Wenn in den USA, Europa oder Asien Rockstars in Arenen ihre Fans begrüssen oder wenn in grossen Stadien Eishockey-, Football- oder Fussball-Jubel brandet: dann ist die Chance gross, dass ein schöner Teil des Rubels zur US-amerikanischen Firma Anschutz Entertainment Group (AEG) rollt.

Der Unterhaltungskonzern mit Hauptsitz in Los Angeles ist ein globaler Riese punkto Betrieb und Besitz von Event-Arenen. Die Firma des US-amerikanischen Milliardärs Philip Anschutz, 77, betreibt weltweit über hundert der grössten Sport- und Musikkomplexe. Darunter die O2-Arena in London, die Barclaycard Arena in Hamburg oder die Mercedes-Benz-Arenen in Berlin und Schanghai.

Verlustreiche Schweiz-Erfahrungen

In manchen Fällen gebietet die Firma über die komplette Wertschöpfungskette. Etwa in Los Angeles, wo AEG nicht nur das Staples-Stadion besitzt und betreibt, sondern auch einen Drittel an den dort aufspielenden Basketballern der LA Lakers hält. Wo immer multifunktionale Stadien betrieben werden, ist der lange Arm der AEG nicht fern. Er reicht seit diesem Jahr neuerdings auch wieder bis in die Schweiz.

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Zwar dürfte Philip Anschutz nicht nur gute Erinnerungen haben an das Land. Um die Jahrtausendwende stieg er beim Hockeyclub Genf-Servette ein, trennte sich aber wenige Jahre später verlustreich wieder von dem Club. War es damals noch die Idee, europaweit in Sportclubs zu investieren, scheinen es die US-Amerikaner in der Alten Welt nun stärker aufs Stadionmanagement abzusehen.

Schweizer Vertreter stapelt tief

Dieser Tage wurde in Zürich die Firma AEG Management Switzerland GmbH eingetragen. Firmenzweck: «Verwaltung und Betrieb von Sport- und Unterhaltungsanlagen zur Mehrfachnutzung». Eingetragen ist die ganze Corona des britischen Ablegers AEG Facilities. Als Schweizer Vertreter sitzt Hans-Ulrich Brunner, Partner bei der Anwaltskanzlei Prager Dreifuss, im Verwaltungsrat. 

Während Branchenbeobachter davon ausgehen, dass sich AEG im heute noch stark fragmentierten Schweizer Stadion-Betreibermarkt landesweit festsetzen will, stapelt Brunner tief. Die Zürcher Gründung sei lediglich als Sitz für die Aktivität in Lausanne zu verstehen.

In Genf Lehrgeld bezahlt

Tatsächlich tauchte der Name AEG Mitte Jahr in der Romandie auf. AEG wird dort den Betrieb der neuen Hockeyhalle in Lausanne übernehmen. Zuständig dafür: AEG-Facilities-Manager Richard Krezwick. Er ist auch als einer der Geschäftsführer der Zürcher Neugründung eingetragen.

Hiesige Event-Profis vermuten, dass Lausanne kein Einzelfall bleiben wird. Der lange Arm der Kalifornier könnte bald auch bis in die Deutschschweiz reichen.