Kein Schnee, keine Nachfrage: Das bekam der wetterabhängige Sportfachhandel im vergangenen Winter besonders hart zu spüren. «Der milde Winter hinterliess tiefe Spuren», berichtet Claude Benoit, Chef des Verbands Schweizer Sportfachhandel (Asmas). Alle Wintersport-Warengruppen hätten ein dickes Minus zu verzeichnen. Teilweise betrugen die Umsatzeinbussen bis zu 30%.
Das bestätigt auch Intersport, mit einem Umsatz von 234 Mio Fr. der grösste Sporthändler-Einkaufsverbund der Schweiz, im jüngsten Geschäftsbericht. «Der Druck im Winterartikelbereich ist sehr hoch», sagt Intersport-Schweiz-Chef Stephan Ruggle und ergänzt: «Wir als Gruppe haben auch ein Lagerproblem.»
Die Umsatzeinbusse von 15 bis 20% im vergangenen Winter hat bei Intersport Schweiz zu einem reduzierten Bestellvolumen für den kommenden Winter 2007/2008 geführt. «Wir erwarten deshalb einen Umsatzrückgang aus dem Wintergeschäft von 10%», ­heisst es dazu im Geschäftsbericht.

*Grosse Ketten stark betroffen*
Jetzt reagieren die grossen Ketten, die nach Claude Benoit im vergangenen Winter am meisten gelitten haben. «Verrückte Auswahl - verrückte Preise» betitelt Athleticum seine Ausverkaufsaktion zum «End of Winterseason 06/07». Die Preise für Marken-Ski und -Snowboards sind um bis zu 50% und mehr gefallen. Athleticum-Chef Alfred Landolt bestätigt, dass die Verkäufe von Wintersportartikeln nicht zufriedenstellend gewesen seien. Allerdings dürfte der Lagerdruck nicht nur bei Ski und Snowboards hoch sein. Auch im Bereich Ganzjahressportartikel hat der zur Maus-Frères-Holding gehörende Sportanbieter (Umsatz: 177 Mio Fr.) für August Sale-Aktionen angekündigt.
Ochsner-Sport, mit 312 Mio Fr. Umsatz grösster Sporthändler in der Schweiz, will ab Mitte August Sonderverkäufe ausrufen, die nach Aussage von Ochsner-Sprecher Steve Schennach nicht aussergewöhnlich seien, sondern zum Geschäftsgebaren von Ochsner Sport gehören: Zum Ende der Saison werde die Ware voll abgeschrieben. «Das machen wir zweimal im Jahr», unterstreicht Schennach, man spüre keinen Lagerdruck. Alllerdings hatte Geschäftsführer Antoine Fölmli im April erklärt («Handelszeitung» Nr. 17 vom 25. April 2007), dass auch Ochsner Einbrüche im Wintersportsektor zu spüren bekommen habe.
Relativ ruhig verhält sich derzeit noch die Nummer zwei im Markt, Migros-Tochter SportXX (Umsatz: 182 Mio Fr). «Wie in der ganzen Branche war der Winter eine Katastrophe», bestätigt jedoch auch André Hüsser, Category Manager Sport für SportXX in der MGB-Zentrale in Zürich. Dabei hätte der Einbruch bei Winter-Hardware mit fast 20% Minus noch mehr weh getan als bei der Winterbekleidung (-14%). Das Lager sei voll und daher werde im August in mindestens 15 ausgewählten SportXX-Filialen ein Sommer-Skiverkauf gestartet. Dabei gebe es Preisnachlässe von bis zu 40%.

*Platz für neue Ware*
Einige Sporthändler hatten zwar im vergangenen Jahr vorsichtiger eingekauft, trotzdem müssen auch sie Platz schaffen für neue Ware. Der Berner Intersport-Händler Vaucher Sport sei zwar einigermassen gut über den vergangenen Nichtwinter gekommen, dennoch werde man bald mit einem Sommerausverkauf beginnen. «Das geht bis Ende des Monats und wird sicher auch Winterware beinhalten», sagt Annemarie Vaucher.
Andere wollen sich antizyklisch verhalten. Spätestens zum Herbst aber «drohe eine frühe Winterschlacht», meint Intersport-Mitglied Heiko Körlings (Bächtold Sport). Der Zürcher Sporthändler klagt über ein volles Lager, das man eins zu eins wieder hinstellen werde. «An der drohenden Ausverkaufsschlacht jetzt wollen wir uns jedoch nicht beteiligen.»

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