im Dezember 2006 bei Phillips de Pury & Company in London für 117000 Dollar weg. Gleichzeitig erzielte ein Tisch-Prototyp von Amanda Levete von Future Systems, London, stolze 132000 Dollar. Das in New York und London ansässige Auktionshaus, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1797 reichen, hat sich seit der Partnerschaft mit dem Schweizer Simon de Pury in einer neuen «Nische» etabliert: Der Designzeit von 1980 bis heute.

Design kann Kunst sein

Diese Jubelpreise werden natürlich nicht für ein in Grossserie hergestelltes Teil erzielt, beispielsweise das von Kartell hergestellte Kunststoff-Bücherregal von Ron Arad. Der gebürtige Israeli mit Wohnsitz in London hat von Anfang auf «one offs» Wert gelegt, handwerklich gefertigte Einzelstücke und Mini-Editionen aus der Londoner Werkstatt. Solche experimentelle Einzelstücke wurden über die Jahre u.a. in Showrooms und Galerien rund um die Mailänder Möbelmesse gezeigt. Was seinerzeit oft ratlos bestaunt wurde, hat inzwischen seinen Platz gefunden. Diese Grenzgänger zwischen Design und Kunst, zwischen einerseits der Dienstleistung Gestaltung und andererseits der totalen Zweckfreiheit der

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Kunst bilden die neue Kategorie «Design Art». Ihr widmen sich jetzt internationale Galerien und Auktionshäuser. Anfang 2007 präsentierte die Galerie Phillips de Pury in Zürich Arbeiten von Ron Arad. Im Dezember 2006 fand in Miami eine eigene Messe statt, die «DesignMiami», als internationales Forum für Sammler, Aussteller und Kreative. Die Karrieren der neuen Design-Artisten, die oft parallel auch als «richtige» Designer tätig sind, werden ebenso sorgfältig aufgebaut und gepflegt wie im Kunstbetrieb.

Trendiges Skandinavien

Auch Design-Stile und -Regionen unterliegen Trends und Moden. Seit einiger Zeit schon sind handwerkliche Möbel aus Dänemark und Schweden besonders gefragt, die meist in ganz kleinen Serien gefertigt wurden oder werden. Die perfekten, liebevoll gearbeiteten Möbel von Designern wie Finn Jul, Ole Wanscher, Hans J. Wegner, von Kastholm und Fabricius, von Poul Kjaerholm bringen Menschlichkeit und Wärme ins puristische Interieur. Das Magazin «Wallpaper» propagierte den Trend frühzeitig. Einzelstücke mit «Jahresringen», mit Patina sind gefragt. Für rare Poul-Kjaerholm-Sessel wurden schon bis zu 20000 Dollar gezahlt. Jedoch kann der Markt auch kippen, berichtet der Design-Experte aus München. Wenn ein seltener Entwurf wieder neu in Serie reproduziert wird, sinken die Preise, auch die für das alte Original. Nun funktioniert Design in etwa wie der Kunstmarkt: Auktionen lebten schon immer vom Auf und Ab, von Begehrlichkeit oder Marktsättigung. Design ersteigern ist ein Börsenspiel, bei dem man ganz sicher gewinnt, und zwar ästhetische Erlebnisse, Lebensqualität und sogar praktische Benutzbarkeit.