Anleger in Bonds von Schwellenländern erhalten gegenwärtig sehr unterschiedliche Signale. Auf der negativen Seite stehen Länder mit akuten Zahlungsschwierigkeiten wie Ungarn, Pakistan oder die Ukraine, wo der Internationale Währungsfonds IWF in den vergangenen Wochen mit Rettungsaktionen den nahenden Staatsbankrott abwenden musste. Auf der positiven Seite stehen kerngesunde Länder wie China mit Währungsreserven von gegen 2 Billionen Dollar.

Da kommen bei manchen Anlegern Erinnerungen auf an die Asienkrise, die Russlandkrise oder Argentiniens Zahlungsausfall. Was viele Investoren noch nicht wahrgenommen haben: Seit der Jahrtausendwende hat sich die wirtschaftliche Position vieler Schwellenländer fundamental verändert. Gemessen am wichtigsten Solvenzindikator, dem Verhältnis von Netto-Aussenverschuldung zu Exporten, zeigt sich die Verbesserung sehr deutlich (siehe Tabelle). So sind die asiatischen Länder seit mehreren Jahren Nettogläubiger, Russland ist 2006 vom Nettoschuldner zum Nettogläubiger geworden, und in Brasilien ist das Verhältnis der Schulden zu den Exporten gegen null gesunken. Einer der Gründe war die Hausse der Rohstoffpreise. Die Gegenbewegung der vergangenen Monate hat diese Länder stark betroffen. Hingegen profitiert die Mehrzahl der Schwellenländer von tieferen Rohwarenpreisen, vor allem die expandierenden Länder im Fernen Osten.

Abkopplung von Industrieländern

Im Zuge der sinkenden Aussenverschuldung findet eine Abkopplung von der Nachfrage aus den Industrieländern statt. Innerhalb der Emerging Markets nahm der Anteil der Exporte von 2000 bis 2007 von 37 auf 46% zu. Die Konsumnachfrage wird zu einem immer wichtigeren Wachstumstreiber. Mit steigendem Wohlstand werden die Einkommen vermehrt für Mobiltelefone, Haushaltgeräte und Autos ausgegeben. China hat Anfang November ein Stimulierungspaket von 600 Mrd Dollar bekannt gegeben, um die Wirtschaft weg von den Export- hin zum Binnenmarkt zu entwickeln und will vermehrt die Infrastruktur und den Sozialsektor fördern.

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Ein wichtiger Wachstumsfaktor ist die Transformation der bäuerlichen Gesellschaften in moderne Volkswirtschaften und die damit einhergehende Urbanisation, die Investitionen in die Infrastruktur nach sich zieht. Allein in China ziehen jährlich 30 Mio Menschen vom Land in die Stadt. Das entspricht etwa der Hälfte der Bevölkerung von Frankreich oder Italien. Gleichzeitig steht in den Schwellenländern eine steigende Zahl von Arbeitskräften zur Verfügung, während sich der Pool an Arbeitskräften in den entwickelten Ländern zurückbildet.

Anlagen in Schwellenländer haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Heute haben zwei Drittel der wichtigsten Emerging Markets ein Investment Grade Rating. Erst unlängst erhielt Brasilien mit BBB- den Investment-Grade Status. Anleger müssen die Spreu klar vom Weizen trennen und sollten sich auf Länder mit hohen Exportüberschüssen und Fremdwährungsreserven konzentrieren. Insgesamt sind die Aussichten in den Schwellenländern noch immer positiv.

An den Kapitalmärkten der Schwellenländer hat in den letzten Jahren eine Verschiebung der Emittenten von der öffentlichen Hand hin zu Unternehmen stattgefunden. Betrug der Anteil der Emissionen von Unternehmen Ende 2001 noch rund 20%, stieg er bis Ende 2007 auf über 60%. Gleichzeitig ging der Anteil von Dollar-denominierten Bonds zugunsten von Emissionen in Lokalwährungen zurück. Sie machen heute über 80% aus. Auch das Volumen der ausstehenden Bonds hat sich deutlich erhöht und verdoppelte sich allein zwischen 2000 und 2005 auf über 4 Trillionen Dollar.

Bonität gestiegen

Die Bondmärkte in den Schwellenländern sind reifer geworden, und die Inflationsraten wie auch die Währungen vieler Länder haben sich stabilisiert. Die Nachfrage nach langfristigen Bonds in Lokalwährungen steigt, da die Staaten Pensions- und Vorsorgesysteme aufbauen und die Bevölkerung zum Sparen angehalten wird. Im Zuge der Finanzkrise haben die Preise von Schwellenländeranleihen in den vergangenen Monaten überdurchschnittlich korrigiert, und die Spreads im Vergleich zu Regierungsanleihen sind stark angestiegen. Dies eröffnet für 2009 Renditechancen im zweistelligen Bereich.

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Für Anleger in Schwellenländern hat sich der Fokus vom Länderrisiko in Richtung Unternehmensrisiko verschoben. Die Beurteilung und Titelauswahl ist dadurch komplexer und die Diversifikation wichtiger geworden. Fonds sind geradezu prädestiniert, um durch Investitionen in Emerging Market Bonds von den Chancen in den aufstrebenden Märkten zu profitieren. Sie können den hohen Research-Aufwand bewältigen und die Risiken auf eine genügende Anzahl Positionen in unterschiedlichen Ländern verteilen.