Spanische Schlüsselunternehmen sind kaum zu knacken. Davon kann Wulf Bernotat, Chef des deutschen Energieriesen E.on, ein Liedchen singen. Nur wenige Tage, nachdem E.on 2006 eine Offerte für den führenden spanischen Energiekonzern Endesa vorgelegt hatte, ermächtigte die Regierung in Madrid die Nationale Energiekommission CNE, sämtliche Übernahmeversuche im Energiesektor zu prüfen und gegebenenfalls ihr Veto einzulegen.

Die EU-Kommission zwang Spanien zwar, die CNE-Auflagen für E.on zurückzunehmen. Doch bis dahin war Zeit gewonnen, sodass der spanische Mischkonzern Acciona und die befreundeten Italiener von Enel den E.on-Plan mit Aktienkäufen zunichte machten.
Wäre dieser Plan nicht aufgegangen, hätte Endesa auf ein rettendes Gesetz zurückgreifen können: Eine Bestimmung beschränkt die Stimmrechte staatlicher ausländischer Unternehmen beim Einstieg in spanische Konzerne auf dürre 3%. Damit ist es unmöglich, ein spanisches Unternehmen feindlich zu übernehmen.

Fallstricke in Russland

In Russland legen die Behörden mit Vorliebe Fallstricke aus. Hier gilt noch immer das Wort von Präsident Wladimir Putin als beste Garantie für ein Investitionsvorhaben. Ein bisweilen trügerisches Versprechen. So hatte die Siemens AG die präsidiale Zusage, sie könnte Russlands grössten Turbinenhersteller Power Machines übernehmen. Dann intervenierte der Inlandgeheimdienst FSB und definierte Power Machines als «strategisch wichtiges Unternehmen». Siemens ist heute nur Minderheitsaktionär.
In Russland gibt es keine Behörde, die Übernahmen politisch prüft.Dennoch hat der russische Beamtenapparat für Auslandinvestoren genügend Fallstricke ausgelegt, um behäbige Staatskonzerne und die eigenen Oligarchen vor Konkurrenz zu schützen.
Bisweilen wird die Antimonopolbehörde instrumentalisiert, die gemäss dem «Gesetz über den Konkurrenzschutz» von 2006 entscheiden soll, ob ein Missbrauch der Marktposition gegeben ist.
Oft werden auch Behörden wie die Umweltaufsicht oder die Steuerbehörden eingeschaltet, die längst erteilte Bescheide kassieren und eine Investition in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang verwandeln. So entzog das Umweltministerium dem Konsortium um Royal Dutch Shell die Lizenz für das Öl- und Gasprojekt «Sachalin-2». Die Kontrolle über das Projekt ergatterte der führende russische Energiekonzern Gazprom.
In Japan sind – offiziell – die Zeiten der berühmten Japan AG lange vorbei. Bereits in der Regierungszeit des Reformpremiers Junichiro Koizumi hat das Land eine vorsichtige Öffnung für ausländische Investoren gewagt: Die Macht des übermächtigen Industrieministeriums MIT wurde beschnitten und das Übernahmerecht liberalisiert, sodass Zukäufe auch per Aktientausch finanziert werden können. Ein Novum im Land der aufgehenden Sonne. Geholfen haben die Massnahmen wenig, noch immer halten sich Direktinvestitionen in Grenzen.
Japan gilt im Westen weiter als strukturkonservatives Land, in dem Übernahmen aus dem Ausland abgelehnt werden. Und auch wenn es nun staatliche Deregulierungen gibt, findet auf der Kapitalseite wieder eine Verflechtung statt: In vielen Branchen gibt es Gespräche von Aktionären und Management über Abwehrmassnahmen und Überkreuzbeteiligungen – allen voran im Stahlbereich. Auch der Elektronikkonzern Toshiba, der Handelskonzern Ito-
Yokada, der Kamerahersteller Pentax und der Uhrenbauer Citizen wollen sich vor unerwünschten Übernahmen schützen. Die Japan AG würde dann wieder auferstehen.

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Norwegen mischt gerne mit

Norwegen mischt in der Wirtschaft am liebsten selber mit. Als drittgrösster Ölexporteur der Welt und demokratischer Staat ist Norwegen in der westlichen Welt ein geschätzter Handelspartner.
Anders als etwa bei Russland fürchtet niemand, dass das nordeuropäische Land seinen Rohstoffreichtum als Druckmittel einsetzt. Norwegen ist es aber wichtig, dass ausländische Firmen nicht die Kontrolle über die Ölvorkommen und andere Schlüsselindustrien übernehmen. Die Regierung besitzt bedeutende Anteile unter anderem an der Bank DnB NOR, der Telekomfirma Telenor sowie den Energiekonzernen Hydro und Statoil.
Hinzu kommt, dass Norwegens Regierung unlängst beschlossen hat, sich künftig aktiver ins Wirtschaftsgeschehen des Landes einzumischen. Nachdem Hydro und Statoil, bei denen der Staat grösster Aktionär ist, Ende 2006 angekündigt hatten, ihr Öl- und Gasgeschäft zu fusionieren, teilte die Regierung mit, den Anteil an der neuen Gesellschaft auf mehr als zwei Drittel zu erhöhen.
Kürzlich beteiligte sich der Staat an einer neuen Holding, die 40% am Technologie- und Industriekonzern Aker Kvaerner hält. Weitere derartige Schritte sind zu erwarten.