Dass Olympia derzeit der Börse klar den Rang abläuft, ist nur allzu verständlich: Seit Jahresanfang haben die Märkte in Shenzhen und Schanghai rund 50% verloren. In Hongkong notierte Aktien von Unternehmen, die in Festlandchina operieren, bringen es auf ein Minus von 30%. Und da Investoren bislang nicht die Möglichkeit haben, auf fallende Kurse zu setzen, warten sie erst einmal ab.

«Ein guter Verlauf der Spiele könnte jedoch der Startschuss zum Wiedereinstieg sein», sagt Weijon Yin, Asien-Experte von Allianz Global Investors. Vor allem, wenn Chinas Sportler die hochgesteckten Erwartungen tatsächlich erfüllen. Das Reich der Mitte will die USA von ihrer Vormachtstellung verdrängen und zur besten Sportnation der Welt aufsteigen. China hat gute Chancen, den USA innerhalb der nächsten 30 Jahre auch den Titel «Stärkste Volkswirtschaft der Welt» abzunehmen. «Die Entwicklung verläuft zwar nicht mehr so dynamisch wie in den vergangenen Jahren. Die jährlichen Wachstumsraten werden jedenfalls weiterhin deutlich höher ausfallen als in den Industrieländern», sagt Christian Hofmann, Fondsberater des FIVV Aktien China Select UI.

Exportindustrie unter Druck

Langfristig spreche dies für steigende Unternehmensgewinne und anziehende Aktienkurse. Zwischenzeitlich werde es jedoch immer wieder zu heftigen Abschwüngen kommen. Bis zum Ende dieses Jahres erwartet Hofmann jedoch keinen generellen Kurseinbruch.

Anleger sollten vor allem exportorientierte Unternehmen meiden. Diesen macht die Abkühlung der Konjunktur in den USA und in Europa zu schaffen. Auch der stetig steigende Kurs des Renminbi und die hohen Lohnzuwächse in den vergangenen Jahren drücken bei Textilherstellern und Automobilunternehmen heftig auf die Margen. Die Provinzen Guangdong, Schanghai und Zhejiang – sie produzieren über 50% aller chinesischen Exporte – melden für das 1. Halbjahr bereits Wachstumseinbrüche von bis zu 3%.

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Der Machtanspruch der kommunistischen Partei Chinas ist jedoch eng verknüpft mit der Schaffung von Jobs. Sie versucht daher, die Wirtschaft zu stabilisieren. «Ende Juli etwa wurde die Mehrwertsteuerrückerstattung auf Textilexporte angehoben», sagt China-Fachmann Yin. Gleichzeitig versuche die Regierung, den Export wieder anzukurbeln, indem sie den Anstieg der Währung bremst. Die zunehmenden Eingriffe des Staats in die Wirtschaft erhöhten jedoch wegen ihrer Unberechenbarkeit das Marktrisiko.

Insbesondere Bankaktien sind aktuell kein Kauf. Bislang haben sich Titel der Industrial & Commercial Bank of China (ICBC) und der China Construction Bank (CCB) gut gehalten. Beide Titel notieren seit Jahresanfang leicht im Plus. Die von der Marktkapitalisierung her weltweit grössten Kredithäuser engagierten sich nicht im Subprime-Geschäft. Sie müssen daher keine Milliardenabschreibungen vornehmen. Im 1. Halbjahr meldeten ICBC und CCB gar Gewinnsteigerungen von mehr als 50%.

Deutlich bessere Chancen sieht der Fondsmanager abseits des Vergleichsindexes. Etwa bei Comba Telecom. Der Hardwareanbieter sollte von der Ende Mai beschlossenen Neuordnung des Mobilfunkmarkts profitieren. Hervorragende Aussichten biete auch Haeco. Das in Hongkong gelistete Unternehmen hält einen beachtlichen Anteil an der Instandsetzung der chinesischen Flugzeugflotte.

Chancen mit Alternativenergien

Grosse Kursfantasie entfachen nach Ansicht der Experten vor allem jene Unternehmen, die helfen, die Abhängigkeit des Landes von Ölimporten zu verringern. So will die Regierung bis zum Jahr 2020 bereits 15% des Energiebedarfs durch Wind- und Solarkraftwerke decken. Das entspricht in etwa dem Fünffachen der heute in Deutschland installierten Kapazität.

Gut im Geschäft ist China Light & Power, die sich nicht nur auf den Heimmarkt konzentriert, sondern auch im Ausland erfolgreich ist. Trotz heftigster Konkurrenz von Reliance Industries gewann China Light & Power vor kurzem den Auftrag für ein 1320-Megawatt-Projekt im Nachbarstaat Indien.