Die Freiburger St. Paul AG schliesst Ende 2014 ihre Zeitungsdruckerei. Grund ist der Verlust der wichtigsten externen Kundin, der «Freiburger Nachrichten». Rund 50 Stellen fallen weg, wie die St. Paul AG mitteilte.

Saint-Paul druckt seit über 100 Jahren die Tageszeitungen «Freiburger Nachrichten» (FN) und die von ihr herausgegebene französischsprachige «La Liberté». Die FN kündigten laut der Mitteilung von Saint-Paul Ende 2012 an, den Druckauftrag ab 2014 zu günstigeren Konditionen ausserhalb des Kantons zu vergeben.

Ohne FN lasse sich die Zeitungsdruckerei nicht mehr kostendeckend betreiben, schrieb Saint-Paul. Für 2013 vereinbarte die Gruppe mit den FN einen Kompromiss-Preis. 2014 kann die FN zwar ebenfalls noch in Freiburg gedruckt werden, aber nur noch zum von einem dritten Unternehmen offerierten Referenzpreis.

Anzeige

Gewerkschaft warnt vor Schaden

Diese Übergangszeit soll es den von der Restrukturierung betroffenen Angestellten erlauben, neue Lösungen zu finden. Entlassungen werden nach Angaben des Unternehmens nicht zu vermeiden sein. Die Gewerkschaft syndicom forderte umgehend den Verbleib der FN bei der Druckerei von Saint-Paul.

Der Entscheid, die FN ausserhalb des Kantons drucken zu lassen, müsse rückgängig gemacht werden, schrieb die Gewerkschaft und warnte vor dem Schaden, der einem symbolträchtigen Freiburger Unternehmen zugefügt würde. Sie kündigte an, für den Erhalt der Druckerei und aller betroffenen Stellen zu kämpfen.

In der Übergangszeit will Saint-Paul zudem nach Wegen suchen, um die «Liberté» und weitere von ihr produzierten Zeitungen wie beispielsweise die Regionalzeitung «La Gruyère» künftig ausserhalb des Kantons drucken zu lassen. Das Unternehmen hat nach Angaben auf der Firmenwebseite rund 140 Angestellte.

Bedenken des Staatsrates

Der Freiburger Staatsrat bedauerte den Entscheid. Dieser bedeute nicht nur einen Stellenverlust, sondern auch den Verlust einer kantonalen Besonderheit. Würden die Freiburger Zeitungen nicht mehr im Kanton gedruckt, könnte dies deren Unabhängigkeit schwächen, gab die Kantonsregierung in ihrem Communiqué zu bedenken.

Im Aktionariat wünscht sich der Staatsrat eine «Freiburger Lösung"» wie er schrieb, damit der Fortbestand und die Unabhängigkeit der Zeitungen im Kanton sichergestellt würden. Die Freiburger SP befürchtet laut einer Mitteilung, dass der Entscheid der FN "der Anfang vom Ende" der Unabhängigkeit der Freiburger Zeitungen sein könnte.

Verwaltungsrat und Direktion von Saint-Paul sind nach eigenen Angaben bestrebt, in Freiburg ein autonomes Medienunternehmen zu erhalten. Nicht zuletzt wollen sie laut der Mitteilung erreichen, dass die verlegerische und redaktionelle Unabhängigkeit der von ihr herausgegebenen Zeitungen gewährleistet bleibt.

(rcv/sda)

Jobabbau 2013: Diese Unternehmen streichen Stellen