Zurzeit wird hinter den Kulissen verhandelt. «Ich vermute, dass alle Grossaktionäre von SPS angesprochen werden», sagt Walter Fust, Investor und Verwaltungsrat von Jelmoli. «SPS ist gierig wie die Wilden. Das ist für sie ein so gutes Geschäft.»

Dass Gespräche laufen, gibt auch Swiss Prime Site (SPS) zu: «Wir stehen im Dialog mit vielen Investoren und können ihnen die Vorteile eines Zusammenschlusses beider Firmen näherbringen», sagt Wolfgang Weber-Thedy, Sprecher von SPS. Wegen der «quiet period» zeigt er sich aber verschlossen. Das Halbjahresergebnis von SPS wird am 31. August publiziert.

Walter Fust zumindest konnte von der SPS bisher nicht überzeugt werden. «Das Angebot von 8,1 SPS-Aktien pro Jelmoli-Aktie ist markant zu tief», erklärt Fust. Er rechnet mit einem höheren Angebot. SPS solle für die Übernahme der Kontrolle zu den 8,1 Aktien zusätzlich eine Prämie zahlen.

Als Prämie sieht SPS die künftig höhere Ausschüttung der neuen Gesellschaft. Die Kostensenkungen und Mehrerträge dürften den Gewinn je Aktie um 12 bis 17% erhöhen, glaubt SPS. Fust bezweifelt aber, ob sich durch den Zusammenschluss der beiden Immobilienfirmen tatsächlich Kosteneinsparungen und Mehrerträge von 30 bis 50 Mio Fr. realisieren lassen, wie es SPS verspricht. Diese Berechnungen würden auf 2008 beruhen, einem Ausnahmejahr.

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Grundsätzlich will Fust seine Aktien der SPS nur andienen, wenn 82% der Jelmoli-Aktionäre ihre Aktien ebenfalls umtauschen: «Ich mache keinen Alleingang.» In einem offenen Brief an die Jelmoli-Aktionäre hat Fust letzte Woche diese aufgefordert, das Angebot von SPS nicht anzunehmen: «Wer jetzt nicht andient, verpasst nichts.»

Wieviele Jelmoli-Investoren ihre Aktien SPS bereits angedient haben, kann SPS aus rechtlichen Gründen nicht verraten. Das Angebot läuft seit dem 29. Juli bis zum 14. September. Jelmoli-Grossak- tionäre wie der Fondsanbieter Franklin, die Unfallversicherungsanstalt Suva und Klaus Wecken haben das Übernahmeangebot ebenfalls als zu tief bezeichnet.

Die SPS ihrerseits hat wenig Spielraum für ein Entgegenkommen. Schliesslich hat sich SPS-Grossaktionär Georg von Opel bereits vehement gegen ein höheres Angebot ausgesprochen. «Ein höheres Angebot steht nicht zur Debatte», bestätigt denn auch SPS-Sprecher Weber-Thedy.

Walter Fust kann es immer noch nicht verschmerzen, dass Georg von Opel rund 100 Mio Fr. erhielt, indem er bei der Einführung der Einheitsaktie bei Jelmoli die Kontrollmehrheit abgab. Von Opel verkaufte dann im Frühsommer sein Jelmoli-Paket an SPS.

Und Fust hat auch ein Problem mit dem Verwaltungsrat von Jelmoli: «Der VR vertritt nicht die Interessen der Mehrheit der Aktionäre. Das sind ausser mir und Klaus Wecken alle Habenichtse.» In der Tat sind nur Fust und Wecken Grossaktionäre von Jelmoli. Früher habe der VR die Interessen von Georg von Opel vertreten, heute diejenigen von SPS, so Fust.

SPS: Sozialdemokratische Partei

Fust ist aber nicht nur mit dem Angebot von SPS unzufrieden, sondern auch mit dem Namen Swiss Prime Site (SPS). Das sei ein englischer Name, dessen Abkürzung zudem mit der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz verwechselt werden kann. Es wäre daher angebracht, wenn der Name der 170 Jahre alten Jelmoli in der neuen Firmenbezeichnung zu finden sei. «Jelmoli ist ein urschweizerisches Traditionsunternehmen, das sollte man dem Namen der neuen Firma ansehen. Falls der Zusammenschluss bei einem wesentlich höheren Angebot zustande kommt, sollte die neue Firma nicht SPS Swiss Prime Site heissen, sondern Jelimmo.» Das sei auch der Wunsch vieler Jelmoli-Aktionäre, weiss Fust.

Auch wenn es SPS nicht gelingt, Jelmoli zu übernehmen, ist Fust überzeugt, dass SPS in drei bis fünf Jahren die Mehrheit an Jelmoli halten wird. Das würde dazu führen, dass der Aktienkurs von Jelmoli steigt und derjenige von SPS sinkt.

Durch den Zusammenschluss von Jelmoli und SPS würde der grösste Immobilienkonzern der Schweiz entstehen mit einem Portfolio von 8 Mrd Fr. Falls es nicht zu einer Übernahme kommt, wird es langfristig wohl zu einer Fusion kommen.